zum Inhalt springen

Raus in den Frühling

Und rein in den naturaktiven Familiengarten! So gestalten wir Gärten, die Kinder „wie von selbst“ nach draußen ziehen.

Ein Kind mit gelben Kleid und roten Stiefeln steht in einem Glashaus neben einem Mann der kniet und mit seiner großen Gießkanne eine kleinere für das Kind anfüllt.
Foto: Getty Images/Unsplash

Die Tage werden länger, die Sonne lockt uns nach draußen und die Natur scharrt schon kräftig in den Startlöchern. Wie auf Kommando lassen Kinder Schulbücher und Handys liegen und stürmen ins Freie. Sie sind der lebendige Beweis für eine allseits bekannte Binsenweisheit, die sich auch in unzähligen wissenschaftlichen Studien bestätigt: Kinder brauchen Natur!

Der Garten als Gesundheits-Booster

So zeigt der aktuelle Forschungsstand: Der unmittelbare, alltägliche Kontakt mit Pflanzen, Tieren und Naturmaterialien fördert die gesunde Entwicklung der Heranwachsenden besonders stark. Naturerfahrung ist keine bloße Freizeitbeschäftigung, sondern ein „Gesundheits-Booster“ für Immunsystem, Motorik, psychische Stabilität und Konzentrationsfähigkeit. Im Zeitalter von TikTok & Co ist dies ein entscheidender Vorteil für Kinder und Jugendliche.

Lasst Natur und Kindern freien Lauf

Wie gestalten wir Gärten so, dass sie Kinder „wie von selbst“ nach draußen ziehen?
Die Lösung ist einfach: Je mehr naturbelassene Bereiche und „wilde Ecken“ vorhanden sind, desto größer ist das Potenzial für freies, kreatives Spiel.
Während vorgefertigte Spielgeräte oft Funktionen diktieren, bietet die Natur „offenes Material“. Wer aus Ästen und Laub eine Hütte baut, erlebt Selbstwirksamkeit: „Ich kann die Welt gestalten!“

Dabei ist es wichtig, Kinder auch „einfach mal machen“ zu lassen. Äste, Steine, Schlamm und alte Schneckenhäuser bieten unendliches Potenzial für spielerische Entdeckungen. Jugendliche brauchen zudem vor allem Rückzugsorte zum ungestörten „Abhängen und Chillen“.

Zwei blonde Kinder stehen in einem Gemüsebeet zwischen hüfthohen Stauden. Sie lachen.
Foto: Getty Images/Unsplash

Rein in den naturaktiven Familiengarten

Aus der Praxis haben sich folgende Gestaltungselemente besonders bewährt:

  • Zonierung für die Kleinsten: Statt ebener Rasenflächen eignen sich Hügel und Mulden zum Klettern und Herumtollen. Dies fördert Koordination und Gleichgewicht.
  • Die Matschzone: Eine Wasserquelle plus Sand oder Erde ist der „Siebte Himmel des naturaktiven, kreativen Spiels“.
  • Essbare Biodiversität: Naschhecken mit Erdbeeren, Himbeeren oder Ribiseln machen die Vielfalt der Natur schmackhaft.
  • Wilde Bereiche: Unaufgeräumte Ecken mit Totholz und Steinhaufen laden zum Experimentieren und Beobachten von Tieren ein. Balancierstämme und Kletterbäume fördern Geschicklichkeit und Risikokompetenz auf natürliche Weise.
  • Rückzugsorte für Jugendliche: Versteckte Nischen geschützt von Wildsträuchern mit Hängematten oder Sitz- und Liegemöbeln bieten Raum für Ruhe und Kommunikation.
  • Die Feuerstelle: Ein archaischer Treffpunkt für alle Generationen. Gemeinsames Stockbrotgrillen und Geschichtenerzählen fördert die soziale Kompetenz, Teamspirit und Eigenverantwortung.

Weniger ist Mehr: Mut zur Lücke

Oftmals ist es auch kontraproduktiv, den Garten perfekt durchzuplanen. Kinder lieben offene „Baustellen“ mit alten Brettern, Ziegeln oder Lehmgruben. Solche Freiflächen sind wahre Paradiese für vergnügliche Lernerfahrungen.

Ein Kind liegt mit einem großen Block zwischen Pflanzen im Garten und zeichnet.
Foto: NATUR · GARTEN · FREISiNN OG

Heimische Wildpflanzen fördern

Ein ganz besonderes Herzensanliegen bei sämtlichen garten- und freiraumgestalterischen Maßnahmen ist dabei die integrative Verwendung heimischer Wildgehölze wie Holunder, Haselnuss, Hainbuche oder Dirndlstrauch. Sie sind robust, attraktiv sowie ökologisch wertvoll und locken Schmetterlinge und Wildbienen an. Außerdem liefern sie begehrtes „Spielmaterial“ und sind angewandter Biologieunterricht direkt vor der Haustür. Weiters empfiehlt es sich, Böden zu entsiegeln und wasserdurchlässige Belege wie Schotterrasen zu fördern.

Endlich Frühling!

Im Frühling verwandelt sich der Garten in ein prächtiges Entdeckerparadies für Kinder, in dem das „Erwachen der Natur“ mit allen Sinnen erlebt werden kann.
Hier sind die spannendsten Dinge, die es jetzt zu tun gibt:

Die ersten Farbtupfer

  • Frühblüher suchen: Kinder können gezielt nach den ersten Blumen Ausschau halten, die sich durch die Erde kämpfen. Besonders auffällig sind Winterlinge, Schneeglöckchen, Krokusse und Narzissen.
  • Blüten-Detektive: An Sträuchern und Bäumen zeigen sich die ersten zarten Knospen und Blüten - etwa bei Schlehen oder Kirschen.
  • Wildkräuter naschen: Im Garten und am Wegrand wachsen frische essbare Schätze wie Gänseblümchen oder Bärlauch. Die jungen Blätter von Löwenzahn, Gundelrebe, Schafgarbe & Co schmecken originell und geben Lebenskraft.

Krabbeln, Summen & Fliegen

  • Insekten-Show: Sobald es wärmer wird, kehrt im Naturgarten das Leben zurück: Die ersten (Wild-)Bienen und Hummeln können beobachtet werden.
  • Vogelgezwitscher & Nestbau: Viele Vögel kehren aus dem Süden zurück, gehen auf Partnersuche und beginnen lautstark mit ihrem Gezwitscher. Es ist eine Freude zuzusehen, wie sie Zweige und Moos für ihre Nester sammeln.
  • Frühlingserwachen: Mit etwas Glück lassen sich Tiere - etwa Igel oder Erdkröten - entdecken, wie sie aus dem Winterschlaf kommen.

Kleine Garten-Abenteuer

  • Beim vorsichtigen Auflockern der Erde kommen oft Regenwürmer zum Vorschein – ein Highlight für kleine Forschergeister.
  • Fundstücke wie leere Schneckenhäuser, besondere Steine oder abgefallene Blüten können gesammelt und zum kreativen Spielen und Basteln oder als Natur-Deko Verwendung finden.
  • Selber gärtnern: Je nach Wetterlage knackiges Gemüse wie Radieschen oder Erbsen einsäen. Sie wachsen im Frühjahr besonders schnell und sind ideal für das kindliche Miterleben des Lebenskreises von der Saat oder Pflanzung bis zur Ernte. Schließlich können die gartenfrischen Leckereien als gesunde Mahlzeit genossen werden!

Selbst aktiv und bewusst werden

Mit dem herzhaften Motto „Learning by Doing!“ möchten wir euch nun einladen selbst aktiv - oder eben auch bewusst „inaktiv“ - zu werden und eure Gärten und Freiräume naturnah weiter zu entwickeln.

Der Frühling steht vor der Tür und eine ausgewählte Ecke eures Gartens kann es schon kaum mehr erwarten voller Freude umgestaltet und „naturaktiv & kreativ bespielt“ zu werden. Beobachtet aufmerksam das Geschehen und geniesst die natürliche Lebensfreude und den unbändigen Einfallsreichtum eurer Kinder!

Ein Paar sitzt in der Abendsonne auf einem niedrigen Randstein im Grünen. Der Mann hat die Haare zusammengebunden und einen Bart, die Frau kinnlange lockige Haare. Sie lächeln in die Kamera.
Foto: Peter Echt | www.peterecht.at

Die Expert*innen

Julia & Martin Konrad Zopf sind selbstständige Landschaftsarchitekten, Garten- und
Freiraumgestalter sowie Eltern dreier Söhne. Sie leben und arbeiten in Wels/OÖ.

NATUR · GARTEN · FREISiNN OG | www.gartenfreisinn.net