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Wohnen im Passivhaus

Ein Passivhaus braucht im Winter keine Heizung. So wird es seit 20 Jahren erzählt. Auch wenn das nicht ganz stimmt: Das Passivhaus ist ein Meilenstein auf dem Weg in eine energieeffiziente Bauzukunft.

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Neue Heimat Tirol

Das Konzept „Passivhaus“ stammt vom deutschen Bauphysiker Wolfgang Feist, der seine Ideen Anfang der 1990er Jahre in Darmstadt verwirklicht hat. Es funktioniert aber nur dann, wenn die Häuser richtig gebaut werden. Um Qualität im Bau sicherzustellen wurden in Österreich Interessensgruppen, die IG Passivhaus, gegründet.

Das Besondere am Passivhaus
Niedrigster Heizwärmebedarf (max. 10 kWh/m²/Jahr), niedrigster Gesamtenergieverbrauch und hohe Luftdichtheit sind die drei wesentlichen Kriterien eines Passivhauses. Das erfordert eine kompakte Bauweise, eine sehr gute Dämmung mit Dämmstärken von 26 bis 36 cm, Spezialfenster mit 3-Scheiben Verglasung und gedämmten Rahmen, eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung sowie eine hohe Qualität der Bauausführung.

Das ursprüngliche Konzept von Feist geht davon aus, dass die geringe Restwärme über die Luft transportiert werden kann. Als Quellen dafür sollten die warme Abluft, die Sonneneinstrahlung sowie die Abwärme von Haushaltsgeräten und der Bewohner reichen. Ein „klassisches“ wassergeführtes Heizungssystem ist nicht mehr notwendig.

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Im verdichteten Wohnbau lässt sich das Passivhauskonzept gut umsetzen. GED Geschäftsführer Dietmar Geiger: „Wir haben Reihenhäuser entwickelt, die das Wohnen im Passivhaus erschwinglich machen.“ GED Liegenschaftsverwertung GmbH

„Daraus ist die Mär entstanden, ein Passivhaus brauche keine Heizung. Sobald ich aber einen Heizwärmebedarf habe – und sei er noch so klein – muss dieser gedeckt werden. Und eine Heizung mit der Luft ist eben auch eine Heizung“, erklärt Franz Gugerell, Geschäftsführer der IG Passivhaus Österreich. Die Energieeffizienz ist für Gugerell jedoch nur eine Begleiterscheinung. „Die neuen Technologien dienen in erster Linie dazu, die Baukonstruktionen vor Feuchteschäden und die Innenräume vor Oberflächenkondensat und damit vor Schimmelproblemen zu schützen.“

Die hohen Ansprüche bei der Qualität in der Verarbeitung sind auch der Grund, warum sich die Begeisterung über das Passivhaus nach wie vor in Grenzen hält. Aus der Ablehnung sind auch jene Mythen entstanden, die bis heute hartnäckig erzählt werden. Etwa, dass man in einem Passivhaus die Fenster nicht mehr öffnen dürfe, dass es in der Lüftungsanlage zu Verkeimung, Zugluft und Lärmbelästigung käme, dass Passivhäuser nur in Form hässlicher Quader gebaut werden könnten uvm. Geschürt wurden diese Gerüchte durch einzelne Negativbeispiele, die auf Baufehler zurückzuführen sind.

Mittlerweile ist das Passivhaus in der Baubranche angekommen, was man an der raschen Weiterentwicklung der wesentlichen Komponenten gut sehen kann. Das Einfamilienhaus war dabei das Testfeld. Heute wird das Passivhaus vor allem im großvolumigen Wohnbau und auch in der Sanierung umgesetzt. Mit einer 15 a Vereinbarung haben sich Bund und Länder darauf geeinigt, dass ab 2015 nur mehr Passivhäuser gefördert werden. Schon 2020 dürfen neue Häuser nur noch in Passivhausstandard gebaut werden.

Neben den geringen Verbräuchen werden die Häuser der Zukunft selbst Energie produzieren, etwa über Photovoltaikanlagen. Die Energieeffizienzrichtlinie der EU gibt hier den Takt vor. Bis 2020 dürfen nur noch „Nearly Zero Energy Buildings“ gebaut werden, sie sollen 60% der Energie, die sie benötigen, selbst produzieren.

Autor: Christian Brandstätter
Lesen Sie mehr in der LEBENSART April/Mai 2012

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