zum Inhalt springen

Sich wohl fühlen und besser schlafen mit natürlicher Unterstützung: hilft 5-HTP dabei?

5-HTP, eine Vorstufe des Neurotransmitters Serotonin, ist als Nahrungsergänzungsmittel in Kapselform in vielen Ländern rezeptfrei erhältlich. Es soll auf natürliche Weise den Schlaf fördern, stimmungsaufhellend und angstlösend wirken und den Appetit senken - so viel wird jedenfalls versprochen. Stellt 5-HTP aber tatsächlich eine natürliche Alternative zu Schlafmitteln und Antidepressiva dar? Im Folgenden ein Faktencheck.
- entgeltliche Einschaltung -

Was ist 5-HTP?

5-HTP, oder genauer L-5-Hydroxytryptophan, ist eine Zwischenstufe in der Biosynthese von Serotonin. Es entsteht durch Hydroxylierung aus der essentiellen Aminosäure L-Tryptophan und wird durch Decarboxylierung zu Serotonin umgewandelt. Essentielle Aminosäuren kann der Körper nicht selbst herstellen, sie müssen mit der Nahrung zugeführt werden. Ohne ausreichende Aufnahme von L-Tryptophan kann folglich auch nicht genügend Serotonin gebildet werden.

L-Tryptophan ist in vielen gängigen Nahrungsmitteln enthalten. In höherer Menge findet es sich beispielsweise in Sojabohnen, Cashew-Kernen, Haferflocken, Reis, Bananen und auch in Schokolade. Bei Einhaltung einer ausgewogenen Ernährungsweise sollte im Normalfall also kein Mangel entstehen. Der Tagesbedarf an Tryptophan ist jedoch individuell recht unterschiedlich: Aktuelle Empfehlungen gehen von 3,5 bis 6 mg Tryptophan pro Kilogramm Körpergewicht für gesunde Erwachsene aus.

Als Nahrungsergänzungsmittel erhältliches 5-HTP in Kapselform wird aus den Samen der afrikanischen Schwarzbohne (Griffonia simplicifolia) gewonnen und ist in unterschiedlichen Dosierungen - häufig 400 mg - erhältlich. Weiterführende Informationen zu 5 HTP hier.


Wie wirkt 5-HTP?

Serotonin als Syntheseprodukt von L-5-Hydroxytryptophan hat als Gewebshormon und Neurotransmitter vielfältige Funktionen im Körper zu erfüllen: Im Zentralnervensystem zeigt es unter anderem eine ausgeprägte Wirkung auf die Stimmungslage, es beeinflusst den Appetit und über die Konvertierung zu Melatonin die Synchronisierung des körpereigenen Wach- und Schlafrhythmus. Ursache für die zahlreichen, teils gegensätzlichen Wirkungen sind mehrere Unterarten von 5-HT-Rezeptoren, die je nach Lokalisation und Konzentration des zirkulierenden Serotonins organspezifische Signaltransduktionswege induzieren.

Über die Rezeptoren im Zentralnervensystem wirkt Serotonin dämpfend auf Aggressivität, Angstgefühle, Traurigkeit und Hunger und steigert Gelassenheit und innere Ruhe. Serotoninmangel kann sich folglich durch aggressives Verhalten, Impulsivität, eine depressive Stimmungslage oder häufige Stimmungswechsel äußern.

Besteht tatsächlich ein Mangel an Serotonin, der auf ungenügender Zufuhr von L-Tryptophan beruht, lässt sich dieser mit der Einnahme von 5-HTP beheben. Im Körper entfällt dann einfach der Zwischenschritt der Umwandlung von L-Tryptophan in L-5-Hydroxytryptophan. Die Serotoninsynthese erfolgt daher direkt und der Wirkungseintritt rascher als über den Umweg der Nahrungsmittelzufuhr. Aus diesem Grund wurde 5-HTP bis in die 1980er-Jahre zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Erst mit der Entwicklung der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Anfang der 1990er-Jahre wurde der therapeutische Einsatz von 5-HTP obsolet.


5-HTP in Kapselform: Wer profitiert von der Einnahme, wer nicht?

Vorab: Zur Behandlung klinisch manifester affektiver und/oder depressiver Störungen eignet sich 5-HTP nicht. Von einer eigenmächtigen Einnahme während einer solchen Erkrankung ist sogar dringend abzuraten, da es zu Wechselwirkungen mit gleichzeitig eingenommenen Psychopharmaka kommen kann. Insbesondere mit den oben erwähnten SSRI ist eine Wirkverstärkung bis zum gefürchteten Serotoninsyndrom denkbar.

Ganz anders sieht es aus, wenn es sich um eine leichte depressive Verstimmung handelt: Auslöser dafür ist oftmals beruflicher oder privater Stress. Es kommt dann gehäuft zu Situationen, in denen man sich aus Zeitmangel oder Überforderung nicht besonders ausgewogen ernähren kann. Mögliche Folgen sind Migräneattacken, Müdigkeit, Lustlosigkeit, Heißhunger oder emotionale Labilität durch ernährungsbedingten Serotoninmangel. Diese Folgen lassen sich bei rechtzeitiger und ausreichender Aufnahme von 5-HTP reduzieren oder gänzlich vermeiden, weil der Körper den Mangel an durch die Nahrung zugeführtem L-Tryptophan auf diese Weise rasch ausgleichen kann.

Und schließlich erscheint auch die postulierte unterstützende Wirkung bei der Schlafförderung und beim Abnehmen aufgrund der relaxierenden und appetithemmenden Eigenschaften von Serotonin durchaus plausibel. Fazit: Eine zeitlich begrenzte Einnahme von 5-HTP unter Einhaltung der empfohlenen Dosierungen kann eine gute Option zur Vermeidung eines Serotoninmangels in stressreichen Zeiten darstellen.

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen