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Zu warm: Zug­vögel kehren früher zurück

Der milde Winter lässt viele Zugvögel früher als sonst zurück­kehren. Die ersten sind Star, Feldlerche und Sing­drossel, die am Mittelmeer über­wintert haben. Sie wurden heuer im Februar deutlich öfter gesichtet als 2019.

Eine Feldlerche sitzt mit geöffnetem Schnabel auf einem Holzpfosten vor blauem Himmel.
Feldlerchen sind heuer mit anderen Kurzsteckenziehern früh dran. © Michael Dvorak

Ende Februar und der Frühling ist im vollen Gange! Nicht nur, dass Palmkätzchen und Schneeglöckchen in voller Blüte stehen und der erste Bärlauch sprießt, auch in der Vogelwelt ist der Frühling unüberhörbar und unübersehbar angekommen. War der extrem warme Februar auch für die Vogelwelt außergewöhnlich?

Kurzstreckenzieher reagieren auf warme Witterung

Die Winterquartiere der meisten Kurzstreckenzieher liegen im Mittelmeerraum. „Bei ihrer nicht allzu weiten Heimkehr können sie im Gegenzug zu den Langstreckenziehern flexibel auf die Witterung reagieren, was heuer offensichtlich der Fall war“, erörtert Gábor Wichmann, Geschäftsführer der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich, die verfrühte Heimkehr der Vögel. „Einige Arten, wie Star, Feldlerche, Zilpzalp, Rohrammer, Ringeltaube und Kiebitz nutzten das warme Wetter im Februar aus. Unsere Vogelkundler registrierten sie heuer im Laufe des Monats deutlich häufiger als in durchschnittlichen Jahren. Bei diesen Arten zeigen sich ähnlich frühe Ankünfte wie im ebenfalls sehr warmen Februar 2017.“

Der Einzug der Kurzstreckenzieher ins Brutgebiet kann sich über einige Wochen ziehen, alljährlich treffen die ersten bereits im Februar ein. „In Jahren mit mildem Wetter werden diese besonders frühen Individuen begünstigt“, weiß Wichmann und setzt fort: „Die Hauptmasse wird nach wie vor im März ankommen.“ Wie die Vögel ihre Entscheidung treffen, loszufliegen, ist noch nicht bekannt. Wahrscheinlich spielen Temperatur und Nahrungsangebot eine Rolle.

Eine Singdrossel sitzt auf einem Tannenzweig vor Waldgrün. Im Schnabel trägt sie einen Wurm und eine grüne Raupe.
Singdrosseln halten sich auch dieses Jahr scheinbar an ihren Zeitplan. © Benjamin Schedl

Bei Singdrossel, Hausrotschwanz, Wiesenpieper und Mönchsgrasmücke konnte hingegen kein vermehrtes Auftreten festgestellt werden. Sie halten sich offensichtlich an ihren Zeitplan.

Ankunft der Zugvögel in Österreich

In den nächsten Wochen erwarten die Vogelschützer von BirdLife Österreich weitere Ankömmlinge, denn mehr als die Hälfte unserer Brutvögel sind auch Zugvögel. Heckenbraunelle und Heidelerche werden ebenso erwartet wie Girlitz und Schwarzkehlchen. Bis Mitte Mai ist die gesamte Vielfalt wieder an ihren angestammten Brutplätzen anzutreffen. Traditionell ist der Karmingimpel der letzte bei uns eintreffende Zugvogel, weil er in Indien überwintert und damit die längste Zugstrecke auf sich nimmt.

Im Durchschnitt treffen folgende Vögel in diesen Monaten ein:

  • Februar: Rohrammer, Feldlerche, Star, Kiebitz, Singdrossel, Ringeltaube, Bachstelze, Wiesenpieper
  • März: Weißstorch, Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Hausrotschwanz, Schwarzstorch, Girlitz, Rauchschwalbe, Fitis, Wiedehopf, Heckenbraunelle
  • April: Kuckuck, Baumpieper, Braunkehlchen, Mehlschwalbe, Gartenrotschwanz, Mauersegler, Turteltaube, Wachtel, Dorngrasmücke, Neuntöter
  • Mai: Sperbergrasmücke, Bienenfresser, Ziegenmelker, Karmingimpel

Klimawandel verändert Vogelzug

Immer häufiger beobachten Ornithologen, dass Kurz- und Mittelstreckenzieher aufgrund des Klimawandels ihre Reisedistanz verkürzen, weniger weit in den Süden vorstoßen oder ein Teil der Population aufgrund der milderen Winter gar nicht mehr wegfliegt, sondern gleich in Österreich bleibt. Zu beobachten ist dies unter anderem bei Ringeltaube, Rohrammer, Hausrotschwanz, Mönchsgrasmücke, Rohrammer und Zilpzalp.

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