zum Inhalt springen

Ausverkauf von Leben

Etwa 1,4 Milliarden Menschen leben davon, von ihrer Ernte Saatgut für die nächste Aussaat zurück zu behalten. So war es schon immer in vielen indigenen Kulturen Asiens, Afrikas oder Südamerikas.

mais1
Hochgezüchtetes Saatgut ist steril und kann nicht fürs nächste Jahr aufbewahrt und wieder ausgesät werden: es trägt keine Frucht mehr. Begsteiger

Wenn nun ein Konzern auf fernem Kontinent das Saatgut verändert, so kann er die ursprüngliche Saat des kleinen Dorfverbandes patentieren lassen. Der Konzern erhält damit das ausschließliche Recht auf jegliche Form der wirtschaftlichen Nutzung. So geschehen mit dem Basmatireis, der ?Königin der Düfte? aus den Himalaya-Regionen. Die amerikanische Firma RiceTec hatte 22 indische Basmatireissorten mit amerikanischem Langkornreis eingekreuzt und erhielt 1997 mehrere Patente auf Basmati ?american style?, die die Firma auch zu weiteren Kreuzungen mit den 22 Himalayasorten berechtigte. Nach heftigen Protesten indischer Bauern mit Unterstützung der Navdanya Stiftung und der indischen Regierung wurden die Patente wieder aufgehoben. In Thailand fordern Reisbauern gemeinsam mit zahlreichen NGO´s (Nicht-Regierungs-Organisationen) den Schutz des berühmten Jasminreis, dem Duftreis Hom Malí, der weißen Blüte. In einem Forschungszentrum in Florida arbeitet der Wissenschaftler Chris Deren daran diese erlesene Sorte an kühlere, amerikanische Verhältnisse anzupassen. Würde das in aller Konsequenz durchgehen, so wäre das ein harter Schlag für die Thailändische Wirtschaft, insbesondere aber für die Kleinbäuerinnen und ?bauern, die aus dem Export des Jasminreis oft ihren einzigen Unterhalt beziehen.

 

Tödliche Abhängigkeiten

Eine Strategie der Agrochemiekonzerne ist es, Kleinbauern des Südens von ihrer Saat abhängig zu machen, indem sie die heimischen Saatgutproduzenten aufkaufen sowie Test-Pakete an Bauern vergeben und ihnen vom kommenden Reichtum durch den Anbau von Gensaat preisen. Wie nachhaltig schädlich sich solche Strategien auswirken, zeigen die seit 1998 gezählten 40.000 Selbstmorde unter Indiens Bauern. Landwirte kaufen teures Saatgut, dazu müssen sie Pestizide und Düngemittel erwerben. Bei schlechter Ernte oder Preisverfall sinken auch die Einnahmen der Bauern rapide und dennoch müssen sie wieder neues Saatgut kaufen, da die Saat steril ist, Hybride, die keine Frucht mehr tragen werden.

Lesen Sie mehr in der Lebensart September 2006

 

shiva
Die indische Physikerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises Vandana Shiva sitzt sich gegen Gentechnik und Patentierung von Saatgut und für die Erhaltung biologischer Vielfalt und indigener Ackerbautraditionen ein Shiva
eis
futureimagebank

Was macht der Dorsch im Speiseeis?

Die Nordamerikanische Aalmutter hat ein Gefrierschutzprotein im Blut, das die Temperatur, bei der sich Eiskristalle bilden, herabsetzt und deren Form verändert. Findige Wissenschaftler von Unilever setzen jetzt dieses Fischprotein bei der Eiserzeugung ein, wo seine Anti-Gefrierwirkung dazu genützt wird, die cremige Konsistenz mit halb so wenig Fett zu erreichen.

Also aalschlank ganz ohne Risiko? Immerhin handelt es sich um ein völlig neues Protein, von einem synthetischen Gen kodiert. Wie zu erwarten wurden in den dem Antrag auf Zulassung beigelegten Risikotests keine negativen Wirkungen festgestellt, weder in den herkömmlichen Allergietests noch im Fütterungsversuch mit Laborratten. Kritische Wissenschaftler weisen aber darauf hin, dass die Gefahr chronischer Langzeitwirkungen nicht ausgeräumt ist.

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen