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Bunt, süß, ungesund

Ernährungsexpertin Univ. Doz. Dr. Ingrid Kiefer erklärt im Interview, welche Vorlieben angeboren sind und wie Sie Ihr Kind für gesundes Essen begeistern können.

Univ.Doz. Dr. Ingrid Kiefer.
Univ.Doz. Dr. Ingrid Kiefer Foto: AGES

Lebensart: Welche Vorlieben haben Kinder in punkto Nahrung?

Ingrid Kiefer: Kinder lieben von Beginn an Süßes. Auch beim Gemüse bevorzugen sie eher süße Sorten, wie Karotten oder Erbsen und mögen bittere Kohlsprossen nicht so gerne. Aber auch Farben sind für die Kleinen wichtig – sie lieben Rot – vermeiden hingegen eher grüne oder braune Nahrungsmittel und sie wollen kleine, kindgerechte Portionen.

Sollten „Versorger“ immer auf diese Vorlieben eingehen?

Vorlieben sollten nicht permanent erfüllt werden, aber es ist wesentlich, darüber zu reden, Bewusstsein für gesunde Ernährung bei Kindern zu schaffen. Das aufkochen verschiedener Gerichte ist vielleicht ganz löblich  – wichtig ist jedoch die Grenzen zu zeihen – und den Kindern früh genug anzugewöhnen Mischkost zu essen. Kinder haben Angst vor Neuem und lehnen neue, unbekannte Speisen sehr häufig ab. Diese müssen dann einfach öfters ohne Zwang angeboten werden.

Sind Neigungen und Vorlieben angeboren?

Ja die Vorliebe für süß und die Ablehnung für bitteres ist angeboren. Es gibt Neigungen, die sich gemäß  wissenschaftlichen Erkenntnissen  schon in der Schwangerschaft der Mutter und während der Stillzeit bilden  –  Aromastoffe werden über das Fruchtwasser und der Muttermilch aufgenommen – so essen Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Karottensaft getrunken haben lieber und mehr Getreidebreie mit Karotten bei der Einführung der Beikost

Verhält es sich auch so bei Abneigungen gegen Nahrungsmittel?

Abneigungen können sich auch ganz spontan entwickeln. Wenn z.B. unangenehme Dinge beim Essen besprochen werden, wie etwa schlechte Noten oder wenn das Kind „schlimm“ war – diese Dinge sollte man beim Essen immer ausklammern – wie auch andere Nebentätigkeiten wie das Fernsehen.

Zuckerl oder Eis als Belohung – Verbot als Bestrafung oder Disziplinierung: was halten Sie von derartigen Maßnahmen?

Das Essen sollte man nicht zur Belohnung oder Bestrafung heranziehen – Verbote können beispielsweise genau das Gegenteil bewirken: Je knapper aber die begehrte Nahrung dosiert wird (z.B. Süßigkeiten, Fast-Food), desto begehrter wird sie. Die Kinder müssen lernen, von klein an mit dem bestehenden Angebot an Nahrung umzugehen. Werden z.B. Süßigkeiten verboten, mag das zu Hause ja klaglos funktionieren. Wenn das Kind jedoch bei einer Party eingeladen wird und isst bis ihm schlecht wird, ist das ein Alarmzeichen.

Welchen Rat würden Sie gesundheitsbewussten Eltern mitgeben?

Achten Sie, dass Sie Ihrem Kind ein breites Angebot an Nahrungsmitteln anbieten – und akzeptieren wenn das Kind etwas nicht mag oder den Teller nicht leer essen mag. Kinder sind auch in punkto Essen keine kleinen Erwachsenen.

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