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Das steht für den fairen Handel

Schokolade, Tee, Kaffee - viele Produkte stammen bereits aus fairem Handel. Doch was steckt hinter den unterschiedlichen Gütesiegeln?

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Foto: Fairtrade/St. Pierre

Der Klassiker: Fairtrade

FAIRTRADE ist der Klassiker unter den Gütesiegeln für Fairen Handel. Zu den ökonomischen und sozialen Standards zählen Mindestpreise, Sozialprämien, Vorfinanzierung der Produktion und langfristige Handelsbeziehungen. Darüber hinaus wird auf Fortschrittsstandards geachtet, wie etwa die Verbesserung des Lohnniveaus. Besonders die "weichen" Kriterien machen für die Akteure den Unterschied zum konventionellen Handel aus: Die Handelspartner erfahren Respekt, die Betonung liegt auf den Beziehungen, welche durch den Handel regional und global entstehen. 75% aller "FAIRTRADE"-Waren sind biologisch. Gentechnisch veränderte Produkte sind verboten. Der Bio-Anbau gilt als Wunschziel, sofern es sinnvoll ist; nachhaltige, umweltverträgliche Anbaumethoden werden genutzt.

Die Einhaltung der internationalen FAIRTRADE-Standards wird von der unabhängigen Zertifizierungsorganisation FLO-CERT GmbH kontrolliert.

Kritikpunkt Mengenausgleich

Im August 2018 ist Chocolatier Josef Zotter aus Fairtrade ausgestiegen. Er kritisiert den Mengenausgleich, der bei Kakao, Zucker und Fruchtsaft angewendet wird. Das bedeutet, dass für eine einfachere Produktion fair gehandelte Zutaten mit konventionellen gemischt werden dürfen. „Wenn ein Schokoproduzent für zehn Tafeln fairen Kakao kauft und für 90 Tafeln konventionellen, darf er den gesamten Kakao gemeinsam verarbeiten, aber nur zehn Tafeln erhalten das Fairtrade-Logo“, erklärt Fairtrade-Österreich-Chef Hartwig Kirner. Solange die fair eingekaufte Menge mit der gelabelten übereinstimmt, ist alles in Ordnung. Eine Trennung der Zutaten sei zu teuer. „Davon haben jedoch die Bauern nichts“. Auch für Zucker und Fruchtsaft gilt die Mengenbilanz. Anders ist das bei Kaffee, wo tatsächlich nur fair gehandelte Bohnen in der Packung sind.

Fairtrade möchte so viele Bauern wie möglich erreichen. Das geht mit dem Mengenausgleich einfacher, weil die Schokoladenhersteller damit leichter für den fairen Handel zu gewinnen sind. Immerhin müssen die Produzenten  einen maximalen Anteil ihrer Ernte zu Fairtrade Bedingungen verkaufen, damit sich ihr Aufwand lohnt und sich ihre Lebensbedingungen verbessern. Denn je höher dieser Anteil ist, umso mehr profitieren sie von höheren Preisen und Prämienzahlungen.

Sehr hoher Anspruch: EZA

Die EZA Fairer Handel ist Lizennehmerin von Fairtrade, die Produkte sind demnach Fairtrade-zertifiziert und geprüft. Damit sind hohe soziale und ökologische Standards gesichert. Biologischer Anbau ist zwar nicht Pflicht, aber 80 Prozent der EZA-Produkte sind bio. Zusätzlich ist die EZA Gründungs- und extern geprüftes Mitglied der WFTO und orientiert sich als Gesamtunternehmen an deren 10 Prinzipien.

Im Unterschied zu Fairtrade gewährleistet die EZA physische Rückverfolgbarkeit bis zu den Ursprungskooperativen auch bei Kakao und Rohrzucker und verzichtet auf den üblichen Mengenausgleich. Das bedeutet, dass bei der Herstellung beispielsweise von Schokolade die fair gehandelten Rohstoffe strikt getrennt von nicht fair gehandelten Rohstoffen verarbeitet werden.

Rapunzel Hand in Hand

Ebenso hoher Anspruch wie EZA. Biologischer Anbau ist verpflichtend. Physische Nachverfolgbarkeit bei allen Produkten.

Rainforest Alliance: nur mittlerer Anspruch

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Die Rainforest-Alliance-Standards zielen auf etwas ökologischere Bedingungen in der Landwirtschaft und den Schutz des Regenwaldes ab. Die Betonung liegt dabei auf "abzielen", den viele Standards sind Absichtserklärungen. Gentechnisch veränderte Produkte sollen vermieden werden, Pestizide sind beim Bananenanbau nicht vollständig verboten.

Sozialkriterien wie Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, Mindestlöhne, Gewerkschaftsfreiheit, medizinische Versorgung, Arbeitsrechte u.a. werden  berücksichtigt. Sie gehen aber nicht über das Gesetz hinaus. Keine Vorfinanzierungen an Produzenten, keine Mindestabnahmemengen!

Um das Gütesiegel tragen zu dürfen, müssen über 90 Prozent der Inhaltsbestandteile zertifiziert sind. Allerdings reichen auch 30 Prozent, wenn dies durch einen Zusatz klar kommuniziert wird.

Greenpeace hat Rainforest Alliance im Gütezeichen-Guide 2018 als wenig vertrauenswürdig eingestuft. Die Standards seien allesamt sowohl auf sozialer als auch auf ökologischer Ebene viel zu schwach und sie würden Berichten zufolge auch nicht ausreichend vor Ort überprüft.

UTZ Certified: Ab 2019 Fusion mit Rainforest Alliance

Die Zertifizierung umfasst schwache ökologische als auch soziale Kriterien, wie die Einhaltung der nationalen Arbeitsgesetze, den Zugang zu medizinischer Versorgung und Schulbildung. Die Plantagenarbeiter erhalten eine Ausbildung im korrekten Umgang mit Pestiziden. UTZ garantiert keine Preis oder Mindestlöhne. Zu den ökologischen Standards zählt  die Anstrebung eines geringeren Düngemittel- und Pestizid-Einsatzes.

Ab Anfang 2019 wird UTZ Certified mit Rainforest Alliance weiterarbeiten, der Name UTZ Certified wird verschwinden.

WFTO - das Netzwerk für Unternehmen

Die World Fair Trade Organization WFTO ist ein weltweiter Zusammenschluss von mehr als 400 Akteuren aus 70 Ländern, die sich dem fairen Handel widmen. Das sind vor allem Produzenten und Vermarktungsorganisationen aus dem globalen Süden, Importorganisationen und Weltladendachverbände aus dem Norden. Dazu kommen länderspezifische Plattformen. Sie alle bekennen sich zu den von der WFTO definierten zehn Grundprinzipien des fairen Handels:

  • Chancen für wirtschaftlich benachteiligte Produzent/innen schaffen
  • Transparenz und Verantwortlichkeit
  • faire Handelspraktiken
  • Zahlung eines fairen Preises
  • keine Kinderarbeit und Zwangsarbeit sicherstellen
  • Verpflichtung zur Nicht-Diskriminierung, Gleichberechtigung und Vereinigungsfreiheit
  • Gewährleistung guter Arbeitsbedingungen
  • Förderung von Kompetenz / Weiterbildung
  • Förderung des Fairen Handels
  • Sorge um die Umwelt

Das WFTO-System ist derzeit kein Zertifizierungssystem sondern eine Mitgliederorganisation, die Unternehmen und Organisationen anhand dieser zehn Kriterien als Ganzes beurteilt. Die Einhaltung wird durch externe Prüfer kontrolliert.

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