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Für eine gemeinsame Lösung kämpfen, nicht gegeneinander

Weil Menschen verschieden sind, geraten wir immer wieder einmal aneinander. Durch einen respektvollen Umgang im Konfliktfall können wir unser Gegenüber besser kennenlernen und miteinander wachsen.

Zwei Personen stehen Rücken an Rücken, die Arme verschränkt.
Foto: Prostock Studio, iStock

Schnell entsteht im Konflikt das Gefühl, nicht ernst genommen und nicht gesehen zu werden. Man reagiert mit Ärger, macht Vorwürfe. Rechtfertigung und Gegenangriff folgen. Die sachliche Ebene hat man längst verlassen, sich auf der emotionalen Ebene verstrickt. Die Situation erscheint ausweglos. Es geht aber auch anders. Was ist hilfreich im Umgang mit Konflikten?

Zwei Sprechblasen in denen

Konfrontation

Hannes spricht mit seiner Frau Sarah ein Problem vom Vortrag an: „Gestern, als du heimgekommen bist, hast du mich keines Blickes gewürdigt. Du hast gleich den Fernseher eingeschalten.“

Gefühle benennen

Hannes benennt seine Gefühle: „Ich fühlte mich von dir übergangen. Das machte mich traurig und ärgerlich zugleich.“

Die zweite Perspektive einholen

Hannes bittet Sarah, zu erzählen: „Wie war die Situation für dich gestern Abend?“ Sarah antwortet: „Ich war gestern so im Stress nach der Arbeit. Ich fühlte mich richtig erschöpft. Ich habe dich einfach nicht gesehen. Es tut mir leid.“

Bedürfnisse benennen

Hannes erzählt Sarah, was ihm guttun würde: „Ich wünsche mir, dass wir uns beim Heimkommen anschauen und küssen. Dadurch würde ich mich geliebt und geborgen fühlen.“

Verständnis

Sarah meint: „Ich kann mir vorstellen, dass du traurig warst, als ich dich vor lauter Stress gar nicht wahrgenommen habe. Ich verstehe dich!“

Lösungsvorschläge machen

Sarah macht einen Lösungsvorschlag: „Es würde mir guttun, wenn ich nach der Arbeit immer eine halbe Stunde Zeit für mich allein habe, damit ich mich entspannen und wieder neu auf die Familie einstellen kann. Dann freue ich mich auch auf einen Kuss von dir!“

Hannes freut sich, dass Sarah ihn versteht, seine Wünsche akzeptiert und einen konstruktiven Lösungsvorschlag anbietet.

Über die Situation und Gefühle sprechen

Es ist wichtig, den Konflikt anzusprechen, die Situation und das ärgerliche Verhalten zu beschreiben sowie den eigenen Emotionen nachzugehen. Im Konflikt tauchen verschiedene Gefühle wie Angst, Wut, Hilflosigkeit, Scham auf. Diese Gefühle bergen eine Botschaft für die Konfliktlösung in sich, daher ist es wichtig, sie zu benennen und zu besprechen:
Wut zeigt beispielsweise, dass wir uns selbst wichtig nehmen möchten und ein Problem ansprechen sollen. Sie kann auch entstehen, wenn wie einem Menschen oder einer Sache gegenüber Grenzen ziehen sollten. Das Gefühl der Hilflosigkeit lernen wir meist früh in der Kindheit. Alles ist zu viel. Wir fühlen uns ausgeliefert und glauben, keine Chance zu haben. Dann tut es gut, zu überlegen, ob es doch Möglichkeiten und Lösungen gibt. Angst wiederum lähmt uns, den Schritt zu gehen, der anstehen würde. Wir könnten uns aber der Angst stellen und sagen: „Obwohl ich mich fürchte, gehe ich meinen Weg!“ Scham ist ein Gefühl, das häufig gemeinsam mit Schuldgefühlen auftaucht. Wir fühlen uns schwach und wertlos. Das Schamgefühl kann man bewältigen, wenn man lernt, sich in seiner Andersartigkeit zu akzeptieren.
Je besser wir lernen, unsere Gefühle wahrzunehmen und ehrlich anzusprechen, umso besser können wir verstanden werden.

Der Ausweg aus einer schwierigen Situation führt über unsere Bedürfnisse

Viele Konflikte lösen sich auf, wenn sich beide Konfliktpartner verstanden und mit ihren Bedürfnissen gesehen fühlen. Indem wir uns selbst fragen, „Was hätte ich in der Situation gebraucht? Was würde mir in Zukunft helfen? Was wünsche ich mir?“, können wir herausfinden und sagen, was verbessert werden könnte. Nachdem wir uns selbst und unsere Wünsche ernst genommen haben, ist es wichtig, den Blick auf den anderen zu richten: „Wie ist es dir in dieser Situation gegangen? Welche Gefühle hattest du? Was würde dir in Zukunft in dieser Situation helfen?“ Der*dem Anderen zuzuhören, ist nicht ganz einfach. Man muss seine eigenen Gefühle eine Weile zurückstellen, um dem Gegenüber Raum und Zeit zum Erzählen seiner Sichtweise zu eröffnen. Hat man sich gehört, kann man in einem Brainstorming auf die Suche nach gemeinsamen Lösungen gehen und eine gemeinsame Vereinbarung treffen. Manchmal finden sich diese schnell, manchmal kann es eine Weile dauern. Man muss einen Konflikt nicht am selben Tag lösen, sondern darf sich Zeit dazu geben: „Wir sind dabei, eine gute Lösung zu finden.“

Bewusster Ausstieg aus dem Kampf

Jedes Verhalten, das einen oder beide Konfliktpartner in Stress bringt, kann einen Konflikt zum Eskalieren bringen. Stress-Hormone werden ausgeschüttet, man kann nicht mehr klar denken, das Gegenüber nicht wahrnehmen und verliert die Fähigkeit zur Empathie. Die Kreativität zur Suche nach Lösungen geht verloren.
In diesem Fall kann es wichtig sein, das Gespräch für eine Weile zu unterbrechen, sich selbst zu beruhigen und erst später weiter zu diskutieren. Nach dem Motto: „Ich bin jetzt nicht fähig für ein Streitgespräch. Können wir bitte am Abend weiterreden.“

Zuversicht hilft

Viele Menschen haben eine Lebenshaltung entwickelt, die hilft, einen guten Weg aus Konflikten zu finden. Sie geben nicht auf, bevor sie eine Lösung gefunden haben. Sie sind zuversichtlich und gehen davon aus, dass sie ihr Leben selbst gestalten können. Sie fühlen sich nicht als Opfer der Umstände, sondern nehmen ihr Leben in die Hand, sagen, was sie möchten und was nicht sein soll. Sie können ihre Konfliktpartner in ihrer Andersartigkeit akzeptieren und aushalten, dass manchmal die eigene Lösung und ein anderes Mal der Lösungsvorschlag des anderen genommen wird.

Ein grünes Banner mit dem Lebensart-Schriftzug weißt auf die Abomöglichkeit mit 5 Ausgaben pro Jahr hin

Auszugsseite aus der Lebensart mit Grafikboxen, die Hindernisse bei der Konfliktbewältigung und Gegenmittel beschreiben.
Gestaltung: liga.co.at

Links

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Andrea Holzer-Breid

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