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Wo kann man beim Bauen sparen?

Architekt Dipl. Ing. Helmut Krapmeier, Energieinstitut Vorarlberg, erzählt im Gespräch mit Annemarie Herzog, warum Bauen so teuer ist und wo man Geld sparen kann.

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Helmut Krapmeier Privat

Warum ist Wohnen so teuer?

Ich sehe die Gründe natürlich in einer Mischung aus Angebot und Nachfrage, enorm gestiegenen Grundstückskosten, dem Wunsch nach großzügig bemessenem Wohnraum und nach guter Qualität und Ausstattung. Ein wirkungsvoller Schallschutz, Qualitäts-Böden, gut ausgestattete Badezimmer, Sonnschutz, Dreifachverglasungen – das alles sind Ansprüche, die Geld kosten.

Der Schallschutz oder ein Lift verbessern die Wohnqualität aber zukünftige Einsparungen bringen nur Energieeffizienzmaßnahmen, wie eine Wärmedämmung oder die dritte Scheibe im Fenster. Deshalb ist es unverständlich, dass gerade diese Maßnahmen als Hauptkostentreiber dargestellt werden.

Sind – wie von Baumeistern und Handwerkern betont - die hohen Lohnkosten dafür verantwortlich?

Natürlich sind auch die Kosten für Löhne gestiegen, aber nicht in dem Maße, wie die für Baumaterialien. Beispielsweise sind die Stahlpreise kräftig gestiegen. Doch diese Kosten wirken sich nicht so gravierend aus, wie die Vergrößerung der Wohnfläche oder die hohen Preise für Grundstücke. Mich wundert, dass in unserer Leistungsgesellschaft dort, wo nichts geleistet wird – wie bei den Grundstücken – die größten Gewinne zu erzielen sind. Die Grundstückspreise werden auch weiter steigen, weil man die negativen Auswirkungen der Zersiedelung erkannt hat und daher kaum mehr Bauflächen ausgeweitet werden und auch nicht mehr gewidmet werden sollten. Es gibt noch genügend unbebaute, als Bauland gewidmete Flächen, die allerdings zurückgehalten werden. Wer ein Grundstück in guter Lage besitzt, braucht nur abzuwarten.

Auch von einem Übermaß an Vorschriften ist die Rede. Machen diese das Bauen so teuer?

Gute Qualität und vor allem Sicherheit sind gefragt. Die Bewohner wünschen sich, dass ihr Kind keine Schnittwunden erleidet, wenn es gegen die Scheibe läuft, dass es nicht zu Bränden kommt, dass der Lärm von draußen oder von den Nachbarn nicht in die Wohnung dringt. Menschen mit Behinderungen wollen ihre Wohnung weiter nutzen können, doch sobald die Behinderung da ist, reicht das Geld für einen Umbau meist nicht mehr. Deshalb wird generell barrierefreies Bauen verlangt. Die Baugesetze reagieren auf all diese Wünsche mit verschärften Vorschriften, was natürlich das Bauen verteuert.

Seit den Bränden in Kaprun wird in Österreich ganz nach amerikanischem Vorbild zunehmend geklagt, wenn etwas unterlassen worden ist. Deshalb müssen beispielsweise Gemeinden ihre Bäume durch zertifizierte Baumgutachter kontrollieren lassen, damit niemand von einem herabfallenden Ast verletzt wird. Dieses Abschieben der Verantwortung eines jeden Einzelnen zeigt sich auch in anderen Bereichen. Die Gesetzgeber reagieren mit Vorschriften. Da fließt viel Geld hinein.

Brauchen wir eine vorgeschriebene Anzahl von Autoabstellplätzen und Garagen?

Die Anzahl der Autoabstellplätze schreibt die Gemeinde vor. Diese verursachen natürlich hohe Kosten. Vor allem Tiefgaragen kommen sehr teuer. Aber das Auto ist nach wie vor die heilige Kuh der Österreicher. Hier lässt sich Einiges sparen, wenn das Carsharing gefördert wird.

Sind unsere Ansprüche an Wohnraumgröße und Ausstattung zu hoch?

