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Arbeit: das richtige Maß

Wir leben in einer Gesellschaft, die sich stark über ihre Leistung definiert. So gelten jene, die viel arbeiten, als besonders erfolgreich. Doch der Sturm über den Finanz- und Wirtschaftsmärkten zeigt auch seine Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Werden arbeitslose Zeiten zu einem Teil unseres Lebens, mit dem wir lernen müssen, umzugehen?
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Wir müssen Geld verdienen, um wohnen, heizen und essen zu können. Aber darüber hinaus gilt es, das richtige Maß für Arbeit und freie Zeit zu finden. AG Fotographer/Fotofolia

Die "goldene Zeit" der 50er, 60er und frühen 70er Jahre, mit ihrem hohen Arbeitskräftebedarf, wurde abgelöst von einer Phase der Rationalisierung, in der trotz Wirtschaftswachstum weniger Arbeitskräfte gebraucht wurden. Die Arbeitswelt wandelte sich in eine Dienstleistungsgesellschaft, die in den letzten Jahren zu einer Fast-Vollbeschäftigung geführt hat. Die aktuellen Herausforderungen der Finanz- und Wirtschaftswelt werden am Arbeitsmarkt gravierend zu spüren sein. Wer sich nicht für eine Laufbahn in staatlichen Institutionen entschieden hat, ist dem Auf und Ab des Wirtschaftslebens und damit einer relativen Arbeitsplatz-Unsicherheit unterworfen.


Dabei wünschen wir uns in der Arbeitswelt vor allem Sicherheit. Erst danach folgt eine angemessene Bezahlung und ein gutes Arbeitsklima. Wir wollen unser Leben planen, Wohnraum schaffen, möglicherweise eine Familie gründen. Wer aber durch Haus oder Eigentumswohnung örtlich und finanziell gebunden ist, muss ein bestimmtes Einkommen erwirtschaften und will kaum mehr den Wohnort wechseln, um anderswo ein Jobangebot anzunehmen. Wir werden weniger flexibel und reagieren verunsichert, wenn die Arbeitslosenzahlen steigen. Wer subjektiv das Gefühl hat, dass es schwierig sei, einen neuen Job zu finden, der wechselt nicht mehr und klebt noch fester auf einem Sessel, der schon lange nicht mehr passt.


Politische Rahmenbedingungen sind gefragt
"Eine vernünftige Lebensplanung mit Familiengründung ist schwierig, wenn die Arbeitsverhältnisse keine Sicherheit bieten", weiß auch der Psychologe Erich Kirchler, vom Institut für Wirtschaftspsychologie. "Jedoch wird es in Zukunft notwendig sein, sich an arbeitslose Zeiten mit geringem Einkommen zu gewöhnen."
Wenn Phasen der Arbeitslosigkeit ein Normalzustand werden, dann muss auch die Absicherung der Menschen ohne Arbeit eine Selbstverständlichkeit sein. Die bedarfsorientierte Mindestsicherung soll laut Bundespolitik schon 2009 in Kraft treten. Damit werden die unterschiedlichen Sozialhilfeleistungen in den Bundesländern auf ein einheitliches Niveau gebracht. Für heuer wären das 747 Euro 14-mal im Jahr. Das wäre zumindest ein Grundmaß an Existenzsicherung.


Unternehmen mit Verantwortung
Meldungen von Unternehmen, die hohe Gewinne einfahren und gleichzeitig einen Stellenabbau ankündigen, zerstören das Vertrauen der Arbeitnehmer. Kirchler: "Durch die Aufweichung staatlicher Regelungen gewinnen die Unternehmen an Autonomie. Wenn sie allerdings keine Verantwortung für ihre Beschäftigten tragen, haben auch sie viel zu verlieren: Innovationen, die in erster Linie aus der Belegschaft kommen, gehen durch den Verlust der Bindung und der Loyalität zurück. Wissen geht verloren. Wenn Leistung auf dem Reißbrett gemessen wird, wird Leistung nur nach Formeln erbracht. Der sogenannte "Flow" - der Moment, in dem man ganz in der Arbeit aufgeht - passiert bei den "neuen" Berufstätigen kaum noch."

Lesen Sie mehr in der lebensART Dezember 08/Jänner 09

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  • Der ganze Alltag ökologisch auf dem neuesten Stand - Intelligente Technologien
  • Nachhaltige Fonds - Geldanlage mit Verantwortung

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Lösungen wie "Jobsharing" und Arbeitszeitverkürzung sind in einer leistungsorientierten Gesellschaft schwer zu verwirklichen. Paulo Cruz/Fotofolia
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Arbe"Neue Arbeitsplätze durch Arbeitsteilung"
Univ.-Prof. Dr. Gudrun Biffl, Wissenschaftliche Mitarbeiterin WIFO:

"Die Jugendlichen sind als erste von prekären Beschäftigungsmodellen und Arbeitsplatzmangel betroffen. Gleichzeitig bekommt die Jugend mit, dass das Alleinverdienermodell nicht mehr funktioniert, dass es zur Verarmung führt. Die Frauen müssen eigenständig arbeiten. Soziale Leistungen, die sie heute im Haushalt, in der Kinderbetreuung und Pflege erbringen, müssen vom Markt organisiert werden. Wenn wir ein arbeitsteiliges Verfahren schaffen, entstehen viele neue Arbeitsplätze, zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten, vor allem für einfache und mittlere Qualifikation.
Im Bereich der sozialen Dienstleistungen werden auch ältere Menschen Betätigungsmöglichkeiten finden, zwar keine Vollzeitstellen, aber durchaus Teilzeitmodelle.
Unser Gesundheitssystem wird aus den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerabgaben bezahlt. Ansatzweise müssen wir weg von der Besteuerung des Faktors Arbeit hin zu anderen Quellen. Das würde sich auch förderlich auf den Arbeitsmarkt auswirken.


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