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Konsument prüft Stevia-Produkte

Der Verein für Konsumenteninformation hat Stevia-Produkte unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Aufwendige industrielle Herstellung und überraschende Zusätze.

Naturbelassen und kalorienarm: Stevia erfüllt auf den ersten Blick beides. Die Süße stammt aus den Blättern der Steviapflanze und hat nahezu keine Kalorien. Ein genauerer Blick relativiert aber das Werbeargument des „natürlichen Zuckerersatzes“. Denn als Süßungsmittel zugelassen sind nur die Steviolglykoside, die in einem aufwendigen industriellen Vorgang aus der Steviapflanze herausgelöst werden. Dazu kommt, dass Stevia in Pulver- oder Tablettenform häufig auch Konservierungsmittel, Stabilisatoren oder Trennmittel enthält. Die Auslobungen auf den Produkten suggerieren daher eine Natürlichkeit, die nicht den Tatsachen entspricht. Dazu kommt, das Steviolglykoside oft weit gereist sind. Sie werden unter hohem Energieaufwand derzeit vorrangig in China hergestellt.


Ein Produkt als natürlich zu verkaufen, das mit großem technologischem Aufwand hergestellt wird, ist an sich schon überraschend. Erstaunlich ist aber auch, dass in ,Stevia‘-Produkten sehr oft andere Stoffe – darunter auch Zucker – für Süße sorgen. Bei 12 von 36 untersuchten Produkten fanden die Tester weitere Süßungsmittel – am häufigsten den Zuckeralkohol Erythrit. In zehn Produkten war Zucker enthalten – meist in Form von Fruchtzucker, Apfelsaft oder Apfelsüße. Produkte, die diesen Süßstoff enthalten, können daher auch wesentlich mehr Kalorien enthalten, als angenommen. Hier lohnt sich also ein kritischer Blick auf die Zutatenliste.

Fazit: Stevia ist bei weitem nicht so natürlich wie in der Werbung angepriesen, sprich: Es ist kein natürlicher Zusatzstoff. Allerdings sind Steviolglykoside nicht besser oder schlechter als andere Süßstoffe. Sie sollten aber in Maßen genossen werden, denn zu den Auswirkungen einer chronischen Überdosierung des Süßstoffes gibt es noch keine Studien.

Überraschende Zusätze
Stevia in Pulver- oder Tablettenform enthält häufig zusätzlich Konservierungsmittel wie Kaliumsorbat oder Sorbinsäure, Stabilisatoren wie Alkohol oder Trennmittel in Form von Siliciumdioxid. Generell ist auffällig, dass sehr viele Produkte diverse Ballaststoffe wie Inulin, Oligofruktose oder Maltodextrin zugesetzt haben, um das fehlende Volumen auszugleichen. „Oftmals werden aus technologischen oder geschmacklichen Gründen auch andere Süßstoffe, Zucker oder Zuckeraustauschstoffe beigemengt“, erläutert VKI-Ernährungswissenschafterin Katrin Mittl. „Steviolglykoside haben keine konservierenden Eigenschaften und es fehlt ihnen an Volumen. Der reine Süßstoff ist daher zum Einkochen bzw. Backen nur bedingt geeignet.“


Auch für Diabetiker sind Steviolglykoside nur bedingt geeignet. Zwar werden diese insulinunabhängig verstoffwechselt und sind daher eine Alternative bei Typ-1-Diabetes. Bei Typ-2-Diabetes und auch generell gilt: Kuchen und Süßigkeiten nur in geringen Mengen verzehren, unabhängig davon, ob in ihnen Stevia ein anderer Süßstoff oder Haushaltszucker steckt. Beim Konsumenten darf nicht der Eindruck entstehen, dass derartige Lebensmittel unbedenklich konsumiert werden können, nur weil sie mit
Steviolglycosiden gesüßt sind.

Stevia im Geschmackstest
Im Geschmackstest konnten sich mit Steviolglykosiden gesüßte Produkte im Vergleich zu mit Zucker und anderen Süßungsmitteln gesüßten Produkten nur schwer behaupten. Verkostet wurden u.a. Ketchup, Fruchtjoghurt, Vanilleeis und Milchschokolade. Lediglich ein Joghurt kam bei den Testern besser an als die gezuckerte Konkurrenz. Schokolade mit Steviolglykosiden erzielte im Vergleich das schlechteste Ergebnis.

Quelle und Infos: www.konsument.at

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