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Phantasie wird aus Langeweile geboren

Editorial von Annemarie Herzog

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Herfert

„Ball spielen verboten“ steht auf dem Schild vor unserem Wohnhaus, „die Ruhezeiten zwischen 12 und 14 Uhr einhalten“ auf der Hausordnung. „Brav sein“ ist angesagt, ruhig in der Wohnung sitzen und lernen - oder fernsehen und Computer spielen, denn das verursacht auch keinen Lärm. Was gar nicht geht, sind laut herumtollende Kinder, die Bälle werfen und den Rasen zertreten. Natürlich gibt es in unserer Anlage einen Spielplatz. Knapp und eingezäunt, für acht Wohnbauten. Ein Hügel ist dort aufgeschüttet, die Kleinsten schaukeln oder spielen im Sand. Dem ungestümen Bewegungsdrang heranwachsender Schulkinder ist er nicht gewachsen.

Es ist ein bewegungsfeindliches Umfeld, das wir für unsere Kinder schaffen. Dabei wissen wir es doch besser. Seit Jahren warnen Ärzte davor, dass „ruhiggestellte“ Kinder häufig dick und krank werden. Eine tägliche Turnstunde ist da bestenfalls ein Anfang, das zeitlose Spiel im Freien, kann sie nicht ersetzen. Warum Bewegung so wichtig ist und wie sie richtig Freude macht, lesen Sie in der Coverstory dieser Ausgabe.

Draußen, beim Spielen und Tollen, da sind keine Lehrer oder Eltern, die sagen, was als nächstes zu tun sei. Man muss sich schon selbst etwas einfallen lassen. Braucht man Mitspieler, muss man diese mit guten Argumenten dafür begeistern. Da ist Phantasie gefragt. Dieses selbst Nachdenken ist der erste Schritt zu den Quellen der eigenen Kreativität. Kinder, die immer beschäftigt werden, lernen nicht, sich selbst zu beschäftigen. Bleibt einmal Zeit, wissen sie nichts damit anzufangen. „Mir ist fad“ ist dann der Satz, der Eltern motiviert, für Entertainment zu sorgen. Wir – und unsere Kinder – sind es nicht mehr gewohnt, Langeweile auszuhalten. Dabei ist es gerade die Langeweile, aus der Kreativität geboren wird.

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