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Hype um Gluten-Verzicht unbegründet

Wer auf Gluten verzichtet, erhofft sich davon eine bessere Gesundheit. Wissenschaftlichen Beleg dafür gibt es dafür allerdings keinen, meint die Gesund­heits­plattform der Donau-Universität Krems nach einer aktuellen Untersuchung.

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Istock.com / Jasmina

Das Klebereiweiß Gluten ist in Getreiden wie Weizen, Dinkel oder Gerste enthalten. Die Nahrungsmittelindustrie verwendet es zudem für eine ganze Reihe industriell gefertigter Produkte, von Wurst bis zur Fertigsauce. Obwohl seit Jahrtausenden Teil unserer Ernährung, wird es seit einiger Zeit für zahlreiche Krankheitsbilder verantwortlich gemacht. Wissenschaftlich ist das nicht haltbar, sagt Viktoria Titscher, Ernährungswissenschaftlerin am Department für Evidenzbasierte Medizin in Krems.

Auf der Suche nach wissenschaftlichen Belegen für diese Annahme durchforstete das Team von Medizin-Transparent, der Gesundheitsplattform der Donau-Universität Krems, zwei große medizinische Literaturdatenbanken, in denen insgesamt über 26 Millionen Publikationen eingetragen sind. Gut gemachte, aussagekräftige Studien fanden sich dabei jedoch keine. „Ein Gluten-Verzicht entbehrt jeder Grundlage und könnte sogar zu Mangelsymptomen führen“, sagt Titscher.

Vorsicht bei Zöliakie-Erkrankung

Die Einzigen, bei denen eine konsequent Gluten-freie Ernährung nachgewiesenermaßen hilft, sind Zöliakie-Kranke. Etwa 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung leidet an dieser Überreaktion  des Immunsystems und verträgt die speziellen Eiweißverbindungen nicht: Sie führen im Darm zu chronischen Entzündungen, die ohne Ernährungsumstellung schwere Folgewirkungen haben können. Zöliakie ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die ärztlich abgeklärt gehört.

Auch bei einer bestätigten Weizenallergie könnte eine Ernährung ohne Gluten die Symptome verbessern. Allerdings ist der Verzicht nur sinnvoll, wenn die Diagnose von Fachleuten kommt. Denn nicht immer sind selbst beobachtete „Unverträglichkeiten“ auch welche.

Gluten-frei-Trend aus den USA

Wie die meisten Ernährungsmoden kommt der Gluten-frei-Trend aus den USA, angetrieben von einschlägigen Bestsellern und Fallberichten, die durch die sozialen Netzwerke verstärkt werden. So behaupten Hollywoodstars wie Gwyneth Paltrow oder Rachel Weisz, sie würden sich „energetischer“ und besser fühlen, seit sie Gluten von ihrem Speiseplan verbannt haben. Subjektiv gefühlte Verbesserungen reichen aber als Beleg nicht aus. Sie können auf diverse Gründe zurückzuführen sein, zum Beispiel auf eine insgesamt bewusstere Ernährung mit mehr Obst, Gemüse und frisch zubereiteten Speisen.

Eine weitere Hypothese für fallweise Verbesserungen: die noch wenig untersuchte Unverträglichkeit schwer verdaulicher Mehrfachzucker, so genannter „FODMAPS“. Sie können bei empfindlichen Personen zu Durchfall und starken Blähungen führen. FODMAPS sind in einer Vielzahl von Lebensmitteln enthalten, darunter auch in Weizen und anderen Gluten-haltigen Getreidesorten. „Möglicherweise ist also nicht der Gluten-Verzicht, sondern das Weglassen der Mehrfachzucker der Grund für die Besserung“, ergänzt Titscher.

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