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Quirlige Geister in Bewegung

Bewegung ist ein wahres Wundermittel: Kinder, die sich regelmäßig körperlich auspowern, sind gesünder, ausgeglichener und können sich besser konzentrieren.

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Foto:RichVintage Photography-istock

„Nicht loslassen!“, rief ich wiederholt, während ich wackelig auf meinem neuen Rad die autofreie Straße vor unserem Haus entlang fuhr. Doch als ich mich umdrehte, stand meine keuchende Mutter bereits in einiger Entfernung weiter hinten und hatte längst losgelassen. Und obwohl ich natürlich just in diesem Moment der Erkenntnis umfiel, dauerte es nicht lange, und ich eroberte gemeinsam mit anderen radfahrenden Kindern die Nachbarschaft. 

Solch bewegende Erlebnisse prägen eine Kindheit und wirken oft weit bis ins Erwachsenenalter nach. Aber warum ist die körperliche Betätigung eigentlich so unglaublich wichtig für die kindliche Entwicklung? Die Gründe dafür sind vielfältig. Erst mal macht Bewegung einfach großen Spaß. Ob spielerisches Herumtollen an der frischen Luft, ausgelassenes Hüpfen auf dem Trampolin, Fang- und Versteckspiele oder das Erlernen von Sportarten: Man wird kaum ein Kind finden, das sich quasi von Geburt an nicht mit Freude und Ausdauer bewegt. Zu so genannten Bewegungsmuffeln werden Kinder nur dann, wenn ihnen nicht ausreichend Raum und Zeit für Bewegung zugestanden wird. Die zunehmend inaktiven Lebensgewohnheiten wie langes Sitzen in der Schule, vor dem Fernseher oder Computer, tragen ihrerseits zu dieser Entwicklung bei. Umso wichtiger ist es, Kindern genügend Bewegungsmöglichkeiten zu schaffen und die Freude an der körperlichen Betätigung nachhaltig zu stärken. Denn: wer sich als Kind regelmäßig bewegt, der tut dies meist auch im Erwachsenenalter noch gerne.

Gesund und munter

Vom Spaßfaktor abgesehen spielt Bewegung auch eine entscheidende Rolle in der Entwicklung körperlicher und geistiger Fähigkeiten. Sie ist rund um gesund, stärkt die Knochen, die Muskeln, die Lunge, das Herz- Kreislaufsystem und das Immunsystem. Sie regt den Stoffwechsel an, beugt Haltungsschäden, Verspannungen und Übergewicht vor.

Aber nicht nur die körperliche Kraft und Ausdauer wird durch regelmäßiges Auspowern gestärkt. Auch die mentale Kraft wird gefördert. Bewegte Kinder können sich besser konzentrieren und sind nachweislich ausgeglichener als ihre stubenhockenden Kollegen. Wer kennt es nicht, das erschöpft- glückliche Gefühl nach sportlicher Betätigung? Beim Sport werden körpereigene Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter, freigesetzt, die die Laune heben und Glücksgefühle erzeugen können. Durch regelmäßige Bewegung bekommen Kinder ein positives Körpergefühl, welches wiederum positiv auf die Entwicklung eines  Körperbewusstseins und letztendlich des Selbstbewusstseins wirken kann.

Ein weiterer Punkt in der schier unendlichen Liste der Vorteile von kindlicher Bewegung ist, dass diese selten ein einsamer Akt ist. Ob beim Fangenspielen mit Freunden, beim Radfahren durch die Wohnhausanlage oder beim Mannschaftssport im Verein: Bewegung ist auch ein sozialer Prozess, ein Miteinander, bei dem die Kinder sich an gewisse Regeln halten müssen, Rücksicht und Fairness lernen und auch das Verlieren und Gewinnen kennenlernen können.

Sportliche Kids

Neben dem freien bewegten Spiel, beginnen Kinder sich ab einem gewissen Alter meist gezielt für Sport zu interessieren. Sind sie von klein auf motorisch fit, so lassen sich Sportarten wie zum Beispiel Schwimmen, Skifahren, Tanzen, Ballspiele oder Radfahren relativ problemlos erlernen. Denn die Kinder haben bereits Vertrauen in ihre körperlichen und koordinativen Fähigkeiten erworben. Trotzdem ist in manchen Fällen Geduld gefragt. Obwohl es bestimmte Zeitfenster gibt, in denen sich Kinder besonders leicht beim Erlernen bestimmter Sportarten tun, soll der richtige Zeitpunkt vom Kind selbst bestimmt werden. Druck und Leistungsdenken würde nur den unbeschwerten Zugang des Kindes und damit auch den Spaß an der Bewegung verhindern. 

