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Eine Chance für den Wolf

Der Wolf ist wieder in Österreich angekommen. Was Naturschützer freut, sehen Viehalter gar nicht gerne. Sie fürchten um ihre Weidetiere.

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Foto: Josef Limberger Josef Limberger

Noch vor 200 Jahren waren Wölfe in fast ganz Österreich heimisch, bis sie im 19. Jahrhundert fast völlig ausgerottet wurden. In den letzten Jahren waren wieder einzelne einsame Wölfe zu sehen, die auf ihren Wanderungen auch nach Österreich kamen. Nun gab es auch die erste Familiengründung.  Naturschützer freuen sich über die Rückkehr des wilden Tieres, Bauern und Jäger zeigen weniger Begeisterung. Vor allem Viehhalter sorgen sich um ihre Tiere. Weil es schon lange Zeit in unseren Wäldern keine Luchse, Bären oder Wölfe mehr gibt, fehlt bei den Landwirten das Wissen darüber, wie sie ihre Weidetiere schützen sollen. Auch die Jäger haben den Wolf im Wald nicht mehr „vorgesehen“.

Finanzielle Schäden werden abgegolten

Wenn ein Wolf Nutztiere reißt, erhalten die Bauern dafür in allen Bundesländern - außer Wien und Burgenland - eine Entschädigung. Trotzdem fehlt jegliche Akzeptanz für den Wolf. Im Gegenteil: häufig wird ein wolfsfreier Alpenraum gefordert.

Der Wolf schließt eine Lücke im Ökosystem

Wölfe sind sehr anpassungsfähige Tiere, die mit der menschengeprägten, mitteleuropäischen Kulturlandschaft gut zurechtkommen. Durch die Einführung von Schutzbestimmungen in vielen europäischen Ländern haben die Wolfspopulationen rund um Österreich - vor allem in Italien - wieder zugelegt. Auch die Waldflächen sind in den meisten Ländern gewachsen, ebenso die Bestände an Beutetieren, wie Reh, Rothirsch und Wildschwein. Der Wolf spielt eine ökologische Schlüsselrolle an der Spitze der Nahrungspyramide, da er als „Gesundheitspolizei“ für die Fitness der Wildbestände sorgt. Die Rückkehr des Wolfs nach Mitteleuropa schließt demnach die Lücke, die in natürlichen Ökosystemen den Großraubtieren zukommt.

Leben mit dem Wolf

Da bei den Wölfen beide Geschlechter weit wandern können, ist damit zu rechnen, dass sie Familien gründen und sesshaft werden. Für den Wolf besteht die Gefahr, dass die Art ein zweites Mal verloren geht. Daher muss dafür Sorge getragen werden, dass bei Erhaltung der aktuellen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung auch die Bildung einer lokalen Wolfspopulation möglich ist. In der Berner Konvention ist der Wolf in Anhang II (streng geschützte Tierarten) angeführt. Diese Tierarten dürfen weder gestört, noch gefangen, getötet oder gehandelt werden.

Der Naturschutzbund holte Ende September alle Interessensgruppen zum ersten Dialogforum Wolf zusammen. Schafbauern, Tourismusvertreter, Jäger, Naturschützer und Experten diskutierten Sorgen, Ängste und Chancen in Bezug auf die Rückkehr des Wolfes. Gemeinsam soll eine annehmbare Lösung gefunden und der emotionale Hype um den Wolf reduziert werden. Ein Blick über die Grenzen zeigt uns, dass Landwirte und Wölfe gut nebeneinander existieren können!

Weitere Infos: www.naturschutzbund.at

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