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Ihr Geld regiert die Welt: nachhaltig investieren

Für die Wirtschaft ist Geld wie Wasser: Wo es hinfließt, das wächst und gedeiht. Wo keines ankommt, dort verdorrt das kleine Wirtschafts-Pflänzchen. Entscheidend, wie nachhaltig sich unsere Welt entwickelt, wird sein, wo Geld investiert wird. Impact investing nennt sich das auf Neudeutsch. Auch die EU entwickelt Rahmenbedingungen, um nachhaltiges Investieren noch attraktiver zu machen.

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Foto: Thinkstockphotos/Pogonici Thinkstockphotos/Pogonici

Wenn Sie mit ihrem Geld nicht nur Zinsen verdienen sondern auch die richtigen Entwicklungen unterstützen wollen – z.B. grüne Technologien oder innovative Produkte – hier finden sie einen kurzen Überblick über die wichtigsten Möglichkeiten:

Niedriges Risiko

Sparbuch/Sparkonto: Das Sparbuch ist nach wie vor die beliebteste Anlageform der ÖsterreicherInnen. Es bietet hohe Sicherheit, ist täglich verfügbar und unkompliziert in der Handhabung. Ethik- bzw. Umweltsparbücher oder ähnliches bieten leider nur wenige Bankhäuser an, wie z.B. Schelhammer & Schattera, Steyler Bank, Raiffeisenbank Gunskirchen und die oberösterreichische VKB-Bank. Die Zinsen liegen derzeit zwischen 0,1 und 0,5 %.

Bundesschatzscheine: Bundesschätze sind Wertpapiere der Republik Österreich. Sie können direkt bei der Republik Österreich über das Internet erworben werden. In internationalen Nachhaltigkeitsratings liegt Österreich hinsichtlich der Übernahme von sozialer und ökologischer Verantwortung des Staates an vorderster Front. Ähnliches gilt für Länder wie Norwegen, Finnland oder Schweden.

Lebensversicherung: Lebensversicherungen fallen ebenfalls in die Kategorie niedriges Risiko. Anbieter mit nachhaltigen Produkten sind z.B. Continentale, Donau Versicherung, Nürnberger, Skandia, Sparkasse/Erste, Wiener Städtische und Grazer Wechselseitige.

Mittleres Risiko

Oikocredit: Die Genossenschaft Oikocredit finanziert Mikrokredite für arme Menschen in 70 Ländern mit weltweit 800 Projektpartnern. Sie erwerben mit Ihrem Geld Genossenschaftsanteilszertifikate von Oikocredit ab einer Höhe von 200 €. Die Einlage wird mit einer jährlichen Dividende von maximal zwei Prozent verzinst. Das Geld kann jederzeit und ohne zusätzliche Spesen eingelegt bzw. ausbezahlt werden.
Don Bosco Bildungsfonds: 2015 und 2016 wurden Bildungs-Anleihen begeben, die mit 1,5 % verzinst werden. Ein nächster Fonds ist geplant. Es werden auch Kleinanleger einsteigen können.

Mittleres bis hohes Risiko

Nachhaltige Investmentfonds: Ein Investmentfond ist in vielen verschiedenen Unternehmen investiert. Damit ist das Risiko breiter gestreut, sie sind also sicherer als Aktien oder Anleihen und bringen im Durchschnitt höhere Erträge als das Sparbuch. Ende März 2017 lagen im deutschsprachigen Raum 428 nachhaltige Publikumsfonds auf. Orientierungshilfe bei der Auswahl bieten unabhängige Datenbanken. Die wichtigsten sind nachhaltiges-investment.org, forum-ng.org, rfu.at und Eda let’s go (mountain-view.com)!

BürgerInnenbeteiligungen: Energie- und Infrastrukturunternehmen bieten die Möglichkeit, sich an Windkraft- und Photovoltaikanlagen, Biogas- und Biomassekraftwerken, nachhaltigen Immobilien „Green Buildings“ und forst- und agrarwirtschaftlichen Projekten zu beteiligen. Anbieter sind z.B. greenvalue.de, buergerkraftwerke.at, Fairenergy.at, aeev.at/Solarinvest, unserkraftwerk.at.

Hohes Risiko

Wenn Sie auf ein einzelnes Unternehmen setzen tragen Sie jedes Auf und Ab des Unternehmens vollständig mit – daher haben Sie ein potentiell höheres Risiko im Vergleich zu Sparbuch oder Fonds.

Informationen wie nachhaltig das Unternehmen, in das Sie investieren wollen, agiert finden Sie möglicherweise auf den Websites der oben angeführten Datenbanken bzw. in den Nachhaltigkeitsberichten des Unternehmens. Seit 2017 sind große Unternehmen verpflichtet, einen solchen zu erstellen.

Anleihen: Zeichnen Sie eine Anleihe leihen Sie einem Unternehmen Geld zu bestimmten Konditionen. Meist wird ein Plan vereinbart, bis wann die Anleihe zurück zu bezahlen ist und welche Zinsen Sie bekommen. Anleihen von nachhaltigen Unternehmen: z.B. W.E.B.

Nachrangdarlehen: Ist ähnlich wie eine Anleihe zu sehen. Als Geldgeber verzichten Sie allerdings auf die Gleichbehandlung mit anderen Kreditgebern – Sie stellen sich also freiwillig schlechter. Nachrangdarlehen von nachhaltigen Unternehmen z.B. GEA, Grüne Erde.

Crowdinvesting: Kennzeichen von Crowdinvesting ist, dass viele Anleger geringe Geldbeträge in ein Unternehmen / ein Projekt, das sie persönlich unterstützen wollen, investieren. Meist ist das Projekt mit hohem unternehmerischem Risiko behaftet. Im Erfolgsfall bedeutet das hohen Ertrag, bei Misserfolg ist das eingesetzte Kapital verloren. Crowd-Investingplattformen, die ausschließlich oder überwiegend „grüne“ Investments bieten sind z.B. crowd4energy.com, crowd4climate.org und greenrocket.com.

Aktien: Mit Aktien sind Sie Miteigentümer eines Unternehmens und tragen sein Auf und Ab zur Gänze mit. Von alles verlieren bis sehr viel gewinnen ist alles möglich. Nachhaltige Unternehmen sind z.B. Oekostrom AG, W.E.B., SAP, Union Pacific Shares, BT Group PLC.

Die Kriterien:

Bis 2008 wurden Investments ausschließlich nach der Bonität der Unternehmen und unabhängig von ihrem Geschäft bewertet. Niedrige Zinsen bedeuteten niedriges Risiko, hohe Zinsen hohes Risiko. Die Bewertung dieses Risikos durch die Ratingagenturen Standard & Poor‘s oder Moody’s galt als unfehlbar. Die Wirtschaftskrise kam 2008 trotzdem. Irgendetwas musste also schief gelaufen sein.

Seit 2008 werden Investments daher zusätzlich zur Bonität/dem Risiko nach den sogenannten ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) bewertet, also nach ihrer Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft und der Verantwortung, die das Unternehmen dafür übernimmt. Die wichtigsten Ratingagenturen sind u.a. Imug, Oekom Research, Sustainalytics, rfu.at oder EDA let’s go.

Eine Risikoeinteilung von Investments gibt es nach wie vor. Sie erfolgt anhand des SRRI (Synthetic Risk and Reward Indicator). Der Indikator gehört zu den  „wesentlichen Anlegerinformationen“ und gibt die Höhe der historischen Schwankungen des Fondsanteilspreises auf einer Skala von 1 bis 7 an. 0 bis 2 bedeutet geringes Risiko, 3 bis 5 mittleres Risiko und 6 bis 7 bedeutet hohes Risiko.

Anmerkung: Die angeführten Unternehmen dienen ausschließlich der unverbindlichen Information und ersetzen nicht die fachgerechte Beratung.

Weitere Infos: www.gruenesgeld.at, www.umweltzeichen.at

Autorin: Roswitha Reisinger

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