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Sharing Economy "überrollt" Österreich

In nur 15 Jahren hat sich die "Ökonomie des Teilens"  zu einem Milliarden-Business entwickelt. Neben Anbietern wie Airbnb, Uber und Co sorgt nun die Flut von E-Scootern in Wien für Dis­kus­sion. Braucht das Teilen neue Regeln?

E-Scooter im Fahrradständer.
Heinrich Schuller.

Der Travel Industry Club Austria lud zu einer Diskussion zum Thema Sharing Industrie, die inzwischen fast jeden Bereich des täglichen Lebens betrifft.  "Von 3,5 Mrd. Dollar im Jahr 2005 auf 325 Mrd. im Jahr 2020 - das sind Wachstumsraten, die Investoren gefallen", sagt Harald Hafner, Vorsitzender des ThinkTanks für die heimische Reiseindustrie. Airbnb sei in nur sechs Jahren größer geworden als die Hilton-Kette in 93 Jahren und es gehe mit 500 Prozent Wachstum munter weiter. Sechs Mrd. Mobiltelefone weltweit, Technologie, Demografie und Arbeitswelt seien die Treiber für die Entwicklung, Geschäfts- und Privatreisende suchten "authentische Erlebnisse".

Regeln für neue Geschäftsmodelle

Bis zum Jahr 2050 werden 84 Prozent der Europäer in Städten leben. Die Folge: "Wir werden teilen müssen. Städte wurden ja nicht für Autos gebaut, sondern für Menschen. Daher müssen wir uns was einfallen lassen", sagt Hafner. "Denn wenn Autos 23 Stunden pro Tag herumstehen, ist das pure Verschwendung. Gleiches gilt für Wohnungen, die leer stehen."

Klar ist jedoch, dass die Sharing Economy nicht nur Probleme löst, sondern auch Probleme schafft und damit einen neuen Ordnungsrahmen benötigt. "Wenn die Idee des Teilens über eine Plattform durch findige Geschäftsleute ausgenutzt wird, stellt sich die Frage, wie wir uns gegen Auswüchse schützen können," meint die Rechtsanwältin Daniela Witt-Dörring und betont, dass es allen Marktteilnehmern um Rechtssicherheit gehe. Niemand wolle in einem Graubereich agieren. Gleichzeitig warnte sie insbesondere für den Beherbergungsbereich davor, alle Appartment-Vermieter über einen Kamm zu scheren: "Es wird nicht alles über ein Bundesgesetz gehen." Gerade weil die Bedingungen zwischen Stadt Wien etwa und in den touristischen Zonen auf dem Land so unterschiedlich sind, sollte man hier besser mit Landesgesetzen arbeiten.

Andreas Novotny, Präsident der Wiener Appartmentvermieter Vereinigung, will zusammen mit der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) und der Wirtschaftskammer Österreich dazu beitragen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, um die professionelle Kurzzeitvermietung aus ihrem Graubereich herauszuholen. Dazu gehörten Offenlegung und Registrierung,  aber auch andere (für die Hotellerie geltende) Bestimmungen wie etwa Brandschutz. Derzeit hält man sich (noch) an die Gesetze der Privatzimmervermietung aus dem Jahre 1954, doch die seien längst überholt.

Mobilität in neuen Dimensionen

Lime machte in Wien den Anfang, mittlerweile stehen  auch Roller von Bird, Tier, Wind/Byke, Hive und Flash zur Verfügung. Wenn man mit einem der Roller durch die Stadt düst, muss man die markierten Fahrradwege benutzen. Gehsteige sind für E-Scooter-Fahrer verboten.

Hive-City-Manager Alexander Juranek will in Wien "ein paar Dinge anders machen" als andere E-Scooter-Firmen - dazu zählten mehr Nachhaltigkeit, Sicherheit, Verantwortung und Fairness - mit über 50 ordentlichen Arbeitsplätzen, seriöser Information und Aufklärung zum Start. Er gibt allerdings zu, dass die elektrisch betriebenen Zweiräder der Konkurrenz die Stadt Wien binnen kürzester Zeit "quasi überrollt" hätten - mit den bekannten Umwelt- und Sicherheitsproblemen. Es sei eben ein Wesenszug der Sharing Economy, nicht viel zu fragen, sondern einfach zu tun - und damit zu spekulieren, dass man als Erster im Markt am Ende gewinnt. Die Devise "Let's do it first, pay the fine (Strafe) later" erlangt so ihre logische Bestätigung.

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