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Mehr Humus, mehr Leben

Im Sommer Heidelbeeren, Steinpilze und Mohn, im Winter Schneemann bauen und genüsslich durch den Schnee stapfen. So erleben TouristInnen den Biohof Stark in Litschau im nördlichen Waldviertel.

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Hubert und Martina Stark. Foto: Biohof Stark

Hubert Stark hat auch noch einen anderen Blickwinkel. Bereits 1991 haben die Eltern den Bauernhof auf Bio umgestellt, 1993 hat er den Betrieb übernommen. Die Chemie in der Landwirtschaft, das Spritzen und Düngen, sei ihnen gegen den Stich gegangen, erklärt er die Entscheidung, die quasi nebenbei, beim Nachmittagskaffee, getroffen wurde. Die Entscheidung hat er nie infrage gestellt oder bereut? „Nein“ lacht er. „Der wesentliche Unterscheid ist, dass man sich bei Bio Gedanken machen muss, wie man Probleme von Grund auf löst, in der konventionellen Landwirtschaft kann ich mit Spritz- und Düngemitteln auch reparieren“. Es gehe darum, den Boden und die Pflanzen gesund zu erhalten und die Produktfolge so vielfältig zu gestalten, dass eine sinnvolle Produktion möglich ist. Eine Kombination aus Mutterkuhhaltung, Mastschweinen und am Acker Roggen, Dinkel, Hafer, Erbsen, Lupinen, Mohn und Kartoffel machen dies möglich.

Humus, Mineralien, Wasser und Luft

Die Bodenqualität ist für Stark seither immer wieder Thema. Seit 2007 verzichtet er auf den Pflug. „Da sind wir zu Beginn erst einmal schwer gescheitet“ so Stark. „Wir haben auf die Luft vergessen“. Die Luft? Ja, denn der gesunde Boden bestehe aus 5% Humus, 45% Mineralien, 25% Wasser und eben 25% Luft. Durch das Nicht-Pflügen hatte sich der Boden zu kompakt zusammengelegt und die Pflanzenwurzeln können nur mehr schwer durchdringen. Heute reißt Stark Rillen in den (trockenen) Boden, und zwar während Kulturen noch wachsen. So bleibt die Luft im Boden, und der dann locker.

CO2 kompensieren

Seit 2011 macht er auch beim Humusprojekt Kaindorf mit. Durch gezielten Humusaufbau soll CO2 gespeichert werden. Was war seine Motivation? „Ich wollte wissen, wenn ich so wirtschafte wie ich wirtschafte, ob ich Humus aufbaue oder abbaue.“ Das Ergebnis der Untersuchung des ersten Ackers wurde mit großer Spannung erwartet. Ohne Zusatzmaßnahmen, wie Kompost, nur durch die ganz normale Fruchtfolge wurde Humus aufgebaut. „Ich hatte unter all meinen Kollegen zwar den geringsten Aufbau, aber auch keine zusätzlichen Kosten“ meint Stark „denn ich will den Boden langsam weiter aufbauen.“ Er lässt dabei die Pflanzen arbeiten: Während eine Kultur wächst, wird schon die nächste eingesät, denn nachhaltiger Humusaufbau gelinge nur über die Wurzeln.

Der Humusgehalt landwirtschaftlicher Böden liegt meist um die 2%, die Böden von Stark haben teilweise einen Gehalt von 3,5 bis 4%, bei Pachtflächen liegt er zum Teil nur bei 1,9%. Was bringt mehr Humus im Boden? Stark: „Der Boden ist fruchtbarer weil er viel mehr Mikroorganismen enthält, die die Nährstoffe aus dem Boden holen und für die Pflanzen verfügbar machen. Mangelerscheinungen, die bei 2% Humus oft auftreten, gibt es dadurch deutlich weniger. Mehr Humus bedeutet auch, dass der Boden sowohl mehr Wasser speichern kann als auch mit Trockenheit besser umgehen kann. Das sei aber wichtig, argumentiert Stark „denn die Wetterextreme werden immer häufiger“.

Was können Hobby-GärtnerInnen von ihm lernen?

Ganz einfach sei das, meint er. Man bauche nur zu beobachten, wie die Natur Probleme löst und sie nachahmen. Pflanzen locken durch ihre Wurzelausscheidungen Pilze und Bakterien an. Diese wiederum lösen Stoffe aus dem Boden und machen sie damit für die Pflanzen verfügbar. Welche Pflanzen vorrangig wachsen hängt vom Verhältnis zwischen Bakterien und Pilzen ab: Auf einem Schotterhaufen wachsen Pionierpflanzen, wie Disteln, Ampfer oder Brennnessel. Dort sind die Bakterien in der Überzahl. Bei einem Verhältnis Bakterien zu Pilz von 1 zu 1 gedeihen Gräser und Getreide, bei einem Verhältnis 1 zu 100 Stauden, in einem Wald herrscht ein Verhältnis von 1 zu 10.000. Wird der Boden mit dem Pflug, oder durch Umstechen bearbeitet, werden die Pilze vernichtet. Ein schlechteres Pflanzenwachstum ist die Folge. Ganz wichtig für den Kleingarten sieht Stark die permanente Abdeckung des Bodens. „Am besten ist gutes Heu“ erklärt er „Lassen Sie das Gras länger stehen, dann abmähen, trocknen und unter das Gemüse verteilen.“ Das sei die Top-Lösung für fruchtbaren Boden und gesunde Pflanzen – und unterstütze ganz nebenbei die Abwehr von Schädlingen. Denn: „Wer immer der Vater einer Krankheit ist, die Mutter ist immer eine schlechte Ernährung.“ Gesunden Boden kann man sogar riechen. Er duftet nach Rübe, Karotte, süßlich. „Wenn Sie das riechen sind Sie am richtigen Weg“ lacht er.

Biohof Stark, www.biohof-stark.at

Autorin: Roswitha M. Reisinger

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