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Saatgutverordnung ad acta gelegt

Ein Jahr nach der Abstimmung im EU-Parlament, wo die EU-Saatgut-Verordnung mit einer überwältigenden Mehrheit abgelehnt wurde, zieht die EU-Kommission ihren Vorschlag nun endlich formell zurück. Damit ist die EU-Saatgutverordnung endgültig Geschichte.
 

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Saatgutreinigung. Arche Noah

„Das ist ein großer Tag für die Vielfalt und ein gemeinsamer Erfolg von Hunderttausenden EuropäerInnen, die sich aktiv für die Vielfalt eingesetzt haben“, freuen sich Iga Niznik, Referentin bei ARCHE NOAH, dem Verein für die Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt und Heidemarie Porstner, Agrarsprecherin der österreichischen Umweltorganisation GLOBAL 2000. EU-weit unterschrieben rund 900.000 Menschen Petitionen gegen die Verordnung, allein in Österreich unterstützen rund 500.000 die Petition „Freiheit für die Vielfalt“, die auch von der Kronen Zeitung und Spar namhaft mitgetragen wurde. „Dank der vielen UnterstützerInnen dürfen alte und seltene Sorten von Kulturpflanzen - wie die Bohne Kaiser Friedrich, den Erdapfel Linzer Rose oder den Kärntner Krachsalat Eisenkappel – jetzt wieder aufatmen.“

Die EU-Kommission behält sich vor, noch während dieser Amtsperiode einen ganz neuen Entwurf des heute geltenden EU-Saatgut- und Pflanzgutverkehrsrechts vorzulegen. ARCHE NOAH und GLOBAL 2000 würde eine grundlegende Neuausrichtung des EU-Saat- und Pflanzgutverkehrsrechts unterstützen. "In einem zukunftsweisenden Reformentwurf müssen Vielfaltspflanzen einen gleichberechtigten Zugang zum Markt bekommen – auf Augenhöhe mit modernen Hochzuchtsorten. Das bedeutet: Saatgut von Sortenraritäten darf nicht auf Nischen, kleine Sackerln, kleine Mengen oder kleine Anbieter beschränkt werden. Die behördliche Zulassung von Sorten, die de facto nur Hochzuchtsorten und großen Firmen offen steht, muss freiwillig werden“, fordert Iga Niznik von der ARCHE NOAH.

Für Heidemarie Porstner von GLOBAL 2000 ist klar: "Nur mit mehr Vielfalt in der Landwirtschaft können wir den anstehenden ökologischen und politischen Herausforderungen begegnen, sei es bei der Gemeinsame Europäischen Agrarpolitik (GAP), der EU-Biodiversitätsstrategie oder der EU-Eiweißstrategie. Auch aus ökologischer Sicht sind die Vielfaltssorten unverzichtbar. Sie passen sich wesentlich leichter den neuen klimatischen Gegebenheiten an, sorgen für bessere Bodenfurchtbarkeit und sie sind standhafter gegenüber Krankheiten und Schädlingen."

Seit der Vorstellung des Arbeitsprogramms der Juncker-Kommission vergangenen Dezember war das Los der EU-Saatgutverordnung offen geblieben. Die EU-Kommission hatte erwogen, die alte, gescheiterte EU-Saatgutverordnung abgeändert nochmals vorzulegen statt sie zurückzuziehen und durch einen gänzlich neuen Entwurf zu ersetzen. Der wesentliche Unterschied: Während bei einem neuen Entwurf eine Folgenabschätzung und das Anhören aller Stakeholder, z.B. auch der NGOs, zwingend sind, fallen sie bei einer Überarbeitung weg. Nur durch das Engagement der genannten Beteiligten konnte das abgewendet werden.


 

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