Im sozialen Wohnbau sind die Wohnungsgrößen angemessen, nicht aber im privaten Bereich. Es ist ärgerlich, dass nach wie vor riesige freistehende Eigenheime gebaut werden, obwohl die Zersiedelung von zahlreichen Architekten seit Jahrzehnten bemängelt wird. Die Flächenwidmungspläne haben bis heute noch immer zu wenig reagiert. Das „Raus-auf‘s-Land“ wurde unterstützt und gefördert. Dass Shopping Center am Stadtrand, zwischen den Dörfern ein Schuss nach hinten sind zeigt der österreichische Dokumentationsfilm von Ulli Gladik „Global Shopping Village“ eindrücklich.

Wo könnte man beim Bauen sparen?

Effiziente Grundrisse sparen Einiges an Wohnfläche. Sinnvoll ist es auch, an die Teilbarkeit von Wohnungen zu denken. In Gründerzeitbauten wurden vor Jahren viele kleine Wohnungen zusammengelegt. Diese könnte man auch wieder trennen, wenn die Kinder ausgezogen sind. Die Gründerzeitbauten sind da sehr flexibel. Diese Möglichkeit können wir auch heute mitbedenken.

Die Vorfertigung im Holzbau hilft Kosten zu reduzieren, weil damit die geforderte Geschwindigkeit erreicht wird und Fehler vermieden werden. Zudem ist der Holzbau ökologisch. Ebenso ist es günstig, frühzeitig Architekt und Haustechnikplaner zusammen zu bringen, um den Grundriss zu optimieren. Damit wird die Haustechnik kleiner und effizienter.

Natürlich könnte man auch überlegen, ob alle Vorschriften zur Sicherheit oder hundertprozentigen Barrierefreiheit tatsächlich nötig sind. Am Energieinstitut Vorarlberg untersuchen wir gerade an einem konkreten Wohnprojekt, wo man Geld und Baukosten einsparen kann, ohne gleichzeitig die Ökologie zu verschlechtern. Die Ergebnisse wird es im nächsten Jahr geben.

Um billiger zu bauen werden oft billige Arbeiter beschäftigt. Zahlt sich das aus?

Vor allem in Ostösterreich werden billige Bautrupps aus den Nachbarländern eingesetzt. Das kann im Endeffekt teuer kommen. Sie haben von unserer Bauweise oft wenig Ahnung, es gibt Verständigungsschwierigkeiten. Da darf man sich nicht wundern, wenn schlecht gearbeitet wird und Fehler passieren. Ich habe selbst in einem Gutachterbüro gearbeitet und gelernt, was man alles falsch machen kann.

Können ist auch in der Sanierung gefragt, vor allem bei der Wärmedämmung.

Es geht nicht darum, alles neu zu bauen, sondern Erhaltenswertes zu sanieren. Wärmedämmung ist eine sinnvolle Maßnahme, die allerdings derzeit stark in die Kritik gekommen ist. In manchen Fällen stimmt es natürlich, dass durch das Aufkleben von Wärmedämmung unsere Baukultur ruiniert wird. Aber nur, wenn keine Planer einbezogen werden, die sich damit sorgfältig beschäftigen. Es gibt leider sehr viel Draufgepapptes. Wenn geklagt wird, dass Wärmedämmverbundfassaden so rasch veralgen, dann passiert dies auch, weil das billigste Material verwendet worden ist. Der größte Feind des Bauens ist das Wasser. Wird etwas falsch gemacht, geht der Bau kaputt. Die Bau-Qualitätssicherung ist nach wie vor das Um und Auf eines schadfreien Gebäudes.

Allerdings kann eine Kombination von vielen verschiedenen Bauprodukten zu Schäden führen, weil sich Nebenwirkungen gegenseitig verstärken. Auch in der Baumaterialienvielfalt gilt: Weniger ist mehr.

Große Städte – allen voran Wien – setzen auf den neuen Trend „Smart City“. Werden smarte Lösungen zu günstigerem Wohnen beitragen?

Zurzeit ist alles smart – das scheint auch ein Modewort zu sein. Natürlich ist nicht ein einzelnes Wohngebäude der Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg sondern das ganze Dorf oder die ganze Stadt. Die Synergieeffekte spielen eine große Rolle. Aber was mit „Smart City“ konkret gemeint ist, wird erst erforscht.
 

Das Interview führte Annemarie Herzog

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