zum Inhalt springen

Soziale Gerechtig­keit in Europa

Europa erholt sich langsam von der Wirt­schafts­krise. Der Arbeitsmarkt ist im Aufwind, deutlich mehr Menschen arbeiten, als noch 2013, am Höhe­punkt der Krise. Allerdings sind auch mehr Menschen trotz Job armutsgefährdet.

soziale_gerechtigkeit
Bild: Social Justice Index 2016 Bertelsmann Stiftung Social Justice Index 2016 Bertelsmann Stiftung

Ergebnisse für Österreich

Die aktuelle Studie der deutschen Bertelsmann-Stiftung zur sozialen Gerechtigkeit stellt Österreich mit Rang acht unter 28 EU-Mitgliedstaaten ein gutes Zeugnis aus.

Besonders gut schneidet unser Land ab, was einen breiten Zugang zum Arbeitsmarkt betrifft: Platz vier hinter Dänemark, Deutschland und Großbritannien. Am besten liegt unser Land in punkto „unfreiwillige, unbefristete Beschäftigung“. Mit 9,1 Prozent der arbeitenden Bevölkerung erreichen wir Platz 1.

Das duale System Österreichs bei der Berufsausbildung, bei dem junge Menschen im Job berufliche Fähigkeiten erlernen, während sie weiterhin in die Schule gehen, war ebenfalls erfolgreich.

Weniger gute Werte erzielt Österreich bei der Anstellung älterer Arbeitskräfte (Platz 19) und beim gleichberechtigten Zugang zu Bildung (Platz 13). Der Status der Eltern sei immer noch entscheidend dafür, welchen Bildungsweg das Kind einschlage.

Die Zahlen für Europa

Fast zwei Drittel der EU-Bürger (215,7 Millionen Menschen) waren 2015 erwerbstätig (65,6 Prozent), das ist eine leicht Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (64,8 Prozent). Zugleich ging die Arbeitslosenquote von 10,4 Prozent (2014) auf 9,6 Prozent (2015) zurück. Zum Vergleich: 2008 lag die Arbeitslosigkeit in Europa bei 7,1 Prozent.

Gleiches gilt für die Jugendarbeitslosigkeit: EU-weit sind noch immer 20,4 Prozent der Jugendliche arbeitslos, 2008 waren es 15,6 Prozent.

working poor: Armutsgefährdet trotz Job

Trotz des Aufwärtstrends ist fast jeder vierte EU-Bürger (118 Millionen Menschen oder 23,7 Prozent) von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Gründe dafür sind unter anderem ein wachsender Niedriglohnsektor und eine Spaltung der Arbeitsmärkte in reguläre und atypische Formen von Beschäftigung. 2014 war dieser Wert nur geringfügig höher (24,4 Prozent). Besonders hoch sind die Werte im Süden und Südosten Europas: Griechenland (35,7 Prozent der Menschen), Rumänien (37,3 Prozent) und Bulgarien (41,3 Prozent).

Am niedrigsten ist das Armutsrisiko in Tschechien (14 Prozent), Schweden (16 Prozent), Finnland (16,8 Prozent) und den Niederlanden (16,8 Prozent).

Die südlichen EU-Länder haben zusätzlich mit dem Problem eines hohen Anteils sogenannter NEETs (Not in Education, Employment or Training) zu kämpfen. Diese Jugendlichen (Alter: 20-24 Jahre) leben komplett außerhalb von Job und Ausbildung und haben somit kaum Chancen auf einen sozialen Aufstieg. In Italien gehören 31,1 der Jugendlichen dazu, in Griechenland 26,1 Prozent und in Spanien 22,2 Prozent. Der EU-Durchschnitt liegt bei 17,3 Prozent.

Jugendarmut ausgeprägter als Altersarmut

Der Anteil älterer Menschen, die von Armut oder sozialer Exklusion bedroht sind, hat sich von 24,4 Prozent im Jahr 2007 auf zuletzt 17,4 Prozent verringert.

Social Justice Index 2016 zum Download (englisch)

Infos zur Studie:

Mit dem EU-Gerechtigkeitsindex untersucht die Bertelsmann Stiftung jährlich anhand von 36 Kriterien die Teilhabechancen in den 28 EU-Mitgliedstaaten. Hierbei werden sechs verschiedene Dimensionen sozialer Gerechtigkeit betrachtet: Armut, Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit, Generationengerechtigkeit sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt und Nicht-Diskriminierung. Der Social Justice Index 2016 berücksichtigt international verfügbare Eurostat-Daten bis zum 27. Oktober 2016.

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen