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10 Mythen zu Lüftungsanlagen

Moderne Fenster sind luftdicht. Für frische Luft müssen die Bewohner selbst sorgen, durch regelmäßiges Lüften - oder einfach mit einer Komfortlüftungsanlage. Aber sind sie gut? Wir haben nachgefragt.

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Foto Luftblasen: luxiangjian4711/thinkstockphotos luxiangjian4711/thinkstockphotos

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Ich lüfte zweimal täglich, das reicht

Zweimal stoßlüften täglich reicht für eine gute Luftqualität bei weitem nicht aus. Beim Atmen entsteht Kohlendioxid. Schläft man zu zweit im Zimmer, wird der Grenzwert für gute Raumluft mit 1.000 ppm Kohlendioxid bereits nach einer Stunde erreicht. Nach spätestens zwei Stunden wäre „raus aus dem Bett und lüften“ angesagt. Ein Raum, in dem die ganze Familie zusammen kommt oder mehrere Menschen arbeiten, müsste all 30 Minuten gelüftet werden. Das ist praktisch kaum umsetzbar. Studien zeigen, dass in Häusern mit Komfortlüftung die Luftqualität deutlich besser ist und die Bewohner weniger Atemwegsbeschwerden haben, als bei Fensterlüftung. Ganz nebenbei wird auch zu viel Feuchtigkeit abgeführt, es gibt keine Probleme mit Kondensation und Schimmelbildung.

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Mit einer Lüftungsanlage darf ich das Fenster nicht mehr öffnen.

Sie können die Fenster öffnen, wann immer Sie möchten, müssen es aber nicht tun.

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Lüftungsanlagen funktionieren nicht richtig.

Das stimmt leider in viel zu vielen Fällen, nämlich vor allem dann, wenn bei der Anlage gespart und auf Schalldämpfer verzichtet wird, oder zu kleine Rohrquerschnitte zum Einsatz kommen und die Nutzer nicht ausreichend informiert werden. Auch die fachgerechte Ausführung einer Komfortlüftung ist von entscheidender Bedeutung. Ein Einbau sollte nur von einem Lüftungsexperten erfolgen, der Erfahrung mit der Technik hat. Billige Anlagen von Pfuschern installiert führen dazu, dass die Bewohner die Geräte entnervt abschalten, die Fenster im Sommer und Winter offen lassen und sich über die hohen Heizkosten wundern. Oder noch schlimmer, die Fenster zu lassen und krank werden.

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Es zieht

Bei einer richtig eingestellten Lüftungsanlage mit geringen Luftgeschwindigkeiten unter 0,1 Meter pro Sekunde (m/s) kommt es zu keiner Zugluft.

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Alte Lüftungsrohre sind innen vollkommen verschmutzt, Bakterien und anderes Gewürm kommt in meine Wohnung?

Genau das Gegenteil ist der Fall. Durch einen Filter wird die Außenluft von Staub, Pollen, Sporen und Ruß gereinigt. Ohne Lüftungsanlage findet sich der Dreck, der über die offenen Fenster herein weht, in Ihrer Lunge wieder. Da ist es doch besser, wenn der Staub im Filter oder in den Abluftrohren bleibt.

Filter sind die Symbole unserer Zeit. Es gibt sie in Autos, Dunstabzugshauben, usw., ohne dass der von Zeit zu Zeit notwendige Tausch irgendjemanden zur Verzweiflung bringt oder verarmen lässt. Warum also sollte der jährliche Tausch eines Filters für die Komfortlüftung ein ökonomisches oder praktisches Problem darstellen?

Achten Sie darauf, dass bei der Lüftungsanlage Feinstaub- und Pollenfilter in Normgrößen eingesetzt sind. Diese können in jedem Filtergeschäft günstig nachgekauft werden (Kosten 1 Filterset: etwa 60 Euro).

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Die Lüftungsanlage ist zu laut

Lüftungsanlagen im mehrgeschossigen Wohnbau sind tatsächlich oft sehr laut. Auch das hat damit zu tun, dass billigste Anlagen verbaut werden. Sind zwei Räume mit einer gemeinsamen Luftleitung verbunden, muss zur Verhinderung einer Schallübertragung ein Schalldämpfer eingebaut werden. Doch sogar diese fehlen in Wohnungen oft. Kein Wunder, wenn dann durch die Schläuche jedes Geräusch aus dem Nebenraum zu hören ist.

Durch richtige Schalldämpfung und ausreichende Rohrquerschnitte kann man eine Lüftungsanlage so gestalten, dass sie auch nachts unhörbar betrieben werden kann. Leise Geräte liegen bei einem Pegel unter 23 dB, das ist weniger, als das Atemgeräusch eines Menschen.

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Mit der Lüftungsanlage wird die Raumluft so trocken

Viele erinnern sich noch an die Luftbefeuchter, die unsere Eltern an die Heizkörper gehängt haben, um die Luftfeuchte zu heben. Appetitliche Dinger, die wie Brutstätten für alles Mögliche aussahen und wohl auch waren. Kalte Außenluft enthält nur sehr wenig Feuchtigkeit. Es macht keinen Unterschied, ob die Luft über das Fenster oder die Komfortlüftung ins Haus gelangt. Weil aber im Winter meist zu wenig gelüftet wird, die Lüftungsanlage aber weiterhin für einen höheren Luftwechsel sorgt, kann die Luft in der Wohnung zu trocken werden.

Eine richtig eingestellte Komfortlüftung mit Feuchterückgewinnung und Bedarfsregelung sorgt für relative Feuchte zwischen 30 und 40% und verhindert so Schimmelwachstum.

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Die Lüftungsanlage verbraucht viel Strom

Eine gute Komfortlüftung benötigt etwa 200 bis 400 kWh pro Jahr. Das ist etwa so viel wie ein energieeffizienter Kühlschrank. Dabei darf man nicht vergessen, dass eine Komfortlüftung zusätzlich Heizenergie einsparen kann.

Moderne Anlagen sind CO2-gesteuert, also nur in Betrieb, wenn jemand daheim ist.

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Lüftungsanlagen bedeuten noch mehr Hightech in der Wohnung. Der Trend liegt doch in Low tech.

Lüftungsanlagen als Hightech zu bezeichnen ist gewagt, handelt es sich doch lediglich um Ventilatoren, Filter und Rohre.

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Nachträglich kann man keine Lüftungsanlage mehr einbauen

Je früher die Entscheidung für eine Komfortlüftung fällt, desto einfacher und kostengünstiger lässt sie sich umsetzen. Auch für den nachträglichen Einbau gibt es Lösungen mit minimalem Aufwand. Geben Sie Planungen mit kurzen Rohrleitungen den Vorzug und bestehen Sie auf eine kostengünstig reinigbare Ausführung.

Autoren: Heinrich Schuller, Annemarie Herzog

Quellen und weitere Infos:
www.raumluft.org,
Infoblatt „Richtig lüften“: www.umweltberatung.at
Broschüre Komfortlüftungen - gesund, komfortabel und energieeffizient wohnen: www.komfortlüftung.at,
Architekt Dipl.Ing. Heinrich Schuller, www.atos.at

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