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Kunst und Kultur: Antworten auf die Klimakrise

Die Multimedia-Ausstellung „Take Me to the River“ ist eine Reise durch kreative Räume und die Umwelt an sich.

Vogelperspektive eines Dorfes im Urwald.
Fotografie aus der Serie Secret Sarayaku, Goethe-Institut, Take Me to the River, Misha Vallejo 2019

Weltweit setzen sich Kulturschaffende, Künstler*innen, Architekt*innen und Designer*innen mit den Auswirkungen des Klimawandels auseinander und beziehen dabei ihre Gemeinden aktiv ein. Ihre Arbeiten eröffnen kreative Räume, die für Veränderungen unserer Umwelt sensibilisieren und mögliche Lösungsansätze im Kampf gegen den Klimawandel entwickeln.

Mit einem gemeinsamen Förderprogramm unterstützen das Goethe-Institut und der niederländische Prince Claus Fund seit 2018 Initiativen, die kulturelle und künstlerische Antworten auf globale Umweltveränderungen suchen. Rund 35 Kunst- und Kulturprojekte aus Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika, der Karibik und Osteuropa wurden bislang gefördert. „Take Me to the River“ macht 15 dieser Arbeiten der Öffentlichkeit zugänglich. Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Ausstellung digital präsentiert.

Die ausgewählten Arbeiten aus Ägypten, Ecuador, Kolumbien, Mexiko, dem Kongo und anderen Ländern umfassen Film, Fotografie, VR-Video, audiovisuelle Archive oder Community Radios.

„Take Me to the River“ zeigt die vielfältigen Perspektiven der Projekte als einen Chor von Stimmen gegen Rohstoffabbau, Umweltmissbrauch und die Verletzung der Rechte indigener Gemeinschaften. Kuratiert wird die Ausstellung von Maya El Khalil, einer in Oxford lebenden unabhängige Kuratorin und Kulturberaterin. Sie verfolgt in der Ausstellung fünf Narrative – Subject of Rights, Object of Abuse, Nature Prosecutes, Humanity Sentenced und Motion to Recover – und verknüpft die einzelnen Projekte so zu einer Erzählung, die sowohl die Auswirkungen der Klimakrise auf Mensch und Umwelt verdeutlicht als auch alternative Antworten aufzeigt.

Online zu sehen unter: www.takemetotheriver.net

Die Präsentation wird in den kommenden Monaten um weitere der geförderten Arbeiten ergänzt und soll in Zukunft als Online-Archiv zur Verfügung stehen.

Ein kahler Baum und eine Hütte auf Holzstelzen vor einem tiefpunkem Himmel.
"Terra Mutata", Shunyo Raja (Kings of a Bereft Land), Fotografie: Goethe-Institut, Take Me to the River, Arko Datto 2019

Details zu den Narrativen:

1. “Subject of Rights”

Die Reise beginnt mit einer Neupositionierung der Natur im Kapitel Subject of Rights und präsentiert Arbeiten, die der nicht-menschlichen Welt neue Subjektivität und Achtung verschaffen. So gibt der ecuadorianische Künstler Misha Vallejo in seiner multimedialen Arbeit „Secret Sarayaku“ Einblicke in den Alltag der indigenen Kichwa aus Sarayaku im ecuadorianischen Amazonas-Regenwald. Seine Arbeit – bestehend aus Fotos, Videointerviews, Zeichnungen und Soundcollagen – zeigt dabei, wie sich die Kichwa, die sowohl eine physische als auch eine spirituelle Verbindung mit dem Dschungel haben und ihn als „Lebendigen Wald“ bezeichnen, als Cyber-Aktivist*innen über Social Media gegen die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und für den Erhalt ihrer Lebenswelt einsetzen.

