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Wo die Hühner was zu lachen haben

„Ich wollt’ ich wär’ ein Bio-Huhn“, würde so manch konventionell gehaltene Henne singen, wenn sie es könnte. Auslauf ins Grüne, artgerechte Haltung, Bio-Futter und eine doppelt so hohe Lebenserwartung machen das Leben eines Bio-Huhnes zum Fest, was sich auch im Geschmack des Fleisches niederschlägt.
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Um groß und schlachtreif zu werden, dazu hat die Bio-Henne doppelt so lange Zeit wie das Huhn aus herkömmlicher Haltung. Elisabeth Kiesl

Erinnern Sie sich an den Film „Das Fest des Huhnes“? Es ist schon einige Jahre her, 1992, als die beißende Satire über unsere TV-Schirme flimmerte und uns „die geheimnisvollen Riten und Gebräuche der alpenländischen Stämme“ aus der Sicht von afrikanischen Forschungsreisenden vor Augen führte: Brathendl essende Menschenmassen bei Zeltfesten irgendwo im „unberührten und rätselhaften Oberösterreich“ war für die afrikanischen Wissenschafter ein rätselhaftes Phänomen, das sie als Götzenverehrung des Huhnes interpretierten.

Doch wie so oft lag auch im ebenso amüsanten wie nachdenklich stimmenden Film von Walter Wippersberg „die Wissenschaft“ weit daneben: Noch heute ist für 99 von 100 in Österreich gemästeten Hühnern ihr kurzes Leben alles andere als ein Fest: „In der konventionellen Bodenhaltung drängen sich im Schnitt 16 Tiere auf einem Quadratmeter Stallfläche“, erklärt Franz Waldenberger, Produktmanager Geflügel, Eier und Getreide bei Bio Austria. Die gesetzlich vorgeschriebene höchste Besatzdichte liegt bei 30 Kilo pro Quadratmeter. Schon aus diesem Grund kann sich das herkömmliche Masthuhn im Stall kaum rühren. Zudem werden überwiegend Rassen gemästet, deren Extremitäten schlecht ausgeprägt sind und auf einen besonders fleischigen Brustbereich gezüchtet worden sind. Waldenberger: „Diese ungünstigen Proportionen machen es dem Huhn fast unmöglich, sich zu bewegen ohne vornüber zu kippen.“ In der herkömmlichen Hühnermast geht es auch nicht darum, den Tieren ihren artgerechten Bewegungsdrang ausleben zu lassen. Vielmehr sollen sich das Huhn in möglichst kurzer Zeit, in der Regel sind dies fünf Wochen, ein Schlachtgewicht von 1,7 Kilo anfressen.

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Um die Gefahr von Krankheitserregern auszuschalten, sollte Hühnchen immer gut durchgegart verzehrt werden – niemals rosafarben. Istockphoto

Dazu werden sie in Futterbahnen automatisch mit Mais, Getreide und Gentechniksoja versorgt. Eiweißreiches Soja für die Hühnermast wächst überwiegend auf riesigen Flächen in den USA, aber auch in Brasilien und Argentinien. Um die enormen Futtermengen zu gewährleisten, die die Tiermast in Europa „verschlingt“, müssen immer mehr wertvolle Regenwälder gerodet werden, da die nährstoffarmen Böden nur begrenzte Zeit für die großflächigen Monokulturen nutzbar sind. Dabei werden auch Kleinbauern von ihrem Land verdrängt und verlieren dadurch ihre Lebensgrundlage.

Lässt sich der Konsument also ein konventionelles Hühnerhaxl schmecken, trägt er - oft ohne den Zusammenhang zu kennen – zum Elend der armen Bevölkerung Südamerikas, zum Verschwinden des Regenwaldes und letztlich zum Klimawandel bei. Dagegen ermöglicht die Bio-Hühnermast umweltschonenden und ethisch einwandfreien Geflügelgenuss, der im Sinne des Tierschutzgedankens ist: Das Bio-Huhn geht an der frischen Luft spazieren – und zwar bei jedem Wetter und kann, wie es seiner Art entspricht, nach Herzenslust in der Erde scharren, nach Körnern, Samen, Regenwürmern picken und Staubbäder nehmen.

Adressen für Bio-Hühner in Ihrer Nähe finden Sie auf www.bio-austria.at/biomaps  

Lesen Sie mehr in der LEBENSART Juli/August 2009

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