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Welches Vorleben hat Ihr Brathuhn?

„Was sich der Hofstädter wieder erlaubt?“. „Nachhaltiges Hühnerfleisch“ bietet er neuerdings im Werbefernsehen an, mit dem PRO PLANET-Label ausgezeichnet. Welche Kriterien stecken hinter diesem Rewe-Nachhaltigkeits-Label? Wie leben Bio-Hühner und wie sieht es in der konventionellen Geflügelhaltung aus? Ein Vergleich.

bio_klein
Bio: 10 bis 12 Hühner auf einem Quadratmeter

Bio:
Herkunft: Aus Österreich, erkennbar am roten AMA-Biosiegel.
Haltung: 21 kg pro m2 bzw. 10 – 12 Tiere.
Stall: Ausreichend Tageslicht im Stall ist vorgeschrieben. Lockere Einstreu, in der die Hühner scharren können. Gutes Stallklima. Acht Stunden Dunkelphase.
Auslauf: Ein Auslauf ist vorgeschrieben: mindestens 4 m2/Tier, mit Unterschlupfmöglichkeiten, wie Büsche und Bäume.
Fütterung: Grundsätzlich Biologisches Futter. Keine Gentechnik. Keine synthetischen Aminosäuren, Wachstumsförderer oder Hormone.
Mastdauer: ca. 81 Tage
Medikamente: Keine vorbeugende Medikamentengabe. Werden bei Erkrankung Antibiotika verabreicht, gilt bis zur Schlachtung eine doppelt so lange Wartezeit wie in der konventionellen Hühnerhaltung. Masthühner dürfen nur einmal mit chemisch-synthetischen Arzneimitteln behandelt werden.
Kontrolle: Mindestens einmal jährlich Kontrolle durch die Bio-Kontrollstellen vor Ort.
Mehrwert für die Bauern: Fixer Bio-Zuschlag. Förderungen für bauliche Verbesserungen möglich.

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Pro Planet: 15 Hühner pro Quadratmeter

Pro planet:
Herkunft: Österreich
Haltung: 25 kg pro m2 bzw. 15 Tiere.
Stall: Ausreichend Tageslicht im Stall ist vorgeschrieben, sowie ein gutes Stallklima. Sechs Stunden Dunkelphase. Beschäftigungsmaterial, wie Strohballen, soll die Tiere aktiver halten.
Auslauf: nicht vorgeschrieben.
Fütterung: Gentechnikfreier Sojaschrot, der Anteil an europäischem Sojaschrot (derzeit 80 %) wird sukzessive erhöht. Bis 2017 soll kein Übersee-Soja mehr verfüttert werden.
Mastdauer: ca. 28 – 35 Tage
Medikamente: Grundsätzlich dürfen Medikamente nur im Anlassfall verabreicht werden. Eine vorbeugende Gabe ist verboten. Nach Antibiotikagaben gilt eine Wartefrist bis zur Schlachtung, die sich nach dem jeweiligen Medikament richtet.
Kontrollen: Regelmäßige Kontrollen durch externe Prüfungsstellen vor Ort, auch die sozialen Mindeststandards betreffend.
Mehrwert für die Bauern: Fixer Preis-Aufschlag, Finanzielle Unterstützung bei baulichen Verbesserungen.

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Konventionell: 19 Hühner pro Quadratmeter

Konventionell
Herkunft: Aus Österreich, wenn es das AMA-Siegel trägt. (ca. 13 % Import (2011))
Haltung: 30 kg pro m2 oder 19 Tiere. (Andere EU-Länder bis zu 26 Tiere).
Stall: Mindestens 20 Lux Helligkeit bei künstlicher Beleuchtung. Bei neuen Stallbauten ist Tageslicht vorzusehen. Sechs Stunden Dunkelphase. Einstreu ist vorgeschrieben.
Auslauf: nicht vorgeschrieben.
Fütterung: Konventionelles Futter. Österreichische Masthühner erhalten aufgrund einer freiwilligen Vereinbarung kein gentechnisch verändertes Futter. Antibiotische Futterzusätze als Leistungsförderer sind seit 2006 verboten.
Mastdauer: ca. 28 – 35 Tage
Medikamente: Antibiotika dürfen nur nach tierärztlicher Anordnung verabreicht werden, eine vorbeugende Gabe ist verboten. Nach Antibiotikagaben gilt eine Wartefrist bis zur Schlachtung, die sich nach dem jeweiligen Medikament richtet.

FAZIT
BIO ist weiterhin der Spitzenreiter. PRO PLANET bringt gegenüber der konventionellen Landwirtschaft einige Verbesserungen. Der extrem niedrige Fleischpreis stellt ein großes Problem dar: Er entspricht keinesfalls dem Wert des Tieres und erschwert eine nachhaltige Produktion.

Infos:
Pro Planet: Ab Juni wird das Hühnerfrischfleischsortiment der REWE-Eigenmarken "Hofstädter" und "Mit Leib und Seele" das Nachhaltigkeits-Label tragen. www.proplanet-label.at
Bio: www.bio-austria.at
AMA: www.ama.at
 

Interview mit Werner Windhager, Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH

LEBENSART: Woher kommt das Hühnerfleisch in Österreich?
Werner Windhager: Hauptsächlich aus Österreich. Der Selbstversorgungsgrad bei Hühnerfleisch liegt hierzulande bei rund 90 Prozent.

Sind importierte gentechnisch veränderte Futterpflanzen erlaubt?
Grundsätzlich ja, allerdings nur, wenn sie eine Zulassung in der EU haben. Futtermittel, die einen GVO-Anteil über 0,9 Prozent enthalten, müssen als solche gekennzeichnet werden. Allerdings verwenden fast alle österreichischen Produzenten GVO-freies Futtermittel.

Werden antibiotische Leistungsförderer eingesetzt?
Das Totalverbot aller antibiotischen Leistungsförderer in der EU erfolgte mit 1. Jänner 2006. Vorbeugende Antibiotikagaben sind verboten.

Was hat sich im Bereich der Antibiotikagaben nach dem Bekanntwerden der Resistenzen verändert?
TierärztInnen sind aus ethischen und Tierschutzgründen verpflichtet, eine effektive Behandlung im akuten Krankheitsfall aufgrund ihrer klinischen Erfahrung einzuleiten. Die Entscheidung ob eine Therapie erforderlich ist liegt ausschließlich bei der Tierärztin oder dem Tierarzt.
Im Mastbetrieb werden bei bakteriellen Infektionen, wie Atemwegserkrankungen oder Dottersackinfektionen, Antibiotika eingesetzt, die nur mit einer Verschreibung durch TierärztInnen bezogen werden können. Die Verabreichung erfolgt über das Trinkwasser, Injektionspräparate sind wegen dem hohen Aufwand beim Masthuhn nicht gebräuchlich.
Um der Resistenzbildungen bei humanmedizinisch wesentlichen Antibiotika vorzubeugen, ist das Erstellen von regelmäßigen Resistenztestungen durch die BetreuungstierärztInnen im jeweiligen Betrieb vorgeschrieben.
Die Optimierung des Stallmanagements, z. B. durch beispielsweise Desinfektion, Stallklimaverbesserungen, Trennung der Altersgruppen sowie der Einsatz von Ergänzungsfuttermittel (Vitamine) und der Einsatz von Impfstoffen zur Vermeidung der Infektionen, tragen zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes bei.

Was ist beim sicheren Umgang mit Lebensmitteln zu beachten?
Im Jahr 2011 identifizierte die Nationale Referenzzentrale für Salmonellen der AGES 2.235 humane Erstisolate von 2.193 Salmonellose-Patienten (lebensmittelbedingt und nicht-lebensmittelbedingt). Einige Patientenproben enthielten mehr als einen Salmonellenstamm. Gegenüber 2002 betrug der Rückgang 74 % (2002: 8.405 Erstisolate). Dieser Rückgang der Salmonellosen beim Menschen wurde praktisch ausschließlich durch die Verminderung der S. Enteritidis-Isolate (2002: 7.459 Isolate; 2011: 1.246) verursacht.
Salmonellen stellen dennoch die zweithäufigste gemeldete Ursache bakterieller Lebensmittelvergiftungen in Österreich dar. Der korrekte hygienische Umgang mit rohen Lebensmitteln ist daher besonders wichtig:

  • Lebensmittel, insbesondere Fleisch, Geflügel, Eier oder Teigwaren mit Cremefüllung, sollen gut abgekocht und im gekochten Zustand nicht über mehrere Stunden bei Raumtemperatur aufbewahrt werden.
  • Großes Augenmerk muss bei der Speisenzubereitung neben der Küchenhygiene auf durchgehende Kühlung der Rohprodukte gelegt werden. Das Auftauwasser von gefrorenem Fleisch sollte sofort in den Ausguss geleert und heiß nachgespült werden.
  • Nach dem Hantieren mit rohem Geflügelfleisch ist das gründliche Waschen der Hände unverzichtbar, bevor andere Küchenarbeiten begonnen werden. Sämtliche Arbeitsflächen und -geräte, die mit rohem Geflügel oder rohen Eiern in Kontakt waren, mit Spülmittel und heißem Wasser reinigen.
  • Frisch zubereitete Speisen, sofern sie nicht sofort verzehrt werden, abkühlen lassen und anschließend unverzüglich im Kühlschrank aufbewahren. Salmonellen werden durch Einfrieren nicht abgetötet. In sauren Medien sterben die Salmonellen rasch ab; gebräuchliche Desinfektionsmittel töten sie innerhalb weniger Minuten.
     

Infos: www.ages.at
 

Autorin: Annemarie Herzog

Tipp für den Unterricht: Von den Hühnern lernen
Tierschutz-Unterrichtsheft für Volksschulkinder

Der Verein "Tierschutz macht Schule" vermittelt in seinen kindgerecht  gestalteten Unterrichtsheften Tierschutzwissen für Schulen. Sein  neuestes Unterrichtsheft aus der Serie WELL-KA-HU-KA-MEER-PLOPP eröffnet  den Kindern die Welt der Hühner. Das Kinderheft bietet
-einen Einstieg in das Thema: Lebensmittel Ei und seine Herkunft, 
-einen altersgerecht aufbereiteten Einblick in die Lebensbedingungen von Legehennen.
-Informationen für kleine KonsumentInnen, woran sie Eier aus guter  Tierhaltung erkennen können.

Durch die Lesegeschichte, die von Daniela Lipka geschrieben und von  Isabella Scherabon illustriert worden ist, führt der  WELL-KA-HU-KA-MEER-PLOPP. Er ist der Star der Kinder-Magazine des  Vereins „Tierschutz macht Schule“. Er ist eine Mischung aus: WELLensittich, KAninchen, HUnd, KAtze, MEERschweinchen und PLOPP wie ein  Fisch, der plopp macht.

Als Botschafter der Tiere kann er zwischen ihnen und den Kindern  vermitteln. In der vorliegenden Geschichte erklärt er den Kindern sein „Hendl-Fon“: Mit diesem Gerät können die Kinder Kontakt zu Pippa Piep,  dem Huhn, herstellen. Sie erfahren, was es glücklich macht: z.B. ein Bad  im Sand und Gebüsche zum Verstecken. Wenn die Kinder es schaffen, den  Geheim-Code auf den Eiern zu entziffern? Dann wissen sie, in welcher  Tierhaltungsform Pippa Piep lebt.

Das vielseitig einsetzbare Unterrichtsmagazin kann von Schulen gratis  in Klassenstärke bestellt werden. Nur das Paketporto ist zu zahlen. Bestellung und Infos: www.tierschutzmachtschule.at

 

 

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