zum Inhalt springen

Rückkehr aufs Land

Das Landleben ist voller Klischees. Reines Wasser, hohe Berge, tiefe Wälder, Ursprünglichkeit. Doch das Leben auf dem Land muss man sich leisten können. Die Jobsituation ist ausschlaggebend, ob Menschen am Land wohnen bleiben oder sich dort neu ansiedeln.

badausseemichael
Privat

Nicht nur bei Erholungssuchenden und Urlaubern sind Orte mit Lebensqualität gefragt. Auch jene schätzen diese Form der Lebensqualität, die sich einen Lebensmittelpunkt schaffen und niederlassen wollen. So setzen die so genannten strukturschwachen Räume auf den Tourismus als Motor, vergessen aber dabei auf die dauerhaften Bewohner ihrer Region. Diese benötigen Jobs, die ihren Ausbildungen entsprechend bezahlt werden, um zu bleiben. Ob sich jemand dazu entscheidet, in den ländlichen Raum hin von der Stadt weg abzuwandern, scheint im Ausseerland - wie auch anderswo - tiefere Gründe zu haben.

Die Natur macht es aus!
Viele der heute um die Dreißigjährigen schätzen das Ausseerland wegen seines Freizeit- und Wohnwertes. Auch wenn man für das Studium gezwungen war in die Stadt zu ziehen, lieber hätte man die Universität vor der Haustüre und das urbane Angebot im Doppelpack dazu gehabt.
Der tatsächliche Entschluss aus dem fernen „Ausland“ zurück zu kommen, fällt dann mit dem Jobangebot in der Region. Notfalls ist man sogar bereit, mehrere Jahre auf ein solches zu warten. Auf die Frage nach den Gründen, warum es ausgerechnet zurück nach Aussee geht, erhält man prompt: „Warum bist denn DU hier?!“ Hier zu leben muss nicht erklärt werden. Es ist einfach so. Martyn van den Hoek, gebürtiger Holländer, Pianist und Leiter der „Musik Zentral“ für Nachwuchsmusiker in Bad Aussee bringt es auf den Punkt: „Diese Region beinhaltet alles, was man sich unter Österreich vorstellt. Sie ist eine Art Österreich-Minimundus.“ Auch die Rückwanderer bestätigen, dass trotz vieler Jahre im Ausland ein Heimkommen leicht fällt. „Hier ist es wie in Neuseeland, es ist alles vertraut, die Freunde sind hier. Ich habe die Welt gesehen, das reicht.“, sagt einer, der jahrelang in Südamerika und Neuseeland gearbeitet hatte. Heute leitet er erfolgreich eine Skischule am Loser. Und auch die Redakteurin, die es hierher verschlagen hat, erlebt es ähnlich. „Es gibt hier Gegenden, da glaubt man sich in British Columbia, kein Scherz!“

wohofskyfranz
Ein Rückkehrer: Franz leitet heute eine Skischule. „Ausseerland ist wie Neuseeland“. Wohofsky

Ohne Job ist auch der schönste Flecken Erde nichts wert.
Wie labil und vernetzt das Thema Abwanderung und Neuansiedelung ist, zeigt sich durch die Wirtschaftskrise. Regionen, die sich einseitig entwickelt haben, verlieren Arbeitsplätze und Märkte. Was zu groß ist, funktioniert nicht, hat schon Leopold Kohr, der österreichische Vordenker gegen Globalisierung gesagt. In manchen Clusterregionen wird es bis 2030 einen bis zu 30prozentigen Bevölkerungsrückgang geben. Besonders betroffen sind die Bezirke Murau, Leoben, Judenburg, Mürzzuschlag, Horn, Zwettl und Wolfsberg. Und regionalen Entscheidern ist kaum bewusst, dass mit den Menschen auch Wissen aus der Region abfließt. Dieses Wissen ist für immer verloren. Alles, was gut ist, findet man in der Stadt. Gute Schulen, gute Kulturangebote, gute Arbeitsplätze. Fürs Land bleibt da wenig übrig. Die Planungswissenschaften verstärken eine solche Aufteilung von guten und weniger guten Lebensräumen. Zuerst wird der städtische Raum betrachtet, danach der ländliche.

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen