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„Zusammen schmeckt es einfach besser“

Ich komme aus Syrien und lebe seit drei Jahren in Österreich. In dieser Zeit habe ich schon viele Menschen und die Lebensweise hier kennen gelernt. Worin liegen die kleinen Unterschiede? Davon erzähle ich hier.

asya

Das gemeinsame Essen steht in Syrien an oberster Stelle. Die ganze Familie isst so gut wie immer gemeinsam. Man wartet, bis alle zu Hause sind. Bei einer syrischen Mahlzeit kommt alles gleichzeitig auf den Tisch. Da steht dann ein Fleischgericht und vielleicht noch ein weiteres warmes Essen, daneben Reis, Salat, Brot, frische Gurken, Paprika und Paradeiser mit Minze und anderen Kräutern. Das Gemüse ist einfach aufgeschnitten und nicht gekocht.

Will man jemand besuchen, muss man sich auch nicht vorher anmelden. Man kommt einfach vorbei und wird immer aufgefordert, mitzuessen. Ein Sprichwort besagt: „ Deine Schwiegermutter liebt dich“. Damit ist gemeint: „Setz dich zum Tisch und iss mit!“

Syrer sind extrem gastfreundliche Menschen. Ihr müsst es selber probieren – und kommt am besten mit leerem Magen zu Besuch! Jeder Mensch aus einem anderen Land ist in Syrien willkommen, weil wir gerne unsere Kultur, unser Essen und unser Zuhause zeigen.

Zur Begrüßung küsst man sich in Syrien dreimal auf die Wange. Immer zwischen zwei Männern oder zwei Frauen, selten aber zwischen einem Mann und einer Frau, was in Österreich ganz normal ist.

Schlafenszeit und Nachbarschaft: Hier gehen alle Menschen schon so früh ins Bett. In Syrien beginnt das Leben ab 18 Uhr. Dort kannst du um 23 Uhr rausgehen und alle Geschäfte haben offen. Die Nachbarn sind wie unsere Verwandten, wir teilen fast alles mit unseren Nachbarn.

Frauen und Freiheit: Die Gesetze in Syrien unterstützen Frauen nicht richtig. Es gibt zwar Gesetze, aber die werden in der Realität nicht eingehalten. Zum Beispiel ist es verboten, dass ein Mann seine Frau schlägt. Aber es passiert trotzdem. Die Gesellschaft behandelt Mann und Frau unterschiedlich. Hier haben Frauen viel mehr Freiheiten. Manche Frauen sind in Syrien in sehr offenen Familien aufgewachsen, andere stammen aus einem religiösen Umfeld. Es gibt Frauen, die gut ausgebildet sind und die einer Arbeit nachgehen, andere bleiben im Haus. Unterschiede gibt es auch zwischen Städten und Dörfern. Das Leben im Dorf ist für die Frauen meistens schwerer, weil sie hier besonders stark von den Männern unterdrückt werden.

Obwohl die syrischen Frauen, die nach Österreich kommen, viele unterschiedliche Meinungen vertreten, haben sie doch eine Gemeinsamkeit: Sie müssen in Österreich ein neues Leben aufbauen. Viele von ihnen sind stark und motiviert, so ist mein Eindruck. Bis sie in Österreich wirklich angekommen sind, müssen aber beide Kulturen noch viel miteinander reden. Denn nur im Dialog miteinander werden Syrer und Österreicher es schaffen, sich wirklich zu verstehen.

Asya Khalef lebt mit ihrer Familie in St. Pölten. Als Praktikantin arbeitet sie im Lebensart-Verlag an einem Projekt für MigrantInnen.

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