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Mietwohnung und trotzdem eigene PV-Anlage am Dach?

Das war bislang beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Pioniere wie Martin Danner zeigen, wie es geht - und eine Gesetzesänderung macht den Weg für eigenen Strom frei.

Zwei Männer, einer trägt ein PV-Modul
Pedro Castellano / LL28 Photography

Die Photovoltaik hat in den letzten Jahren die Dächer von Häusern und Unternehmen erobert. Das nunmehr im Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz gesetzlich verankerte Konzept der „gemeinschaftlichen Erzeugungsanlage“ macht es möglich, weitere Dachflächen – etwa in Ballungsräumen mit verdichteter Architektur und einer hohen Anzahl von Mehrparteienhäusern und Bürogebäuden – zu nutzen. So können sich etwa Mieter oder Eigentümer in Mehrparteienhäusern, aber auch in Bürogebäuden oder Einkaufszentren zusammenschließen, um gemeinsam eine PV-Anlage zu nutzen.

In 10 Schritten zur Umsetzung.

Häufig gestellte Fragen und Antworten.

Beispiel Bürgerstromanlage

Ein Renovierungsprogramm, das den Energieverbrauch von Gebäuden senkt, soll eines der Vorzeigeprogramme des Green Deals für Europa sein. Zentrales Ziel ist es, die Sanierungsrate von Gebäuden „mindestens zu verdoppeln oder gar zu verdreifachen“. Tatsächlich liegt die Rate EU-weit aktuell bei lediglich einem Prozent.

Initiative Bürger*innen aus Gallneukirchen in Oberösterreich zeigen, dass es keine Utopie sein muss, eine alte Wohnanlage mit vielen Eigentümern nachhaltig zu entwickeln. Auf einem 1970er-Jahre-Bau mit 83 Wohneinheiten wurde eine Photovoltaik-Anlage installiert, als Gemeinschaftsprojekt der Mieter*innen und Eigentümer*innen. „Die Bürgerstromanlage zeigt, dass gemeinsam vieles möglich ist“, sagt Initiator Martin Danner.

Der Techniker gründete mit Bewohner*innen des so genannten Volksbankbaus zunächst den Verein zur Förderung von Gemeinschaft und Infrastruktur. Dieser möchte das Miteinander in der Wohnanlage fördern und gemeinsam Projekte entwickeln, die über die Zuständigkeit der Hausverwaltung hinausgehen.

Erstes Projekt ist die Bürgerstromanlage. So sorgen die Hausbewohner*innen gemeinsam für jede/n Einzelne/n, sie werden von Konsument*innen zu Produzent*innen, tragen zum Klimaschutz bei, sorgen fürs Alter vor und senken die Betriebskosten.

Das Konzept ist zwar einfach, war aber nicht ganz so einfach umzusetzen. Der Verein legte zunächst die Eckdaten wie Anlagengröße, Gestehungskosten und Deckungsgrad fest und konzipierte eine Photovoltaik-Eigentümergemeinschaft. „Das ist für unsere Wohnungsbesitzer*innen eine gewohnte Organisationsform“, so Danner, der sich in der Folge auch andere Modelle, etwa mit einem externen Finanzier, überlegt hat. Für viele Anlagen sei auch eine Genossenschaft optimal, zum gemeinsamen Wirtschaften für den Nutzen der Mitglieder.

Im Gallneukirchner Volksbankbau stimmten die Wohnungseigentümer*innen mehrheitlich für die Errichtung von drei Photovoltaik-Anlagen. Eine einzige war nicht möglich, weil ein Hauseingang als Eigentumsgrenze gilt, innerhalb der eine Gemeinschaftsanlage betrieben werden darf.

Seit Mitte 2019 werden die Bewohner*innen des Volksbankbaus mit Solarstrom versorgt, der im ersten Monat rund 40 Prozent des Bedarfs abdeckte. 491 Euro konnten eingespart werden und 809 Kilogramm CO2. Im Sommer soll der Überschuss für E-Mobilität genutzt werden, Ladestationen sind in Planung.

Die Abrechnung im Volksbankbau erfolgt mittlerweile über eine eigens programmierte Datenbank. Und bei Martin Danner haben Interessent*innen angefragt, wie die technischen und organisatorischen Grundlagen auf andere großvolumige Bauten anzuwenden sind. „Ich freu’ mich, wenn ich so etwas begleiten kann. Wir wollen, wir können, wir tun — von unten aktiv werden, das gefällt mir.“

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