2. „Object of Abuse“

Das zweite Kapitel Object of Abuse wirft einen unerschrockenen Blick auf die Qualen der Natur und die irreparablen Schäden, die durch ausbeuterische Praktiken verursacht werden. Ein Beispiel ist die extreme Reaktion der kolumbianischen Regierung, die Regenwald zerstört, um den Kokainhandel einzudämmen. Das Projekt „Coca Files“ von Diana Rico und Richard Decaillet erlaubt eine andere Perspektive auf die Kokapflanze, denn das Kokablatt in seiner natürlichen Form bietet den indigenen Völkern der Anden seit Jahrhunderten spirituelle Führung, die Unterdrückung von Hunger, Durst, Schmerzen und Müdigkeit sowie die Überwindung der Höhenkrankheit. Die „Coca Files“ sind ein audiovisuelles, interaktives Archiv, das den Unterschied zwischen Koka-Blatt und Kokain beleuchtet und die Bedeutung eines Dialogs zwischen westlichem und indigenem Denken hervorhebt.

3. „Nature Prosecutes“

Der dritte Themenschwerpunkt Nature Prosecutes rückt die Vorstellung ins Zentrum, dassdie Natur sich rächt. Naturkatastrophen, schwindende Ressourcen und zunehmend unberechenbare Wetterwechsel sind die direkte Folge menschlichen Handelns. So sind die Auswirkungen der negativen Umwelteinflüsse beispielsweise in den Arbeiten des Fotografen Arko Datto zu sehen, die das Leben der Bewohner*innen im Ganges-Delta zeigen: „Shunyo Raja: Kings of a Bereft Land”.Das Delta mündet in den Golf von Bengalenund beherbergt die Sundarbans, die größten zusammenhängenden Mangrovenwälder der Welt. Das dreiteilige Fotoprojekt macht den prekären Zustand dieser gefährdeten Region sichtbar und bietet einen tiefen Einblick in den Kampf gegen Naturkatastrophen als allgegenwärtigen und allmächtigen Feind, der jederzeit und überall zuschlagen kann.

4. „Humanity Sentenced“

Die grausamen Folgen von Klimakatastrophen und Ausbeutung der Natur für die Gesundheit der Menschheit werden im vierten Schwerpunkt Humanity Sentenced dargestellt. Das Wadi al Qamar in Ägypten, arabisch für Mondtal, wurde nach den Reflexionen der Mondstrahlen auf seinen riesigen Gerstenplantagen benannt und galt als Ort der Erholung und Heilung. Heute leben seine 60.000 Einwohner*innen unter einer ständigen Wolke giftigen Staubs, der von einem Zementwerk ausgestoßen wird. Hunger und lähmende Atemwegserkrankungen sind die Folge. Der Dokumentarfilm „Moon Dust“ von Mohamed Mahdy zeigt den Kampf der Bewohner*innen vom Wadi al Qamar als beispielhaft für die zahllosen Gemeinschaften auf der ganzen Welt, ihr Recht auf Gesundheit gegen die geduldete wie schamlose Umweltverschmutzung durchzusetzen.

5. „Motion to Recover“

Die Online-Reise endet mit dem Thema Motion to Recover, in dem Projekte nach aktiven Lösungen und Antworten auf die Katastrophen suchen. So will der mexikanische Künstler Gilberto Esparza das Sterben der Korallenriffe durch die zunehmende Wasserverschmutzung mit seinem Projekt „KORA-LLYSIS“ verhindern: Ähnlich wie Prothesen funktionieren die modularen Keramikstrukturen, die in geschädigte Korallenriffe integriert werden, um Organismen wie Plankton, Algen und Rankenfußkrebslarven wieder anzusiedeln. Die Implantate verschmelzen schließlich mit dem Riff und verstärken es. Das Projekt legt den Schwerpunkt auf den öffentlichen Diskurs und die multidisziplinäre Zusammenarbeit sowie die ständige Einbeziehung der lokalen Community in die verschiedenen Phasen der Entwicklung, Herstellung und Prüfung.

Im Themendossier Ecologues des Goethe-Instituts finden sich auch Essays und Beiträge von Expert*innen und Kulturschaffenden zu Themen der Nachhaltigkeit und Ökologie.

Jugendliche spielen auf Straße vor Fabrik Ball. Schwarz-Weiß Fotografie.
"Moon Dust", Fotografie: Goethe-Institut, Take Me to the River, Mohamed Mahdy 2020

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