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Entwicklung braucht Freiraum

Die Alpenvereinsjugend plädiert für mehr Mut und Risiko im pädagogischen Alltag: „Freiräume sind für die persönliche Entwicklung wesentlich“.

Mädchen klettert auf Baum.
uschi dugulin/pixabay

„Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren“.

Mit diesem Zitat von Benjamin Franklin wurde das Fachsymposium „Verantwortung ermöglichen“ der Österreichischen Alpenvereinsjugend eingeleitet. Denn: Die wichtigen Fragen unserer Zeit sind in einer lernunfreundlichen Sicherheitskultur nicht zu begreifen.  „Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen nach Sicherheit und Kontrolle streben – dies spiegelt sich oft auch in der Erziehung wider. Doch Kinder benötigen für ihre Entwicklung Herausforderungen. Damit dies möglich wird, müssen Erwachsene zunächst Verantwortung übergeben, und Kindern und Jugendlichen diese ermöglichen“, sagt Jürgen Einwanger, Bildungsreferent der Alpenvereinsjugend. Erst dann könnten sich Kinder mit Zuversicht dem Leben zu stellen.

Wie kann die Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit gesunder Risikobereitschaft gelingen?

Wie wichtig der sichere Hafen aber auch das Abenteuer in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind, bestätigt Risikopädagoge Gerald Koller: „Das heute gängige VATER UNSER mit seinem ‚und führe uns nicht in Versuchung‘ taugt nicht, wenn es darum geht, junge Menschen zu einer ausgewogenen Risikobalance zu begleiten - vielmehr der überlieferte Urtext, der da heißt: ‚Und führe uns in der Versuchung‘. Kinder brauchen in den mannigfaltigen Risiken des Lebens ein Navigationssystem, das nicht nur das Vermeiden, sondern gerade auch das eigenständige Gestalten von Wagnissen möglich macht“, so Koller.

Zur Diskussion stellte Elementarpädagogin und Kindergarten-Standortleiterin Claudia Pötzl in ihrem Vortrag die Verantwortung der Einrichtungen für das freie Spiel und das Lernen von Verantwortung-übernehmen in stark vorgefertigten Strukturen. „Da die Tendenz einer Zunahme ‚vorgefertigter Strukturen‘ zu beobachten ist - erscheint das FREISPIEL als selbstbestimmtes und zweckfreies Spiel gleichsam als Gegenpol von besonderer Bedeutung!“, erklärt Pötzl.

Die Neurobiologin Nicole Strüber betonte die Wichtigkeit von selbstbestimmtem Spiel für die Gehirnentwicklung. „Eine wesentliche Funktion des kindlichen Spiels, und vor allem auch des risikoreichen Spiels scheint zu sein, dass Kinder dabei in einem angenehmen Kontext lernen, ihre Gefühle zu regulieren - verbunden mit einer Verstärkung der dafür notwendigen Verschaltungen im Gehirn. Sie lernen, Frustrationen, Angst und Wut auszuhalten - eine wesentliche Voraussetzung dafür, in vielen Bereichen des Lebens hohe Kompetenzen auszubilden: emotionale, soziale, kognitive und auch motorische Kompetenzen“, so die Neurobiologin.

„Die Welt braucht Menschen die Verantwortung übernehmen. Dreifache Verantwortung: Verantwortung für mich, Verantwortung für andere, Verantwortung für unseren Planeten“, meint die international bekannte Bildungsinnovatorin Margret Rasfeld. Weltverantwortliches Handeln beginnt in der Schule. Die wichtigen Fragen unserer Zeit sind in Stundenplänen und im Fächerkorsett nicht zu begreifen und benötigen einen Systemwandel mit sebstbestimmten Bildungslandschaften, geprägt vom Zusammenwirken von NGOs, Unternehmen, Künstler*innen, Universitäten.

Zukunftsforscher Reinhold Popp wagte zum Abschluss ein Bild in die Zukunft „Die Zukunft kommt nicht schicksalhaft und alternativlos auf uns zu. Vielmehr ist die Zukunft das, was wir aktiv, kreativ und verantwortungsvoll gestaltend aus ihr machen!"

Projektfilm: Tage draußen

„Tage draußen!“ – das ist der Titel des Films der Alpenvereinsjugend – und es geht um Freiräume, Zuversicht und gesunde Risiken. Im Rahmen des Fachsymposiums wurde eine erste Kurzversion präsentiert – die Premiere findet am 26. Mai 2020 im Leokino Innsbruck statt. Website zum Film: www.tagedraussen-film.at

Weitere Informationen: www.alpenvereinsjugend.at/symposium

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