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Europäische Pflanzen besiedeln andere Kontinente

Immer mehr Pflanzenarten werden durch den globalen Handel in neue Gebiete eingeschleppt. Welche Bedingungen braucht es, damit sich Pflanzen aus Europa auf anderen Kontinenten auch dauerhaft ansiedeln? Dies zeigt nun erstmals ein internationales Forschungsteam.

Mehrere Studien aus den letzten Jahren haben gezeigt, dass die Ausbreitung von Tier- und Pflanzenarten durch den globalen Handel in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen hat. So sind bis heute weltweit über 13.000 Pflanzenarten vom Menschen in andere Regionen verbracht worden, davon stammen immerhin über 2.500 aus Europa. Zum Vergleich: In ganz Europa sind nur etwa 12.000 Pflanzenarten heimisch, in Österreich sind es etwa 3.000 Spezies.
 
"Wir haben zum ersten Mal umfassend die Rolle der Bindung von Pflanzen an unterschiedliche Lebensräume im Heimatgebiet für ihre Ausbreitung untersucht. Unsere Hypothese war, dass dieser Faktor entscheidend für die Verbringung von Pflanzenarten ist", erklärt Franz Essl von der Universität Wien. Das internationale Forscherteam hat das Vorkommen für alle aus Europa stammenden über 2.500 Pflanzenarten, die bislang auf andere Kontinente verschleppt wurden, in verschiedenen Lebensräumen dokumentiert. In der Folge untersuchten sie, ob die Ausbreitung in anderen Kontinenten für Pflanzenarten bestimmter Lebensräume besonders stark war.
 
Das Ergebnis der Studie war eindeutig. Jene Arten, die in Europa in stark vom Menschen veränderten Lebensräumen wie Äckern, Brachflächen und "Gstätten" in Städten vorkommen, waren äußerst erfolgreich bei der Eroberung anderer Kontinente. Mehr als 40 Prozent der in Europa in diesen Lebensräumen vorkommenden Pflanzenarten sind mittlerweile auf andere Kontinente verschleppt worden.
 
"Im Zuge der Kolonialisierung anderer Erdteile haben Europäer viele Pflanzen in andere Erdteile 'exportiert'. Dies geschah oft unabsichtlich – etwa mit verunreinigtem Saatgut", erläutert Franz Essl. Und er ergänzt: "Pflanzenarten, die in Europa schon in vom Menschen veränderten Lebensräumen heimisch waren, hatten dabei einen Startvorteil: Sie wurden öfters verschleppt und fanden in den neu zu besiedelnden Regionen ideale Lebensbedingungen vor". Diese Studie zeigt, dass die biologische Globalisierung manche Pflanzenarten besonders begünstigt – nämlich solche, die es geschafft haben, vom Menschen geschaffene Lebensräume zu erobern.
 
Publikation in "Proceedings of the National Academy of Sciences":
Kalusova V, Chytry M, van Kleunen M, Mucina L, Dawson W, Essl F, Kreft H, Pergl J, Weigelt P, Winter M, Pyšek P (2017) "Naturalization of European plants on other continents: the role of donor habitats". Proceedings of the National Academy of Sciences.




 

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