Zum Beispiel Radfahren

Eine Sportart, die bei Kindern besonders beliebt ist, ist das Radfahren. Um Radfahren zu lernen brauchen Kinder in erster Linie genügend freien Platz, genügend Zeit und ein ihrer Größe entsprechendes Fahrrad (siehe Infokasten). „Die meisten Kinder ab einem Alter von etwa vier bis fünf Jahren lernen das Fahrradfahren sehr schnell“, meint Bernhard Dorfmann, der in Wien die City Cycling School leitet. „Das erste Fahren im Rahmen eines Kurses zu lernen, würde nur dann Sinn machen, wenn die Kinder schon deutlich älter und aus bestimmten Gründen unsicher sind.“ Oftmals sind es aber auch die Eltern, die besorgt sind.  Fährt mein Kind schon sicher genug um es kürzere Strecken alleine fahren zu lassen? Und wie sieht es mit dem gemeinsamen Radfahren in der verkehrsreichen Stadt aus?  

Herr Dorfmann bietet in seiner City Cycling School deshalb unter anderem Eltern- Kind- Radfahren an. Dieser Kurs wendet sich an Erziehungsberechtigte die zusammen mit ihren Kindern auf dem Fahrrad unterwegs sind und wissen möchten wie sie die Situation kontrollieren können. Themen sind die Fahrposition (vor oder hinter dem Kind), die Kommunikation mit dem Kind und das gemeinsame Verhalten im städtischen Straßenverkehr mit all seinen Hindernissen. „Durch diese Einheit gewinnen die Eltern meist selbst an Fahrsicherheit und sie lernen das Fahrverhalten des Kindes abzuschätzen. Somit können sie besser entscheiden, was sie dem Kind schon zutrauen können“, sagt Herr Dorfmann.

 „Nicht loslassen“, ruft meine Tochter wiederholt, während sie wackelig den holprigen Steinweg unserer Wohnhausanlage entlang fährt. Doch als sie sich umdreht, stehe ich, als keuchende Mutter, bereits in einiger Entfernung weiter hinten und habe längst losgelassen…

Autorin: Eva Maria Wagner

Links

City Cycling School www.citycyclingschool.at  , Wien Radjahr 2013 www.fahrradwien.at

8 Tipps zum Radfahren lernen mit Kindern

Motivation statt Druck

Die Kinder sollten, ebenso wie der begleitende Erwachsene, motiviert und konzentriert sein. Kommt der Spaß zu kurz, sollte man lieber abbrechen und zu einem anderen Zeitpunkt weitermachen.

Gutes Umfeld

Die ersten Fahrversuche sollten immer auf verkehrsfreien, wenn möglich größeren Plätzen erfolgen. Der beste Untergrund ist dabei Asphalt, da der Rollwiderstand gering ist und die Anfahrt und das Gleichgewichtsempfinden dadurch erleichtert ist.

Richtige Radgröße

In ein Fahrrad sollte man nicht „reinwachsen“ müssen. Die Größe sollte so gewählt sein, dass das Kind sicher auf- und absteigen kann.

Fahrradhelm zur Gewohnheit machen

Der Helm gehört zur Grundausstattung und sollte für das Kind zu einem selbstverständlichen Begleiter werden.

Anstupsen

Das Anfahren kann man den Kindern durch einen sanften Stupser erleichtern. Das Kind ins Rollen zu bringen und zum Treten zu motivieren bewährt sich besser, als es konstant zu schieben.

Keine Stützräder

Laut Experten sind Stützräder veraltet, da sie ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln und das Kind daran hindern sein Gleichgewichtsgefühl zu verbessern. 

Laufräder

Laufräder sind ideal um Koordination und Gleichgewicht zu trainieren. Zu beachten ist dabei, dass Kinder sich nicht ausschließlich das Bremsen mit den Füßen einprägen, da dies später beim Radfahren auch nicht möglich ist.

Auch wenn‘s schwer fällt: Fallen lassen

Auch Fallen will gelernt sein. Ganz schmerzfrei geht das wahrscheinlich nicht. Liebevolle Ermutigung und Trost lassen die ersten Schrammen aber schnell vergessen.

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