Blumensträuße im Pestizid-Test
Ein Drittel der Österreicher*innen verschenken zum Muttertag am liebsten Blumen - 2025 fand ein GLOBAL 2000-Test jedoch immer noch bis zu 30 Pestizide auf Blumensträußen.
Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat anlässlich des Muttertags wieder einmal Schnittblumen unter die Lupe genommen. Die Proben wurden dabei von einem unabhängigen Labor auf über 600 Pestizide getestet. Die meisten untersuchten Blumensträuße können - wie bereits in den Vorjahren - als “Pestizid-Potpourri” bezeichnet werden. Keine Probe war frei von Pestiziden. Lediglich bei Anzahl und Bedenklichkeit ging die Bandbreite, teils gravierend, auseinander.
In der Untersuchung 2023 fand die Organisation in über 90 Prozent der Schnittblumen und Zimmerpflanzen Rückstände von Pestiziden . Spitzenreiter war ein Blumenstrauß mit 39 Wirkstoffen - im Jahr 2025 sieht es dabei nicht wirklich viel besser aus: „Bis zu 30 verschiedene Pestizide konnten auf nur einem einzigen Blumenstrauß nachgewiesen werden - zu einem großen Teil mit ernsthaften Gesundheitsrisiken für Menschen. Fortpflanzungsschädigungen, Krebserkrankungen oder Störungen im Hormonhaushalt sind nur einige der möglichen Auswirkungen. Es gibt jedoch auch dieses Jahr eine positive Ausnahme, auf einem Tulpenstrauß aus Österreich wurden nur drei Pestizide gefunden."
Gleichzeitig ist die Herkunft der Blumen oft ungewiss: Viele der im Handel angebotenen Schnittblumen kommen aus dem globalen Süden - wenn diese in Aalsmeer in den Niederlanden umgeschlagen werden, wird oftmals nur dieses Land als Herkunft angegeben.
Betroffen sind vorallem Frauen
In vielen Produktionsländern sind die Arbeitsbedingungen problematisch - zum Beispiel mangelt es oft an geeigneter Schutzausrüstung. Gerade auf Blumenfarmen arbeiten zumeist Frauen, die von fortpflanzungsschädigenden oder hormonell wirksamen Pestiziden besonders stark betroffen sind.
Zusätzlich sind die Arbeiter*innen auch nicht nur einem Pestizid ausgesetzt, sondern meist einem Cocktail aus mehreren verschiedenen Pestiziden. Diese erhöht die Giftigkeit einzelner Substanzen deutlich, auch sind die Wechselwirkungen zwischen Pestiziden bisher nicht ausreichend untersucht und auch nicht Teil des Zulassungsverfahrens. Vor allem zum Muttertag sollten wir daher auch an die Mütter in den Produktionsländern denken.
Komplett ungeregelt
In Österreich gibt es derzeit kein Gesetz, das Pestizidrückstände auf Schnittblumen regelt - deshalb gibt es auch keine staatlichen Kontrollen dafür. Anders ist die Situation in Deutschland. Das Pflanzenschutzgesetz regelt, dass Pflanzen nur dann importiert werden dürfen, wenn sie frei von nicht zugelassenen Pestiziden sind. Grenzwerte für Rückstände gibt es allerdings auch dort nicht. Wir fordern, dass Österreich sich auf EU-Ebene für solche Grenzwerte einsetzt und möglichst bald ein ähnliches Gesetz wie in Deutschland umsetzt. Nicht zuletzt sieht Global2000 aber auch die großen Händler in der Verantwortung.
Global2000 fordert daher:
- Einführung von gesetzlichen Höchstwerten für Pestizidrückstände bei Schnittblumen und Zierpflanzen.
- Durchgängiges Importverbot für Pflanzen, die Pestizide enthalten oder denen Pestizide anhaften, die in der EU nicht zugelassen sind.
- Systematische staatliche Kontrollen von Pestizidrückständen auf Schnittblumen und Zierpflanzen (inklusive Jungpflanzen), insbesondere von importierter Ware.
- Förderung der biologischen Schnittblumen- und Zierpflanzenproduktion und der heimischen Jungpflanzenzucht.
- Reform des europäischen Zulassungsverfahrens für Pestizide: Langzeiteffekte, Kombinationswirkungen und die Auswirkung auf sensible Arten müssen zukünftig bei der Zulassung von Wirkstoffen berücksichtigt werden.
- Einführung von strengeren Kriterien für den „europäischen Pflanzenpass“: Transparente Herkunft und Handelswege, beginnend bei der Produktion von Samen und Jungpflanzen.
Am besten selber pflücken
Was kann dann zum Muttertag überhaupt noch geschenkt werden? Selbst gepflückte Wiesenblumensträuße zum Beispiel. Ansonsten kannst du darauf achten, dass die Blumen aus biologischem Anbau stammen, denn dabei dürfen keine chemisch-synthetischen Pestizide eingesetzt werden. Auch Pflanzen aus heimischem Anbau sind eher zu empfehlen. Und was sich Mütter in Wirklichkeit am Meisten wünschen, zeigen auch einige andere Studien klar - und das ist Zeit.
(Und vielleicht auch eine LEBENSART ;))