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115,5 Millionen Euro Betriebskosten gespart - Das ist das Ergebnis von 15 Jahren ÖkoBusinessPlan Wien

Gastkommentar von Dr. Thomas Hruschka

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Unternehmerische Verantwortung, Nachhaltigkeit, Wandel. In den letzten Dekaden des 20. Jahrhunderts erlebten diese Begriffe die erste Hochkonjunktur. 1972 die „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome, lange Zeit Bibel der Ökobewegten. 1987 der „Brundtland Report“, in dem die „Nachhaltige Entwicklung“ ihre gängigste Definition erfuhr. Und was 1992 beim „Earth Summit“ in Rio ablief würde man heute als „Nachhaltigkeits-Hype“ bezeichnen: 178 Regierungschefs unterzeichneten die „Agenda 21“, ein entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert.

Aufbruchsstimmung herrschte damals auch in Wien. VisionärInnen in der Wiener Umweltschutzabteilung nutzten die Gunst der Stunde. Umweltschutz kann sich rechnen, Wirtschaft und Umwelt kann zu beider Wohl agieren, so ihr Credo. Professionelle, geförderte Beratung soll Betriebe begleiten ökologischer und ökonomischer zu Wirtschaften. Der ÖkoBusinessPlan war geboren, ein Programm, das mittlerweile zum internationalen Vorbild wurde.

Heute, 15 Jahre später, besteht der ÖkoBusinessPlan Wien aus einem Netzwerk von 1000 Betrieben und 70 BeraterInnen. Die Unternehmen haben sich mittlerweile die stolze Summe von 115,5 Mio € Betriebskosten erspart, konservativ gerechnet. Die BeraterInnen finden Unterstützung für ihr Geschäftsmodel durch die Stadt Wien. Der Grundstein zum Erfolg wurde Ende der 90iger gelegt. Das Geheimnis ist Zusammenarbeit über kurzfristige Interessen hinaus, penible Ergebnisdokumentation, eine kritische Evaluierung sowie ständige Weiterentwicklung.

Das Programm der Wiener Umweltschutzabteilung wird von Institutionen getragen, die im betrieblichen Umfeld ihre Zielgruppen sehen: Stadt Wien, Wirtschaftskammer Wien/WIFI und Lebensministerium finanzieren das Projekt, Arbeiterkammer Wien, ÖGB, Wirtschaftsagentur Wien/ZIT und weitere Einrichtungen der Stadt sind tragende Säulen. Ein Konstrukt, das von vielen ausländischen Delegationen bestaunt wird. Ebenso einzigartig ist die bestens dokumentierte 15 jährige Geschichte. In einem aufwendigen Prozess werden jährlich jene Daten erhoben, die die Betriebe im Rahmen Ihrer Projektumsetzung generieren. Investitionskosten, kWh Energie, Tonnen vermiedener Abfall und nicht gefahren Transportkilometer sind in einer Maßnahmendatenbank gespeichert. Eine Erfolgsgarantie! Dem eingesetzten öffentlichen Geld können ganz penibel Ergebnisse gegenübergestellt werden. Dass nicht geschummelt wird, dafür sorgt eine unbestechliche externe Evaluation. Die Einsparungen zugunsten der Umwelt können sich sehen lassen: 2,5 Mio m3 Trinkwasser, 122.500 t Abfälle, 7.268 t gefährliche Abfälle, 1.040 GWh Energie, 305.000 t CO2 und 93,7 Mio Transportkilometer.

Ist der ÖkoBusinessPlan Wien also die perfekte Win-win-Strategie? Im Moment sieht es danach aus. Aber die Welt verändert sich stetig und so muss sich auch das Programm wandeln. In Kooperation mit dem renommierten deutschen Steinbeisinstitut denken derzeit Programmanagement, Umweltschutzabteilung, eine Gruppe von BeraterInnen, Unternehmensvertretern und Externen den ÖkoBusinessPlan der Zukunft an. Übersichtlicher, klarer, flexibler soll er werden.

Zumindest im ÖkoBusinessPlan ist die Agenda 21 greifbar geworden. Die Vision der GründerInnen lebt.
Dr. Thomas Hruschka ist Eigentümer der INSIEME Consult, einer Beratungsfirma mit dem Schwerpunkten nachhaltige Entwicklung. Im Auftrag der Stadt Wien leitet er das strategische Programmmanagement des ÖkoBusinessPlan Wien.

www.oekobusinessplan.wien.at
www.insieme-consult.com

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