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Der Pferdedienstleister

Normalerweise organisiert Matthias Weiländer Events und denkt sich attraktive Angebote für St. Pöltner*innen und Tourist*innen aus. Aber ab und zu trifft man ihn bei der Waldarbeit mit seinem Pferd.

Matthias Weiländer steht neben Pferd und Holzstoß.
Matthias Weiländer mit seinem Pferd bei der Waldarbeit. Zugpferde NÖ Mitte

Wie kommt der Marketing-Chef der Stadt St. Pölten auf das Pferd?

Weiländer: Ich bin sehr naturbezogen aufgewachsen. Die Großeltern väterlicherseits hatten einen Bauernhof in Sierning, ein Freund meines Großvaters mütterlicherseits war Tierarzt. Ihn durfte ich als 11-Jähriger in den Ferien jeden Tag begleiten. Von der Fleischbeschau über die Kleintieroperation bis zu Hausbesuchen zum Kälbchen-Ziehen habe ich alles mitgemacht. Das hat mich fasziniert und dieser Bezug zur Natur hält ein Leben lang.

Du hast nach der Matura nicht Tierarzt sondern Medienmanagement studiert. Was sprach gegen den Tierarzt?

Das große Latinum und die unendlich lange Studiendauer (lacht). Aber ich organisiere auch gerne und der Weg, den ich eingeschlagen habe, passt perfekt zu mir.

Wann hast Du die Leidenschaft für das Pferd entdeckt?

Ich war so um die 30 Jahre alt als ich gemerkt habe, dass ich einen Ausgleich zu meiner dichten Büroarbeit bauche und eine große Sehnsucht bekam, etwas mit Tieren zu tun. Ein Freund brachte mich zum Westernreiten. Ich habe die Reitstunden genossen wie ein Kind. Aber Ausreiten hat mir von Anfang an besser gefallen als Turnier reiten.

Auf der Suche nach attraktiven Angeboten in der Weihnachtszeit für St. Pöltner*innen und Besucher*innen bin ich auf die Pferdekutsche gekommen.

Und die wolltest Du selbst lenken?

Ich habe einen Kutschenkurs besucht. Das ist ganz schön kompliziert – von den Geschirrteilen, der mechanischen Umsetzung bis hin zur Leinenhaltung musste ich alles lernen. Das war aufwändiger als der Pkw-Führerschein.

Dann habe ich mir einen Kaltblüter gekauft – einen Noriker. Kaltblütler sind große Tiere, leichtfüßig, trittsicher und sehr fit – sie sind die Männerversion von einem Pferd. Mit ihnen kann man auch zu einem Heurigen reiten –sie sind gutmütig und nicht schreckhaft. Seit vielen Jahrhunderten werden sie als Lastentiere gezüchtet.

Du fährst nicht nur Kutschen, Du arbeitest mit dem Pferd auch im Wald.

Da sind zwei Dinge zusammengekommen. Erstens habe ich nachgedacht, wie ich mein Pferd entsprechend seiner Genetik richtig beschäftigen kann. Wenn es den ganzen Tag auf der Weide steht und nur ausgeritten wird, wird es fett.

Gleichzeitig wollte mein Vater das Holz machen nicht aufgeben, aber dazu nicht immer wegen der Maschinen nach Sierning fahren. Einen eigenen Traktor anschaffen kam nicht infrage. Also habe ich einen Kurs gemacht und das Holz rücken (Holz aus dem Wald ziehen, Anm. der Red.) gemeinsam mit meinem Pferd Mika Vulcan gelernt.

Und was sagt Mika dazu?

Anfangs musste er – wie ich – die Abläufe lernen. Das Pferd ist ein Fluchttier. Wenn es ungewöhnliche Geräusche über eine längere Zeit hört ist es auf und davon. Aber Pferde lernen rasch und heute kennt sich Mika sehr gut aus. Er ist stolz, wenn er etwas geschafft hat.

Woran merkst Du das?

An seiner Körpersprache. Du musst während der Arbeit die ganze Zeit mit ihm reden, ihm Kommandos geben, ihn loben und tätscheln. Das ist wie bei einem Hund. Das mag er. Und außerdem genießt er es, im Mittelpunkt zu stehen. Wenn Kinder vorbeikommen wollen sie auf ihm sitzen, alte Damen bringen Pferdefutter mit. Das taugt ihm.

Und natürlich tut ihm die Bewegung gut. Er schaut gut aus, ist gut bemuskelt, hat eine gute Rückenspannung.

Ihr habt auch im Stadtwald in St. Pölten gearbeitet?

Der Stadtgärtner hat mich angesprochen. Die Bestände und der Nachwuchs im Stadtwald sind sehr eng gesetzt und die Erhaltung der Wege sehr teuer. Daher wollte er nicht mit Maschinen reinfahren, die hätten zu viel zerstört. Das Pferd hat da viele Vorteile: es ist beweglich und verursacht keine Verdichtung der Böden.

Durch das Projekt im Stadtwald bin ich erst auf die Idee gekommen, diese Dienstleistung im Nebenerwerb anzubieten. Mittlerweile arbeite ich nicht nur im Wald sondern auch in Weingärten. Immer mehr Weinbauern setzen auf die Arbeit ohne Maschinen weil der Boden locker bleibt und dadurch der Traubenertrag besser wird.

Was schätzt Du besonders an der Arbeit mit Pferden?

Das Tempo. Das Tempo der Pferde passt zu unserem Tempo. Es wird müde, wenn wir Menschen auch müde werden – nach ungefähr vier Stunden. Auch zwischendurch bleibt es mal stehen und will eine Pause. Das ist unglaublich entschleunigend.

Außerdem ist es ein perfekter Ausgleich zu meinem beruflichen Alltag. Ich habe einen Job, der nie fertig ist. Die Arbeit im Wald mit Mika ist körperlich anstrengend, es ist eine gefährliche Arbeit – Du musst voll bei der Sache sein. Das befreit den Kopf. Und das hat mich sicher vor vielen Nebenwirkungen von Bürojobs wie Rückleiden oder Burnout bewahrt. Sport hat auch eine gute Wirkung. Aber sie hält nicht so lange an.

Du bildest mittlerweile auch Pferde aus.

Letzte Woche haben wir ein Pferd, das ich fünf Monate trainiert habe, zum ersten Mal einen Grubber (Gerät zur Bodenlockerung, Anm. der Reaktion) ziehen lassen. Das macht Freude. Die Arbeit mit Pferden in der Landwirtschaft steckt noch in den Kinderschuhen, aber die Tendenz ist stark steigend.

DI (FH) Matthias Weiländer ist Geschäftsführer der Marketing GmbH St. Pölten und lebt seine Liebe zur Natur und zu Pferden seit acht Jahren als Pferdedienstleister und Ausbildner.
www.zugpferde.at: Matthias Weiländer und sein Angebot als Pferdedienstleister.
www.pferdekraft.at: Die österr. Interessensgemeinschaft Pferdekraft bietet Kurse und Informationen.

Das Interview führte Roswitha M. Reisinger

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