LEBENSART BLOG

DIE AKTUELLE FRAGE

Entspannen, Abenteuer oder Fernreise: Welchen Urlaub planen Sie heuer?
 

mehr

Termine 

Fachkongress Ressourcen-Effizienz

und Umwelttechnologien, 22.05.2012, Wien

CSR-CIRCLE Nachhaltiges Investment

24.05.2012, 18:00 Uhr, Dschungel Wien

Erdgespräche 2012

31.05.2012, 17:00 Uhr, Wien, Grosser Redoutensaal Hofburg

Stakeholder-Dialog

04.06.2012, 09:00 Uhr, Wien

IFZ-Kongress 2012

Region ist Zukunft, 12.-13.06.2012, Stift Ossiach in Kärnten

Lehrgang ÖGNB-Gütesiegel für Nicht-Wohngebäude

13.-15.06.2012 und 05.-06.07.2012

Business Talk des ÖGV

18.06.2012, 19:00 Uhr, Wien

Seminar von der Natur lernen

13.-16.09.2012, Ötztal

Universitätslehrgang Responsible Leadership

Oktober 2012 - Februar 2013, Universität Wien

Nachhaltigkeit für Mensch und Gesellschaft – Was leitet CSR wirklich?

07.06.2011:

Die zweite Veranstaltung fand am 07. Juni 2011 von 17:00 bis 20:00 Uhr im Haus der Industrie, Schwarzenbergplatz 4, statt.

Foto: Katharina Schiffl

Nach den einleitenden Worten von Dr. Alfred Strigl – Geschäftsführer von plenum sowie Moderator des Abends – begrüßte Herr Dr. Peter Koren (Stellvertretender Generalsekretär der IV) als Gastgeber seitens der IV die TeilnehmerInnen. Dabei betonte er, dass innerhalb der IV CSR kein reines Lippenbekenntnis sei, sondern sowohl Groß- als auch Klein- und Mittelbetriebe verstärkt CSR Managementmaßnahmen implementieren würden.
Frau Dr. Weitgruber – Sektionschefin des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung – setze die Begrüßung mit ihren Worten fort. Dabei hob sie den Begriff der „Transformation“ besonders vor und unterstrich mehrfach die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung, interdisziplinär zusammengesetzte, Entwicklungspfade eröffnende, kooperative, vorsorgliche und transformative Projekte und Prozesse zu initiieren, zu begleiten und zu unterstützen. Nachdem Fr. Dr. Weitgruber das Forschungsprogramm „proVISION“ detailliert vorgestellt hatte (Zahlen und Fakten, Förderungskriterien, Themenschwerpunkte, etc.), leitete Dr. Alfred Strigl die TeilnehmerInnen zu den Referaten über.
 

Das erste Referat war jenes von Mag. Monika Bauer - Nachhaltiges Handeln im beruflichen und privaten Alltag.
Dabei stand die Frage im Vordergrund, wie sich eine Brücke zwischen beruflichem und privatem nachhaltigem Ernährungs-, Gesundheits- und Mobilitätsverhalten spannen lässt. Das heißt, etwas konkreter, wie nachhaltiges Handeln beim Individuum durch das berufliche Umfeld unterstützt und gefördert werden kann.

Frau Bauer zu ihrem Referat:

Wenn Unternehmen ihren MitarbeiterInnen Angebote für nachhaltiges Handeln machen und diese Angebote genutzt werden, entsteht ein Nutzen für das Unternehmen und die MitarbeiterInnen: Das Unternehmen tut etwas für seine Corporate Social Responsibility (CSR), die MitarbeiterInnen gewinnen Kompetenzen, die ihre berufliche und private Lebensqualität verbessern können.

Im Forschungsprojekt "Nachhaltig Handeln im beruflichen und privaten Alltag" wurden mit mehreren ausgewählten Unternehmen Interviews und Workshops mit MitarbeiterInnen und Führungskräften durchgeführt, um betriebliche Rahmenbedingungen sowie realisierte Aktivitäten für ein nachhaltiges Handeln zu erfassen. Die These dahinter ist einfach: Gesundheit ist ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor für Unternehmen. Gleichzeitig haben gesundheitsförderliche Verhaltensweisen (z.B. mit dem Fahrrad zur Arbeit, biologische Ernährung) direkte Auswirkungen auf Klimawandel und Umwelt. Umweltmanagement und Gesundheitsförderung stehen in engem Zusammenhang miteinander.

Ergebnis des Projektes ist ein Leitfaden, der Tipps für Ernährung, Mobilität und Work-Life-Balance enthält. Im beruflichen Umfeld sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die MitarbeiterInnen dazu animieren, auch in ihrem privaten Alltag nachhaltig zu handeln. Die Ideen sind oft sehr unkompliziert umsetzbar und die Wirkung steigert sich, wenn die Menschen im Unternehmen selbst bei der Entwicklung von Maßnahmen mitgewirkt haben.
Die Ergebnisse zeigen, dass der im Rahmen der Gesundheitsförderung eingeführte mitarbeiterInnenorientierte Gesundheitszirkel eine gute Grundlage bietet, um das Thema Umweltschutz mit Gesundheit zu verbinden. Der Mehrfachnutzen für die MitarbeiterInnen wird deutlich und die Motivation gesundheitsförderlich und umweltbewusst zu handeln steigt.

Zusammenfassung der Diskussionsbeiträge (Gastkommentare):

Dr. Othmar Hill, Wirtschaftspsychologe und Geschäftsführer von Hill Personalmanagement, war der erste Gastkommentator des Abends.

Herr Hill stimmte in vielen Punkten mit der Vorrednerin überein. