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Erfolgreiche Frauen mit Migrationshintergrund

In diesem ehrlichen, Interview spreche ich mit zwei Frauen über ihre Arbeit mit der weiblichen Energie und wie es dazu kam, dass sie vor vielen Jahren ihrem Ruf gefolgt sind und heute Frauen dabei unterstützen, in ihre Kraft zu kommen.

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v.l.n.r: Jasminka Mutavdzic, Asya Khalef, Kornelija Stosic Privat

Wir sprechen über ihre Erfahrungen als eine Migrantin,  Erfahrungen, die sie für ihren weiteren Weg für ein neues Leben erlebt und ihre heutige Arbeit sehr geprägt hat.

Markas Interview-mit Frau Jasminka Mutavdzic und Frau Kornelija Stosic

Können Sie sich bitte vorstellen? Wer sind Sie?

Jasminka Mutavdzic: Ich komme aus Bosnien und bin im Jahr 1993 mit meinem 17-Tage alten Baby nach Österreich gekommen.

Nach dem Flüchtlingslager in Wien,  kam ich nach Hainfeld, und da beginnt eigentlich meine Geschichte. Natürlich wollte ich arbeiten und habe erfahren dass man dafür eine Arbeitsgenehmigung braucht. Also bin ich zu einem Hotel, das sechs Kilometer von meiner Unterkunft entfernt war, einfach hingegangen und hab gefragt ob sie Arbeitskräfte suchen. Sie brauchten eine Abwäscherin und so habe ich in diesem Hotel anfangen. Ich habe eine Arbeitsgenehmigung bekommen und ein bisschen Deutsch gelernt. Das Hotel hat leider im Winter zugesperrt und musste ich wieder eine andere Arbeit suchen, weil ich sonst meine Aufenthaltsgenehmigung verloren hätte. Und so bin ich nach St. Pölten gekommen und habe durch Zufall die Firma Markas entdeckt und begonnen in der Krankenhaus-Reinigung zu arbeiten.

Von der Reinigung bis zur Leitung

Relativ schnell  hat sich die  Möglichkeit ergeben weitere Objekte der Firma Markas zu betreuen. Darin habe ich mein Chance gesehen, mich ein bisschen beruflich in Richtung Objektleitung weiter zu entwickeln. Da ich in Bosnien Wirtschaft maturiert hatte, konnte ich wenig später die Regionalleitung übernehmen.

Sie sprechen ja sehr gut Deutsch, haben Sie Deutschkurse besucht?

Nein! Keine einzige Stunde. Das war auch der Grund, warum ich die Österreichische Staatsbürgerschaft nicht bekommen habe, weil ich keinen Deutschkurs nachweisen kann. Ich erfülle alle Kriterien, die können mich gern prüfen, und wenn sie  der Meinung sind, dass ich nicht ausreichend Deutsch spreche oder dass ich ein Kommunikationsproblem in diesem Land haben könnte, können sie mich durchaus in einen Kurs schicken, aber ich glaube sie sollten mir eine faire Chance geben. Das ist einfach ein Prinzip von mir.

Ich denke, dass ist eine Lücke im Gesetz. Ich stehe manchen Ausländern hier in Österreich sehr kritisch gegenüber. Aber man kann nicht alle in einen Topf werfen, die integrierten  sollten eine reale Chance auf die österreichische Staatsbürgerschaft haben. Ich bin schon seit 26 Jahre in Österreich, ich war keinen einzigen Tag arbeitslos, keine einzigen Tag im Krankenstand und  ich denke, dass ich eine  ehrenvolle Staatsbürgerin Österreichs wäre.

Ich fühle mich definitiv  trotzdem als Österreicherin (lacht). Wenn ich z.B. nach Bosnien fahre, habe ich in letzte 20 Jahre fast nie gesagt „ich bin hier zuhause“ sondern ich sage „ich möchte heimfahren und heimfahren heißt nach Österreich fahren, denn hier habe ich habe mein  Leben aufgebaut.

Frau Kornelija Stosic können Sie  sich  bitte vorstellen?

Ich bin Kornelia aus Kroatien, bin verheiratet und habe zwei Kinder. Ich habe in Kroatien Wirtschaft maturiert. Im Jahr 2005 bin ich mit meinen zwei Kindern nach Österreich gekommen, aus gesundheitlichem Gründen meiner ältesten Tochter.

Wie war der Anfang in Österreich? Was war einfach? Was war schwierig?

Für mich selber war nicht leicht, aber für meine Kinder hat es relativ schnell funktioniert, sie sind gleich in die Schule gegangen und haben auch schnell  Deutsch gelernt, sie sprechen jetzt beide Sprachen sehr gut. Daher bin ich sehr zufrieden.

Vorher muss ich schon sagen dass ich wirklich Glück hatte, da mein Vater schon in Österreich wohnte und das hat mir sehr geholfen.

Was machen Sie beruflich? Wie haben Sie angefangen?

Ich arbeite von Anfang an bei der Firma Markas, zu erst als Reinigungskraft und jetzt bin ich die Objektleiterin der Firma. Durch meine Stiefmutter, die sie schon dort gearbeitet hatte, habe ich gehört, dass die Firma Markas Reinigungskräfte braucht und so habe mich beworben. Der Chef hat es mich bei dem Bewerbungsgespräch gefragt ob ich deutsch kann; ich sagte „ja, natürlich“ aber das war eigentlich das einzige Wort, das ich sagen konnte.

Zu Beginn habe ich eine Bettenstation gereinigt, und wenn jemand mich etwas gefragt hat, konnte ich gar nichts verstehen, aber ich habe mich sehr bemüht. Ich war freundlich, nett, hab sie immer begrüßt mit einem Lächeln im Gesicht. Ich habe nicht „Ja“ gesagt wenn ich nicht verstanden habe und das sage ja heute noch zu meinen Mitarbeitern „bitte nicht einfach ja sagen wenn ihr etwas nicht versteht, sondern fragen bis ihr versteht worum es geht.

Warum Österreich?

Jasminka Mutavdzic:  Weil das einfach doch eine gewisse Nähe zu meinem Heimat ist. Damals war ich schon mit meiner Heimat verbunden, ich wollte nicht weit weg. Österreich war von der Mentalität, Kultur und Entfernung ein naheliegendes Land das damals für mich infrage kam.

Von der Reinigung bis zur Leitung, wie haben Sie das geschafft?

Kornelija Stosic: Ich hab im Spital alles gereinigt, ich habe nicht nein gesagt, ich war wirklich überall. Ich habe dann Glück gehabt und bin mit Kolleginnen  nach Salzburg gefahren, um auszuhelfen. Mein damaliger Chef hat mitbekommen dass ich Potenzial für mehr Verantwortung habe. Da hat  Jasminka viel geholfen, das alles zu realisieren,  war aber trotzdem ein harter Weg.

Jasminka Mutavdzic: Wenn man im Leben etwas erreichen möchte, soll man nicht prinzipiell sagen, es geht nicht oder ich kann es nicht! Es braucht Einsatz und es war immer wieder einmal ganz schwer, aber irgendwie habe ich es immer geschafft. Wichtig ist, dass die Menschen selbst die Initiative ergreifen. Man kann nicht erwarten, dass die andern sich  darum kümmern, man muss selber etwas angreifen und umsetzen.

In der Firma Markas gibt die berufliche Möglichkeit aufzusteigen, da haben wir Glück gehabt.

Ich bin auch ein wissbegieriger Mensch, ich möchte alles lernen, auch wenn das die Reinigung ist, ich habe das immer als eine Aufgabe gesehen. Man kann sehr viel lernen und darf nicht unterschätzen, wenn man viel lernt und Erfahrungen sammelt, fühlt man sich natürlich noch stärker, noch bewusster in dem, was man vorhat und das kann man nach Außen vermitteln.

Unsere Geschäftsführerin Gerlinde Tröstl ist auch für mich ein Vorbild. Sie hat uns immer sehr motiviert. Sie ist sehr kompetent und ein sozialer Mensch, sie hat alles, was eine starke Frau im Leben haben soll. Und das möchte ich dir einfach mitgeben weil das für mich wichtig ist. Ich habe mich für als Regionalleiterin nicht beworben –  sie hat es damals einfach mein Potential gesehen und genau in diese Richtung hat sie mich auch gefördert, und darum bin ich da, wo ich jetzt bin.

Was könnte in Österreich verbessert werden?

Kornelija Stosic: Was ich nicht verstehe dass die Menschen das Sozialsystem ausnutzen. Es ist z.B. für uns als Dienstleister eine Kunst, Mitarbeiter zu finden. Viele, die da sind, wollen nicht arbeiten. Sie sagen „warum müssen wir arbeiten wenn das  Geld genauso sonst auch bekommen. Jeder hat die Möglichkeit Arbeit zu bekommen, aber viele wollen einfach nicht, und ist ein großes Problem.

Jasminka Mutavdzic: Da denke ich genau wie Kornelija. Wenn ich 1993 gesagt hätte „ich möchte nur in dem Bereich arbeiten in dem ich maturiert habe, dann hätte ich nie eine Arbeit gefunden. Man muss sich der Situation bewusst sein: wo bin ich, was kann ich, was habe ich zu bieten. Deutsch konnte ich nicht, ich hatte keine Erfahrung. Man muss sich einfach bewusst sein, was gebe ich und was möchte ich und dieser Realität ins Auge sehen. Das tun sehr viele leider nicht.

Österreich ist ein soziales Land, das den Migranten und Migrantinnen viel anbietet um sich integrieren zu können, sich zu entwickeln und  sich hier einzubringen. Wir haben sehr viele Möglichkeiten. Man muss nur den Willen haben.   

Was bedeutet  für Sie Integration?

Jasminka Mutavdzic: Integration wird natürlich unterschiedlich interpretiert, meiner Meinung nach kann Integration in verschiedene Bereichen stattfinden, wie z.B. in der Familie, im Unternehmen, in einem Land etc.  Integration ist eine Anpassung. Ich bin hier, ich kann nicht erwarten dass sich die Mehrheit an mich anpasst, das ist einfach ein Schritt zur Veränderung.

Ich würde sagen wir haben es geschafft :-)

Kornelija Stosic: Genaue derselben Meinung bin ich auch. Wir haben uns bemüht uns anpassen. Darüber darf man aber nicht vergessen wer wir sind  und woher wir kommen. 

Jasminka Mutavdzic: Ich bin ganz ehrlich dankbar und froh, dass ich ausgerechnet Österreich ausgewählt habe und dass ich hier aufgenommen worden bin.

Interview: Asya Khalef

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