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Auf der Alm gibt es doch a Sünd‘

Eine Urlauberin war in Tirol mit ihrem Hund auf einem Wanderweg unterwegs. Aufgeschreckte Kühe haben die Frau zu Tode ge­trampelt. Der Bauer soll nun 490.000 Euro Schadensersatz zahlen.

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Foto: Oliver Weber/Fotolia Oliver Weber/Fotolia

So tragisch dieser Unfall und die Betroffenheit der Familie auch sind, dieses Urteil gefährdet sowohl die Almwirtschaft als auch den alpinen Tourismus. Da ist die Rede vom Einzäunen der Almen, was großflächig unmöglich ist, bis hin zum Aus für die traditionelle Almwirtschaft. Da denkt man über Betretungsverbote nach und dass die Landwirte angesichts der möglichen Schadenersatzforderungen das Queren Ihrer Gründe nicht mehr erlauben, was das Wandern in den Bergen und damit ein wesentliches Standbein für den Tourismus in Gefahr bringt.

Wo bleibt die Eigenverantwortung?

Das Thema individuelle Verantwortung kommt in der Diskussion kaum vor. Ich erinnere mich an einen Vorfall, den ich selbst bei einer Wanderung im benachbarten Ridnauntal in Südtirol erlebt habe. Ein junges Paar war mit zwei Hunden unterwegs, die offensichtlich Spaß daran hatten, die Kühe auf der Alm zu jagen. Von den Hundehaltern kam kein Ordnungsruf, die Kuhherde war völlig verstört. Wir waren etwa 200 Meter entfernt und machten einen großen Bogen um die Herde, um nicht angegriffen zu werden.

Auch bei dem tragischen Todesfall im Stubaital war ein Hund mit im Spiel. Bevor man Almen einzäunt, nicht mehr bewirtschaftet oder Wanderer aussperrt könnte man bestimmte Wege kennzeichnen, auf denen man keine Hunde mitnehmen darf, solange Kühe auf der Alm sind. Alternativ könnten die Touristiker spezielle Routen für die Hundefreunde ausschildern, auf denen es zu keinen Konflikten mit Kühen kommt.

Kühe und Hunde

Rinder sind von Natur aus friedfertige Tiere und sie laufen normalerweise bei Bedrohung eher davon. Angreifen tun sie nur dann, wenn sie keine andere Möglichkeit mehr haben oder jemanden verteidigen wollen. Besondere Vorsicht ist daher geboten, wenn nicht nur Mutterkühe sondern auch junge Kälber auf der Weide sind. Der Mutterinstinkt der Kühe ist stark ausgeprägt und sie verteidigen ihre Jungen sofort. Viele Jungtiere sind aber sehr neugierig und gehen aktiv auf Wanderer zu. Hier sollte man einfach langsam weitergehen und die Mutterkühe immer beobachten.

Anders verhält sich die Sache, wenn ein Hund mit von der Partie ist. Egal ob groß oder klein, der Hund wird vom Rind als Feind angesehen. Aufpassen muss man auch besonders wenn Stiere auf der Weide dabei sind, da diese ihre Herde schützen wollen, und daher aggressiv reagieren können.

„Hunde sind für Weidevieh ein natürlicher Feind und somit eine Bedrohung. HundebesitzerInnen sollten daher am besten schon bei der Tourenplanung darauf achten, dass Almweiden, auf denen sich Weidetiere befinden, großräumig umgangen werden können“, sagen dazu die österreichischen Naturfreunde. Genau zu diesem Thema gibt es von der Freizeit- und Umweltorganisation auch den Folder „Weidetiere auf Almen“ mit Tipps für das richtige Verhalten beim Wandern auf den Almen, der kostenlos heruntergeladen werden kann. Er gibt einen Überblick über die verschiedenen Tierarten und ihre Reaktionen und enthält die wichtigsten Verhaltensregeln für Wanderungen über Almen mit Viehhaltung. Um bedrohliche Situationen zu vermeiden, sollte man diese unbedingt beherzigen.

Keine Trennung von Wandernden und Weidevieh

Auch wenn es hin und wieder zu problematischen Situationen kommt: die Forderung, Wanderwege im Weidegebiet zu verlegen oder gar die Weidewirtschaft auf Almen abzuschaffen ist für die Naturfreunde inakzeptabel. Eine Trennung von Wandernden und Weidevieh ist nirgendwo machbar und auch nicht sinnvoll. Die bewirtschafteten Almen gehören zu unserem Kulturgut und erbringen sowohl wichtige ökonomische als auch ökologische Leistungen.

Autor: Christian Brandstätter

Allgemeine Tipps der Naturfreunde für Wanderer

  • Großen Sicherheitsabstand zur Herde halten
  • Keinesfalls Kälber streicheln, füttern oder ihnen überhaupt zu nahe kommen
  • Nicht mitten durch eine Herde laufen
  • Lärm und hektische Bewegungen vermeiden
  • Weidegatter immer schließen

Zusätzliche Tipps für Wanderer mit Hunden

  • Routenplanung: bei Mitnahme von Hunden eine Alternativroute zur Rinderweide suchen oder zumindest die Weiden mit anwesenden Kühen umgehen, wenn dies möglich ist.
  • Hunde sind immer an der Leine zu führen (auch hinter dem Weidezaun).
  • Nur ausgebildete Hunde mitnehmen, welche den Befehlen der Besitzerin/des Besitzers Folge leisten.
  • Keine ängstlichen Hunde mitnehmen, die sich bei Gefahr hinter dem Hundehalter verstecken und ihn somit in Gefahr bringen.

Was tun wenn ein/oder mehrere Rinder angreifen oder Drohgebärden ersichtlich sind

  • Ein drohendes Rind erkennt man dadurch, dass es die Gefahrenquelle fixiert und den Kopf nach unten senkt und seine Hörner bzw. seine Stirn präsentiert und näher kommt.
  • Hektik vermeiden! Wenn ein Rind auf Sie zukommt, sich langsam entfernen (zum Ausgang bzw. Weidegatter) und ihm nicht den Rücken zudrehen. Niemals weglaufen!
  • Hund sofort von der Leine lassen. Ein Hund kann selbst am besten vor dem Rind ausweichen und davon laufen.
  • Stellen Sie sich niemals schützend vor den Hund. Sie haben keine Chance gegen ein ausgewachsenes Rind.
  • Bäume und Sträucher können Schutz bieten.
  • Es empfiehlt sich die Mitnahme eines Stockes: wenn ein Tier angreift hilft meistens lautes Zurufen und das Bewegen des Stockes.

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