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Murkraftwerk: Die Bäume fallen

Am 6. Februar 2017 sind die Rodungen für das umstrittene Murkraftwerk in Graz gestartet worden – und die Bäume fallen weiter, trotz heftiger Proteste und massivem Widerstand.

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Würfelnatter. Oliver Gebhardt

Der Standort des geplanten Kraftwerks, das die Energie Steiermark AG entwickelt hat und nun mit zwei weiteren Projektpartnern ausführt, liegt etwa 600 Meter oberhalb der Puntigamer Brücke.  Auch der Verbund ist beteiligt, der sich zu Beginn des Vorjahres noch zurückgezogen hatte, wie die Plattform „System Change, not Climate Change!“ schreibt.

Der positive Errichtungsbescheid nach dem UVP-Gesetz ist bereits 2012 vom Land Steiermark erteilt worden. Entscheidend für die weitere Entwicklung war die Zusammensetzung der neuen Stadtregierung. Jetzt nach den Wahlen ist der Weg für das Kraftwerk frei. Es soll 20.000 Haushalte versorgen und ist mit einer Investitionssumme von 80 Millionen Euro veranschlagt. Kraftwerksgegner, wie "System Change, not Climate Change!" und die Plattform "Rettet die Mur" kritisieren, dass das Bauvorhaben aus energiepolitischer Sicht eine glatte Fehlentscheidung sei, da mit gleich hohen Investitionen in alternative Maßnahmen viel mehr Energie eingespart werden könnte als das Kraftwerk in Graz produzieren würde. Eine Studie zeigt, dass – auch nach optimistischen Szenarien – noch in 50 Jahren mit Schulden in der Höhe von 44,7 Millionen zu rechnen ist. „Nach wie vor gibt es kein Grazer Budget für den Kanal, der untrennbar mit dem Projekt verbunden ist", heißt es in einer Aussendung von "Rettet die Mur".

Bagger überrollen europaweit geschützte Würfelnattern

Auch der WWF und der Naturschutzbund Steiermark fordern einen sofortigen Baustopp und Gespräche unter Einbindung aller Beteiligten.

Im Bereich des geplanten Kraftwerks leben geschützte Tierarten, wie die Würfelnattern. Laut Bescheid des Umweltsenates hätte die Energie Steiermark schon vor Beginn der Rodungen die streng geschützten Reptilien absammeln und umsiedeln müssen. „Die EStAG hat angegeben, dass vor dem Fällen der Uferbäume 755 Würfelnattern abgesammelt wurden“, sagt Gebhard Tschavoll vom WWF „In Wirklichkeit wurden jedoch nur 84 Exemplare in Sicherheit gebracht – eine eklatante Verletzung der UVP-Auflagen.“ Bei den übrigen Tieren handle es sich um andere Reptilienarten, vor allem um Blindschleichen.

Auch die Winterquartiere von Fledermäusen sind auf Höhe des geplanten Stauraums unzugänglich gemacht worden, um die Tiere dazu zu bringen, sich Quartiere außerhalb der Bauzone zu suchen. Ob die Verwendung von PU-Schaum zum Verschließen der potenziellen Überwinterungsquartiere jedoch umweltverträglich ist, ist mehr als fraglich.

Infos:

www.rettetdiemur.at, systemchange-not-climatechange.at.

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