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Hausarrest im Hühnerstall

"Kommt ein Vogel geflogen..." zählte in den letzten Wochen nicht unbedingt zu den Lieblingsliedern der europäischen Massen-Geflügel-Halter. Die Vogelgrippe schwebte bedrohlich über ihren Anlagen und hätte beinahe das große Geschäft mit den Käfigeiern zum Platzen gebracht.
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Auf die potentielle Gefahr einer Epidemie hatten die Niederlande und Deutschland wie aufgescheuchte Hühner reagiert und stehen nun ziemlich zerrupft vor der Agrarwelt da. Hausarrest für das gesamte Federvieh, also auch für Freilandhennen und Bio-Freilandhennen, hieß das Allheilmittel gegen das gefiederte Unheil von oben.

Ein brachiales Krisenmanagement, dem der Vorarlberger Veterinärdirektor Dr. Erik Schmid von Anfang an nichts abgewinnen konnte: "Ein Quarantänenerlass ist hier übertrieben und auch gar nicht wirksam. Zugvögel suchen sich für ihre Rast und Futteraufnahme ruhige Plätze und keine Freilandgehege aus. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass ein müder Zugvogel sich mit hundert Hühnern ums Fressen streiten möchte. Weitaus gefährlicher ist hier eine Virusübertragung über die Luft. Wenn beispielsweise Kot von Zugvögeln auftrocknet und so der Virus über die Luft in die Ställe übertragen wird. In diesem Fall ist eine Quarantäne keine geeignete Maßnahme, denn Hühnerställe sind nun einmal nicht luftdicht verschlossen. Viel wichtiger ist, dass wir die Massentierhaltung kritisch hinterfragen - viele Epidemien sind ein Erscheinungsbild der Massentierhaltung." 

So mancher agrarpolitische Beobachter sah in diesen voreiligen Quarantäne-Erlässen ein trauriges Eingeständnis an die industriellen Massentierhalter - den Freilandhühnern sollte schleunigst ein Riegel vorgeschoben werden, damit Käfighalter ungehindert durch die Hintertür eintreten können. Ja, um ein Haar - oder besser gesagt um eine Feder - hätten Frau Künast und die deutschen Freilandhühner einen rabenschwarzen Tag erwischt. Am 1. September kam schließlich die vorläufige Entwarnung und das große Aufgackern: Kein Haftbefehl für niederländische und deutsche Freilandhennen!


Ausgabe 9/2005.

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