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Naturgarten gegen das Bienensterben

Wie Sie mit Glockenblumen, Kartäuser­nelken und anderen Wildpflanzen aus Ihrer Region Vögel und Bienen in den Garten locken.

Biene auf gelber Blume.
Paula Polak

„Naturschutz darf nicht nur in Naturschutzgebieten stattfinden! Wir wollen die Natur wieder zurück in den Garten holen“, sagt Manfred Luger. Er ist Mitbegründer des REWISANetzwerks, einer Gruppe von zwanzig kleineren Gartenunternehmen, die sich regionalen Wildpflanzen verschrieben haben. „Wir beklagen uns über das Bienensterben und vermissen den Gesang der Vögel. Aber wir räumen Landschaften leer, schaffen eintönige Rasenflächen und fassen Blumenrabatte streng ein. ‚Gepflegt‘ nennt man das dann. Wenn es in unseren Grünflächen wieder Leben geben soll, dann müssen wir Gärten, öffentliche Flächen und Betriebsareale so natürlich und vielfältig wie möglich gestalten.“

Kaum jemand weiß, mit welchen zweifelhaften Methoden heutzutage gestaltet wird. „Oft werden hunderte Quadratmeter Erde mit Kunststoffvlies abgedeckt, unter Rindenmulch und Steinen erstickt, um keine Arbeit mit der Pflege zu haben. Bei uns werden steilere Wiesenflächen, die schwierig zu pflegen sind, mit Magerrasensaatgut eingesät, wo sich schöne Blumenwiesen entwickeln, die Bienen, Hummeln und Schmetterlingen Nahrung bieten. Oder wir pflanzen Wildrosen. Ein Naturgarten präsentiert sich jeden Tag anders, nicht wie die hochgestylten Gärten, die immer gleich aussehen: monoton und artenarm.“

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Luger Schaugarten.

IM NATURGARTEN SPÜREN WIR DEN KLIMAWANDEL NICHT

Selbst der Klimawandel kann einem Naturgarten wenig anhaben. REWISA arbeitet nur mit Pflanzen, die in Österreich wild vorkommen und seit mehreren hundert Jahren in Mitteleuropa heimisch sind. Je nach Standort haben sie unterschiedliche Fähigkeiten. Manche sind trockenheitsliebend, andere feuchteliebend, manche wollen Sonne, andere gedeihen im Schatten besser. Ebenso verschieden sind ihre Ansprüche an den Boden, ob kalkreich oder sauer.

„Wir haben mit unseren heimischen Wildpflanzen ein großes Repertoire und wissen, welche Gewächse für welchen Boden geeignet sind“, sagt Luger. 900 verschiedene Arten von Bäumen, Sträuchern, Stauden und Gräsern stünden zur Verfügung. So wachsen beispielsweise auf den Felshängen im Donautal Glockenblumen und Kartäusernelken, die man auch im Garten nutzen könne. „Selbst wenn es vier Wochen lang nicht regnet, gehen die nicht ein. Sie werden vielleicht welk, aber treiben schnell wieder aus. Mit fortschreitender Erwärmung können wir Pflanzen aus dem Osten und Süden des Landes in anderen Regionen verwenden, wo sie von Natur aus auch hinwandern.“
 

Apollofalter auf lila Blüte.
Auf heimischen Blumen finden Bienen und Schmetterlinge - wie dieser Apollofalter - Nahrung. Pixabay

ANSETZEN UND PFLEGE

„Wir stellen spezielle Saatgutmischungen zusammen und bekommen größere Stauden als Topfplanzen von den Gärtnereien, für schöne Blumenbeete.“ Fast alle REWISA-Betriebe sind mittlerweile biozertifiziert. Deshalb werden die Pflanzen bei der Anzucht nicht überdüngt und sehen weniger üppig aus. „Aber im Garten wachsen sie schnell und gesund an. Nicht so wie ihre aufgedüngten Kollegen, die die Umstellung auf normalen Gartenboden schlecht verkraften. Unsere heimischen Pflanzen brauchen keine zusätzlichen Nährstoffe. Gießen ist nur im ersten Jahr nötig, bis sie angewachsen sind“, sagt Luger. Danach gedeihen sie ohne zusätzliches Wässern oder Düngen.

Ein natürlich bepflanzter Garten braucht auch keine Pestizide und ist pflegeleicht. Um Insekten und Vögel in den Garten zu locken, kann man ein zusätzliches Futter- und Nistangebot schaffen, indem abgestorbene Stängel über den Winter stehen bleiben. Darin entwickeln sich Insekten, die wiederum als Futter für Vögel und Eidechsen dienen. Totholz und Steinmauern bieten den Tieren ebenfalls Lebensraum. „Man kann sogar magere sonnige Böden mit wenig Blumensamen besäen, so dass kahle Stellen bleiben. Das ist kein Fehler, sondern eine Chance für Erdbienen und andere wärmeliebende Tiere.“

Naturgartenbesitzer sehen auch in Unkräutern ihren Wert. „Eine Distel ist eine der wichtigsten Schmetterlingspflanzen und Stieglitze lieben ihre Samen. Sie ist eine Pionierpflanze und besiedelt jeden offenen Boden. Reißt man sie im ersten Jahr aus, kommen sie nicht wieder. In Staudenbeeten kann man eine oder zwei stehen lassen. Viele Unkräuter kommen kein zweites Mal, wenn man verhindert, dass die Samen ausfallen.“
 

NATUR IM ÖFFENTLICHEN RAUM

„Besonders wichtig ist, dass die Idee des Naturgartens auch auf öffentliche und gewerbliche Bereiche übergreift“, sagt Luger. „Viele neue Firmenanlagen verfügen über tausende Quadratmeter Grund, die meist mit Rasenrobotern oder einem Schlegelmähwerk gemäht wären. Das wären Traumflächen für Blumenwiesen. Hier ist die Politik gefordert, für Gewerbestandorte höchste ökologische Anforderungen festzulegen. Einige Vorreiter-Firmen haben bereits von sich aus naturnahe Grünflächen gesetzt. So haben die Firmen Werner & Mertz mit der Bio-Marke Frosch in Hallein, Schachinger Logistk in Hörsching, der Brillenhersteller Silhouette und der Pharmakonzern Takeda in Linz ihre Grünflächen naturnah gestaltet. Bienen, Schmetterlinge und Vögel können zurückkehren.“  

INFOS: www.rewisa-netzwerk.at

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