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Arbeitslosigkeit raubt Zukunft

Jugendliche zwischen Streben und Scheitern. Editorial  von Annemarie Herzog

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Ich bin Mutter zweier Halbwüchsiger. Ich kenne die frühkindlichen Trotzphasen, die unberechenbaren Strudel der Pubertät, ersten Liebeskummer und massive Entwicklungskrisen auf der Suche nach dem eigenen Leben. Ebenso sind mir die wunderbaren Momente vertraut, in denen ich stolz vor diesen gelungenen Schöpfungen der Natur stehe und darüber staune, wie sie zu so klugen Menschen heranwachsen, aber auch jene, wo ich über die Vehemenz, mit der sie eigene Wege vertreten, weniger glücklich bin. „Erwachsen“, wie sie sind, haben sie für mütterliche Ratschläge bestenfalls ein mitleidiges Lächeln. Aufgewachsen im Bewusstsein, dass alles machbar ist, und die einzige Herausforderung darin liegt, der eigenen Berufung auf die Spur zu kommen und ihr zu folgen, können sie den Retrogedanken ihrer Ernährerin zu „sinnvoller Bildung“ oder „Berufe mit Zukunft“ wenig abgewinnen.

Jede Generation wirkt im Bestreben, es besser zu machen, als die davor. So unterstützen und fördern wir unsere Kinder, bieten ihnen alles, was in unseren Möglichkeiten steht. Hörten wir von unseren Eltern noch „Solange du deine Füße unter meinen Tisch streckst, tust du was ich sage“, bilden wir uns zu halben Psychologen aus, um nicht einen Knacks in den empfindlichen Kinderseelen zu hinterlassen.

Und dann kommt der Moment, in dem unsere Kücken die ersten Flüge aus dem warmen elterlichen Nest wagen, sich aufmachen, um eine Lehrstelle zu suchen oder den begehrten Studienplatz an der Uni zu ergattern: Waren sie bisher noch relativ erfolgsverwöhnt, so sind die jetzt erstmals mit Ablehnung konfrontiert: Hunderte Anmeldungen an der Fachhochschule, keine freie Lehrstelle, keine Antwort auf die zig Bewerbungsschreiben „Ich bin doch nicht dumm, warum gelingt mir das nicht?“ Auf diese verzweifelte Frage des Kindes wissen auch wir keine Antwort.

Kein Job bedeut kein Geld, keine eigene Wohnung – und schon gar nicht den Standard, den die meisten Jugendlichen vom Elternhaus her gewöhnt sind. Im Nest wird’s ordentlich eng, wenn dann potentielle Schwiegersöhne und -töchter auch noch ihre Beine unter den gemeinsamen Tisch strecken.

Arbeitslosigkeit raubt Zukunft – die Zukunft unserer Kinder aber auch die der Eltern. Es müssen die wichtigsten Voraussetzungen für junge Menschen geschaffen werden, damit sie ihren Platz in der Gesellschaft  finden.

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