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Brot statt Benzin

Ethanol gilt als umweltfreundlicher Kraftstoff. Doch seine Herstellung aus Getreide steht zunehmend in Konkurrenz mit der Produktion von Lebensmitteln.

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Herzog

Ist es moralisch vertretbar, Getreide in den Tank zu füllen, solange Menschen hungern?

Bereits 2003 hat die EU eine Richtlinie erlassen, wonach Kraftstoffe mit einer Ethanolbeimischung angeboten werden können. Die Idee klang faszinierend: Man nehme die Getreideüberschüsse, verwandle sie in Sprit und reduziere damit die Abhängigkeit vom Öl, bei gleichzeitig besserer CO2-Bilanz. Anfang 2007 wurde nun von der EU die Vorgabe von 10 % Biokraftstoffen bis 2020 als verbindliches Ziel formuliert.

Nach den Plänen von Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich sollte die Richtlinie einer zehnprozentigen Beimischung von Bioethanol zu Benzin bis 1. Oktober 2012 in Österreich umgesetzt werden. Dieser Termin wird anhand der aktuellen Situation wohl kaum zu halten sein.

Denn mittlerweile sind die weltweiten Getreidespeicher nicht mehr randvoll. Zudem haben Missernten und Börsenspekulationen den Getreidepreis in den letzten Jahren stark in die Höhe getrieben. Damit wird es für Menschen in ärmeren Ländern schwieriger, ausreichend Lebensmittel zu kaufen. Auch die Ethanolherstellung selbst wird durch die hohen Getreidepreise wirtschaftlich unrentabel.

Zudem formiert sich in Österreich breiter Widerstand dagegen, ein Nahrungsmittel – vor allem in Zeiten der Knappheit - zu Sprit zu verarbeiten. Greenpeace fordert Minister Berlakovich dringend auf, die geplante Erhöhung auf Eis zu legen. Stattdessen plädiert die Umweltschutzorganisation für eine flexible Beimischung, die von der weltweiten Getreideernte abhängig ist.


 

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