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Verbautes Grün: Raumplanung

In Österreich gehen wir sehr leichtfertig mit dem Boden um: Jeden Tag geht eine Fläche von der Größe des halben Vatikanstaates verloren. Ziehen wir uns den eigenen Boden unter den Füßen weg?

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Pro Tag gehen in Österreich 22 ha Grünland verloren – das entspricht einer Fläche von der Größe das halben Vatikanstaates. Diese Fläche steht der Landwirtschaft und der Energieversorgung nicht mehr zur Verfügung. Pixabay

Eine Szene aus einem Spielfilm: Der Anwalt steigt in sein Auto. In der nächsten Einstellung sieht man ihn schwungvoll ein eine Parklücke einbiegen, aus dem Wagen steigen und die Stufen zum Gerichtsgebäude hinaufeilen. Was dazwischen passiert bleibt ausgeblendet: Die Fahrt durch Vororte, deren Straße kilometerlang von Einfamilienhäusern gesäumt ist, das Schritttempo im Stau, die Suche nach einem Parkplatz. Im Film sind diese Zwischenwege uninteressant. Nicht jedoch aus Sicht der Nachhaltigkeit. Die Energiefrage ist nicht nur eine Sache von Wärmedurchgangskoeffizient und Treibstoffverbrauch. Eine wichtige Rolle spielt die Organisation unseres Lebensraums, und das in zweifacher Hinsicht, wie Gerlind Weber, Professorin für Raumplanung und Raumordnung an der Universität für Bodenkultur ausführt.

Die Arbeitswege werden länger
„Die Wege sind entscheidend. Wenn wir im Alltag immer längere Wege zurücklegen müssen, steigt automatisch der Co2-Ausstoß“, erklärt Gerlind Weber. „Hinzu kommt, dass Siedlungsstrukturen immer stärker auf das Auto ausgerichtet werden. Wenn Wohnungen abseits der Zentren entstehen, steigt der Motorisierungsgrad. Man ist auf das Auto angewiesen.“

Im Durchschnitt braucht jeder Mensch eine Stunde pro Tag für den Weg zum Arbeitsplatz und wieder zurück. Dieser Wert hat sich seit den 1980er Jahren kaum verändert. Auf besser ausgebauten Straßen, auf neu gebauten Schnellstraßen und Autobahnen kommt man heute zwar rascher voran als vor dreißig Jahren. Dieser Vorteil wird aber dadurch wieder aufgehoben, dass auch die Anfahrtswege länger geworden sind. Schnellere Verkehrsverbindungen verleiten dazu, sich weiter weg anzusiedeln.

Beim Thema „energiesparendes Bauen“ und „thermisches Sanieren“ wird oft übersehen, dass auch die Frage, wo wir wohnen einen großen Einfluss auf den Energieverbrauch hat. Energie sparen kann man vor allem beim Verkehr: Wer täglich einen langen Weg zur Arbeit zurücklegt, verbraucht in Summe mehr Energie als er durch Wärmedämmung einsparen kann.

Familientraum Haus mit Garten
Das eigene Einfamilienhaus ist die Lieblingswohnform der Österreicher. Das hat nicht nur mit Wohnqualität zu tun, sondern auch mit Prestige: „Villen und Schlösser waren immer ein Zeichen der Herrschaft“, erklärt Weber. „Das frei stehende Haus wurde dadurch zu einem Symbol der Emanzipation. Straßendörfer hingegen, wie sie im Osten Österreichs anzutreffen sind, waren ein Symbol der Untertänigkeit.“ Das Einfamilienhaus ist ein Versuch, herrschaftliches Wohnen zu imitieren. Energietechnisch betrachtet ist es jedoch die unvorteilhafteste Bauform. Günstiger, so Weber, sei der verdichtete Flachbau mit Reihenhäusern und eng gruppierten Einfamilienhäusern.

Autor: Hartmut Schnedl

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