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Frequency goes green

Mehr als 50.000 Jugendliche feiern Party in St. Pölten. Für drei Tage und Nächte verdoppelt sich die Einwohnerzahl der Stadt. Dass dabei auch jede Menge Müll anfällt ist logisch. Was die Veranstalter tun, um das Frequency grüner zu machen.

Unzählige Menschen feiern Party bei der Green Stage des Frequency
Party bei der Green Stage des Frequency

Wir treffen Claudia Kinzl und Roland Schimpf von der JugendUmweltPlattform JUMP, die mit ihrem Green Team das Camping-Gelände an der Traisen so sauber wie möglich halten. 200 junge Menschen sammeln auf täglichen Streifzügen alles was herumliegt.

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Die Umweltheld*innen des Frequency: einige Mitglieder des Green Teams Foto: Brandstätter

„Wichtig ist, dass die Wege sauber bleiben“, sagt Claudia Kinzl, die schon mehrere Jahre Erfahrung am Frequency gesammelt hat. „Wenn einmal überall der Müll herumliegt, dann gibt es weniger Scheu, die eigene Bierdose einfach fallen zu lassen.“

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So sieht der Platz oft aus, bevor das Green Team kommt Foto: Reisinger-Brandstätter

Die Jugendlichen gehen aber auch zu vermüllten Zeltplätzen und unterstützen Camper*innen beim Aufräumen. „Auch wenn es noch so ausschaut, wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich die Leute freuen und meistens  selbst mitmachen. Das ist auch eine Form von Bewusstseinsbildung.“

„Bitte die Dosen in einen eigenen Sack und hier lassen“, interveniert ein Camper. Für 15 leere Aludosen gibt es nämlich eine volle gratis – auch eine Maßnahme der Veranstalter um dem Müll Herr zu werden.

Der Zeltplatz ist sauber. Es liegt kein Müll herum.
Aufgeräumt: Gemeinsam haben die Zeltbewohner*innen und das Green Team aufgeräumt Foto: Reisinger

Jeden Tag ist das Green Team drei Stunden am Gelände unterwegs. Den Rest der Zeit können sie das Frequency genießen und zwar gratis. „Die Leute zahlen zwar die 200 Euro Eintritt, bekommen das Geld aber am Schluss wieder zurück, wenn sie bei den Sammelaktionen mitgemacht haben,“ schildert Roland Schimpf die Bedingungen. „Bevor es zum Frequency geht gibt es auch noch ein verpflichtendes Volunteer-Treffen, damit alle die gleichen Infos haben. Wer nächstes Jahr Lust hat mitzumachen meldet sich einfach bei JUMP.“

Claudia Kinzl und Roland Schimpf vor einer Müllinsel
Claudia Kinzl und Roland Schimpf vor den attraktiv gestalteten und gut genutzten Müllcontainern Foto: Reisinger

Müllpfand und Green Camping

Die Veranstalter heben pro Eintrittskarte 5 Euro Müllpfand und 5 Euro Müllbeitrag ein. Das Müllpfand gibt es retour, wenn man beim Verlassen des Geländes einen  vollen Müllsack abgibt.  Mehrfach hören wir von den Besucher*innen, dass sie ja eh für die Müllentsorgung zahlen und dass es sie daher nicht interessiert, selbst zusammenzuräumen.

Am Festivalgelände ist es ziemlich sauber. Attraktiv gestaltete und unzählige Müllinseln zeigen Wirkung. Anders sieht es im Campingbereich aus. Viele Mülltonnen quellen bereits am frühen Nachmittag des ersten Festivaltags über, die Dosen liegen natürlich rundherum. „Die Sache mit den Mülltonnen ist nicht so einfach“, erzählt Kinzl. „Wenn man die nicht anbindet, werden sie zu allem möglichen verwendet und man findet sie dann mit Steinen gefüllt in der Traisen. Es ist halt Party und diese ist für einige ziemlich exzessiv.“

junge Menschen sitzen und plantschen in der Traisen
Chillen in der Traisen. Das macht das Frequency so besonders. Foto: Brandstätter

Für diejenigen, die es ruhiger haben und nicht in ihren eigenen Müllhalden hausen möchten wurde das Green Camping eingerichtet. David aus Wien wohnt dort zum Beispiel. Er ist dort nicht wirklich aus eigener Überzeugung gelandet, sondern weil seine Freunde das ausgesucht haben, aber er genießt die Atmosphäre dieses Platzes.

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David aus Wien Foto: Brandstätter

Am Sonntag, wenn das Festival vorbei ist, gibt es für das Green Team nochmals so richtig viel zu tun. Am Abreisetag wird gesammelt, was zurückgelassen wurde. Und man glaubt nicht, was da alles liegen bleibt. Kinzl: „Original verpackte Fernseher, Kühlschränke, Couchgarnituren, Zelte, Campingsessel, Pavillons – alles, was man sich vorstellen kann. Wir konzentrieren uns bei unserer Reinigungsaktion vor allem um den Grünraum direkt an der Traisen, dass hier kein Müll mehr herumliegt.“ Besonders mühsam beim Aufräumen sind Klopapier geschmückte Bäume, Metalldosen in den Gitterzäunen und vor allem Confetti in der Landschaft. Kinzl: „Liebe Jugendliche, bitte nicht!“

Aludosen im Zaun
Bitte nicht: Mit Aludosen dekorierter Zaun. Der Alptraum für alle, die danach wegräumen. Foto: Brandstätter

Klimaschutz ist cool

Auch die Bewegung "Friday for Future" ist mit Musiker*innen vor Ort und organisiert Diskussionen. Sechs Klimademos finden heute, am 16. August, in Österreich statt. "Weil sich die jungen Leute auch in den Ferien für den Klimaschutz engagieren", sagt Anna Lindorfer, Koordinatorin Friday for Future Wien. Sie ist überzeugt, dass den jungen Menschen der Klimaschutz ein Anliegen ist, auch beim Feiern. Beim Frequency soll beides zusammengehen: feiern und Klimaschutz.

Ein Künstler für Friday for future auf der Bühne
Friday for Future Heimo Spindler

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