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Artistin: Der eigenen Sehnsucht folgen

Begeisterte Weltenbummlerin, Politologin, Biobäuerin, wissensdurstig und politisch engagiert. Das ist Monika Strasser wie sie leibt und lebt. Kürzlich hat sie für ihr SPIEGELMAYR HAUS den „European Award for Ecological Gardening 2015“ gewonnen.

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Mag. Monika Strasser. Foto: privat Mag. Monika Strasser. Foto: privat

Monika, dein SPIEGELMAYR HAUS steht für „Lebensmittel für Mitdenker, Querdenker und Weiterdenker“. Was bedeutet das?

Qualitätsvolle Lebensmittel sind ein ganz zentrales Anliegen für mich. Daher produzieren wir auf unserem Hof ausschließlich biologisch Lebensmittel, bauen alte Kultursorten an und leben eine neue Kultur des Essens vor. Wir reden nicht nur von Essen und Genuss. Lebensmittel sind auch Heilmittel, es geht um die Natur, die Landwirtschaft, die Gesellschaft und vor allem darum, wie viel Verantwortung jeder und jede übernimmt. Der European Award ist eine tolle Anerkennung für unsere Arbeit.

Du hast während der Oberstufe ein Jahr in Amerika verbracht, nach der Matura die Sozialakademie besucht und anschließend Politologie studiert. Ein etwas ungewöhnlicher Weg.

Amerika hat mir den Blick geöffnet, dass man sein Leben auf viele unterschiedliche Arten gestalten kann. Das schätze ich bis heute.

Die Sozialakademie war eine Notlösung. Eine Freundin hat mich gebeten, zur Aufnahmeprüfung mitzugehen – und ich wurde tatsächlich aufgenommen. Damals gab es noch keine Beratung um die eigenen Talente herauszufinden. Studium und Berufsfindung liefen bei mir eher unter dem Schlagwort „trial and error“ (Versuch und Irrtum) ab.

Nach der Sozialakademie habe ich dann genau gewusst, was ich studieren will: Politologie. Ich konnte mir eine hochinteressante Fächerkombination selbst zusammenstellen: Geschichte, internationale Politik und vieles mehr. Davon profitiere ich noch heute. Ein Jurist braucht ein Gesetz, damit er weiß was er tun soll. Ein Politologe schaut, was gebraucht wird und versucht dann die Gesetze entsprechend zu ändern. Gerade Intellektuelle haben eine besondere Verantwortung, gegen falsche Entwicklungen Stellung zu beziehen und nicht der Karriere willen den Mund zu halten.

Wir sind stolz in Österreich auf unsere qualitätsvollen Lebensmittel. Der Trend geht in eine andere Richtung – nämlich billig. Was sollen wir tun?

Die Nahrungsmittelindustrie braucht billige Ausgangsprodukte für ihre Lebensmittel. Die dadurch entstehenden Umwelt- und Gesundheitskosten werden auf den Staat und die Bürger abgewälzt. TTIP ist ein Abkommen gegen die Menschheit! Es muss uns klar sein, dass Qualitäts-Lebensmittel etwas kosten, was ja im Grunde kein Problem wäre, wenn sich die BürgerInnen die Subventionen für die Bauern und die Folgekosten von schlechter Ernährung sparen könnten. Als BürgerIn muss ich mitdenken, handeln und mich engagieren. Man kann nicht darauf vertrauen, dass die Politiker zum Nutzen der Menschen und der Gesellschaft handeln. Man muss sich selbst auf die Beine stellen. Gerade in Zeiten wie diesen kann man niemandem ersparen, nachzudenken. Beim Bildungsvorreiter „Teach for Austria“ steht Leadership nicht für eine Funktion wie Geschäftsführer sondern für sehen, verstehen, handeln und das Übernehmen von Verantwortung. Jeder Mensch kann also Leadership beweisen: vom Portier bis zum CEO, vom Bauern bis zum Handwerker!

Welche PolitikerInnen brauchen wir?

Viele Menschen haben Angst und gieren daher nach einer Führungspersönlichkeit, nach einem, der sagt wo es lang geht. Das ist der falsche Weg. Wir brauchen mutige und integre Persönlichkeiten, die fähig sind, das Ganze im Auge zu behalten. VertreterInnen, die nicht sich selbst oder eine bestimmte Gruppe sondern die Anliegen der Gesellschaft im allgemeinen vertreten. Wir brauchen mehr Frauen an der Spitze. Viele Unternehmen machen das bereits und sehen, wie erfolgreich sie damit sind, weil Frauen den Blickwinkel erweitern. Die Kriterien, die für Produkte gelten, könnten auch für die Politik gelten: ein tolles Angebot, umweltfreundlich und ethisch vertretbar.

Was ist der rote Faden durch dein Leben?

Die Veränderung. Ich bin eine Entwicklerin und habe immer wieder das Bedürfnis weiter zu gehen und etwas Neues zu machen. Die jeweils nächsten Schritte sind mir dabei immer zugefallen.

Hast du keine Angst vor der Veränderung?

Nein. Ich brauche das. Jetzt war ich gerade drei Wochen in Österreich unterwegs und habe Unternehmen, die sich für den Staatspreis KNEWLEDGE beworben haben, besucht. Dazwischen war ich bei einer jüdischen Hochzeit in Israel eingeladen und nächste Woche besuche ich Olivenölproduzenten in Andalusien. Mich interessiert der Zugang anderer Kulturen zu bestimmten Anlässen, das finde ich bereichernd. In Israel feiert man die Hochzeit im Freien und schenkt Geld. Das Kuvert kann man in eine Urne einwerfen, oder daneben von einem Terminal von der Kreditkarte abbuchen lassen. Das finde ich witzig.

Veränderungen sind immer auch schwierige Lebenssituationen – aber gerade daraus lernt man viel. Es bringt einem nichts mehr so schnell was aus der Bahn, man wird gelassener. Und vor allem merkt frau, was frau alles kann. In meinem Alter finde ich es schön, wenn es etwas Neues gibt, worüber ich staunen kann.

Was macht dir Mut?

Dass wir in Richtung WeltbürgerInnen gehen.

Geht es nicht eher Richtung Zäune bauen und sich in die eigene Region zurückzuziehen?

Zumindest wird jetzt viel darüber geredet. Und das ist der erste Schritt. Mut macht mir, wenn ich sehe, welche tollen Unternehmen sich in Österreich entwickeln.

Was würdest du heute anders machen? Was willst du jungen Menschen mitgeben?

Vielleicht noch weniger Skrupel haben Neues zu machen. Mutig das tun, was man glaubt. Der eigenen Seele, der eigenen Sehnsucht folgen. Die Seele versucht immer sich zu verwirklichen. Auch wenn sie Umwege geht.

Mag. Monika Strasser, Politologin, Personalentwicklerin, Trainerin, Biobäuerin, Geschäftsführerin der KNEWLEDGE-Initiative. www.spiegelmayr-haus.at, www.knewledge.at

Autorin: Roswitha M. Reisinger

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