zum Inhalt springen

Jugend ernüchtert vom Arabischen Frühling

Burson-Marsteller-Studie: 73 Prozent der arabischen Jugend sehen im Aufstieg des Islamischen Staates (IS) die größte Herausforderung für ihre Region.

fotolia_aldo_murillo______jugendlicher
Fotolia/Aldo Murillo

Vier Jahre nach dem Arabischen Frühling hat sich die Stimmung unter arabischen Jugendlichen vom Maghreb bis an den Persischen Golf deutlich verschlechtert. Das zeigt eine Studie von ASDA’A Burson-Marsteller, für die 3.500 Jugendliche in 16 arabischen Ländern befragt wurden:

Für drei von vier befragten Jugendlichen wird der zunehmende Einfluss des IS als zentrale Herausforderung für die Region angesehen. Zudem glaubt nicht einmal die Hälfte (47 Prozent) der 18- bis 24-Jährigen, dass ihre jeweiligen nationalen Regierungen bereits heute die richtigen Antworten auf den IS-Terror gefunden haben.

Zum vierten Mal in Folge sinkt unter arabischen Jugendlichen die Zuversicht, dass der Arabische Frühling die Region noch positiv beeinflussen wird. Laut der ASDA’A Burson-Marsteller Studie glauben mittlerweile nur noch 38 Prozent der arabischen Jugendlichen an eine solche Entwicklung. Im vergangenen Jahr waren es 54 Prozent,  im Jahr 2012 sogar noch 72 Prozent.

Folglich bezweifeln inzwischen 39 Prozent der befragten Jugendlichen, ob Demokratie im Nahen Osten überhaupt jemals möglich sein wird. Nur noch 36 Prozent der befragten arabischen Jugendlichen glauben daran, dass Demokratie in ihrer Region funktionieren kann. Nur 15 Prozent der Jugendlichen sieht in dem Demokratiedefizit ihrer Region allerdings ein Problem. Mit dieser Aussage kristallisiert sich der Meinungswandel der vergangenen Jahre vielleicht am deutlichsten heraus, war doch „Leben in einer Demokratie" der größte Wunsch von 92 Prozent der befragten jungen Araber im Jahre 2011.

Eine Hauptsorge der 18- bis 24-Jährigen bleibt auch in diesem Jahr die Angst vor dem  Verlust ihres Arbeitsplatzes (81 Prozent). Daher sind viele junge Araber dazu bereit (39 Prozent), in den nächsten fünf Jahren ein eigenes Unternehmen zu gründen. Auf die Frage, wie die nationalen Regierungen junge Unternehmer stärker fördern sollten, antwortete ein Drittel (32 Prozent), dass Kredite stärker begünstigt werden sollten. Daneben nannten 26 Prozent der arabischen Jugendlichen bessere Trainings und Ausbildungen neben weniger bürokratischen Hürden und Regulierung (19 Prozent).

Die Jugendlichen wollen in den Vereinigten Arabischen Emiraten leben

Insgesamt betrachtet schauen die arabischen Jugendlichen, ungeachtet der zahlreichen Hindernisse in ihrer Region, vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Demnach glauben 57 Prozent der Befragten, dass sich ihr Land auf dem richtigen Weg befindet. Diese positive Einstellung gegenüber der Region zeigt sich auch bei der Frage, in welchem Land der Welt die jungen Araber gerne leben möchten. Zum vierten Mal in Folge wählten die Jugendlichen die Vereinigten Arabischen Emirate. Damit liegen die VAE an der Spitze von 20 weiteren Ländern – unter Ihnen auch die USA, Deutschland und Kanada. Auch bei der Frage, welches Land eine Vorbildfunktion für das eigene Land einnehmen könnte, antworten 22 Prozent der Jugendlichen mit den VAE und weisen damit die USA (15 Prozent), Deutschland (11 Prozent), Kanada (8 Prozent) und Frankreich (8 Prozent) auf die Plätze.

Arabische Sprache zentral für Identität

Die arabische Sprache ist für drei von vier Jugendlichen (73 Prozent) zentral für ihre Identität, daher zeigt sich beinahe die Hälfte der Jugendlichen besorgt darüber (47 Prozent), dass Arabisch an Wert verliert. 36 Prozent der Befragten sprechen bereits heute im Alltag öfter Englisch als Arabisch. „Viele junge Menschen in der arabischen Welt wandeln heute selbstverständlich zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen“, kommentiert Alexander Fink, CEO von Burson-Marsteller Deutschland. „Unterstützt wird diese Entwicklung  auch  durch die moderne Nutzung von Nachrichten über Online- und Soziale Medien“.

Die Studie

Das Meinungsforschungsinstitut Penn Schoen Berland (PSB) führte vom 20. Januar bis zum 12. Februar 2015 in 16 arabischen Ländern mit Männern und Frauen ausschließlich arabischer Herkunft im Alter von 18 bis 24 Jahren 3.500 persönliche Interviews durch. Die Arab Youth Survey ist eine jährliche Initiative von ASDA’A Burson-Marsteller. „Die siebte Jugendstudie in Folge wurde entwickelt, um sowohl Regierungen als auch dem Privatsektor verlässliche Daten und Einblicke in die Einstellungen und Hoffnungen von 200 Millionen arabischen Jugendlichen für politische und wirtschaftliche Entscheidungen zu geben“, bestätigt Jeremy Galbraith, CEO von Burson-Marsteller Europe, Middle East and Africa.

Die detaillierten Ergebnisse des 7. jährlichen ASDA’A Burson-Marsteller Arab Youth Survey, sowie die Highlights der Umfrage und ein White Paper in arabischer und englischer Sprache, sind verfügbar unter arabyouthsurvey.com.

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen