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"Wir versorgen den Alltag mit Kultur!

Die engagierte Schauspielerin und Ex-EU-Parlamentarierin Mercedes Echerer schickt mit dem Projekt „EU XXL Film“ europäische Filme per „Wanderkino“ durch Österreich

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Gimpel

Warum ist Kultur wichtig für die Menschen?
Echerer: Schon die Geschichtenerzähler bei den Naturvölkern sind für mich der Beginn einer kulturellen Entwicklung. Für mich ist Kultur ein Ausdruck der eigenen Identität. Man sagt immer „Kunst ist das Brot für die Seele“ – und das stimmt für die ganze Kultur. Der Mensch braucht Kultur wie die Luft zum Leben.

Wie kann Kultur zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen?
Echerer: Für die Nachhaltigkeit tut die Kultur sehr viel. Wenn man versteht, woher man kommt, was einen ausmacht und wohin man gehen will, dann geht das gar nicht ohne Kulturarbeit. Und das mit dem positiven Nebeneffekt, dass auch Geld umgesetzt wird. Hier spreche ich nicht nur von den großen Kulturveranstaltungen, sondern von Kunst im täglichen Umgang. Das Entwerfen eines Weinglases, die künstlerische Gestaltung eines Etiketts… täglich und überall wird Kreativität umgesetzt, auch mit wirtschaftlichem Erfolg. Wir haben die Umwegrentabilität noch nicht wirklich erkannt. Wir reden immer von ‚Kosten’, die Kunst und Kultur verursachen, aber wir sollten lieber von ‚Leistungen’ reden. Daher muss Kulturpolitik mehr sein als nur Subventionspolitik.

Es geht also um Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft, damit die Politik die Rahmenbedingungen schaffen kann?
Echerer:
Das Publikum muss in irgendeiner Weise berührt werden: Die Kultur muss ein Echo haben, kann ja soll sogar auch polarisierend wirken – dann ist die Politik für Maßnahmen eher zu begeistern. Hier gibt es viele Dinge, die von politischer Seite überdacht werden könnten: zum Beispiel die Einkommenssteuer, die in vielen Bereichen für Künstler nicht berufsadäquat ist. Was alternative Finanzierungsmöglichkeiten betrifft, so fehlt etwa eine Bank, die spezialisiert ist auf "Kulturkredite", wie es sie z.B. in Frankreich oder Italien schon lange gibt.

Wird dem Medium Film in Österreich heute mehr Vertrauen als früher entgegen gebracht?
Echerer: Ja, auch der Kinoalltag hat sich ein wenig zu Gunsten heimischer Filme verändert, dennoch wird er zu einseitig von so genannten Markttauglichkeiten bestimmt. Neben prominenten Besetzungen/Casts müsste man sich fragen, wie wir denn unser Publikum sonst noch erreichen können. Es braucht unabhängige Vertriebskanäle,  und die neuen Technologien werden für den heimischen Film so gut wie gar nicht genutzt. Ganz wichtig: Man sollte, vor allem wenn man mit öffentlichen Mitteln budgetiert, für Marketing und Presse genug im Budget haben.

Hier setzt ja Ihr „EU XXL Kulturverein zur Förderung der europäischen Integration“ an.
Echerer: Der Verein ist eine Plattform für die europäischen Filmschaffenden und für die Vermittlung und Verbreitung ihrer Werke. Einmal im Jahr kommen die Vertreter und Vertreter der europäischen Berufsverbände - Regisseure, Kameraleute, Komponisten, Schauspieler, Produzenten – im Rahmen des EU XXL FORUMs zusammen und formulieren ihre Wünsche und Bedürfnisse an die europäische Politik. Wichtig ist eben auch, dass sich das Kreativpotenzial geeint äußert.

Was sind Ihre Erfahrungen beim Projekt „dieReihe“, einer Art Wanderkino des 21. Jahrhunderts?
Echerer: Es gab von Seiten der Gemeinden im ersten Jahr eine Hemmschwelle vor der Vielsprachigkeit und Angst, dass es zu intellektuelle Filme sind. Aber der europäische Film hat ja viel mehr Facetten. Es gibt hier für jeden Geschmack etwas, es ist nur eine Frage, wie man es anlegt. So haben wir ein breites Angebot an Filmen recherchiert. Das Publikum war neugierig und ist zu den Screenings gekommen und hat auch durchaus die Filmauswahl konstruktiv kritisiert. Wir machen hier Alltagsversorgung mit Kultur vor Ort. Am Anfang haben manche Kinobetreiber mit Argus-Augen auf uns geschaut, aber dann gemerkt, dass wir mit „dieReihe“ auch Publikum für den zeitgenössischen Film und ihre Kinos generieren. Wir wollen diese Projektidee des Wanderkinos im nächsten Jahr ausbauen für Kinos – das Interesse ist da.

Und worum geht’s in dem neuen Projekt „KimiK - Kino mit Klasse“?
Echerer: Hier haben wir auf einen Bedarf von Seiten der Schulen reagiert. Eine Projektsäule ist Lehrerfortbildung, weil viele motivierte Lehrer zu wenig Praxis haben, wie sie mit dem Medium Film im Unterricht umgehen können. Wir kennen die optimalen Experten, die dieses Wissen weitergeben können. Die andere Säule ist Kino in der Schule, der Film wird als Unterrichtsinstrument fächerübergreifend eingesetzt, momentan zu zwei Themenbereichen: Migration und Gewalt unter Jugendlichen.

Infos: EU XXL ist eine unabhängige Initiative im Interesse der europäischen Kreativen und wurde 2003 von Mercedes Echerer ins Leben gerufen. www.eu-xxl.at


 

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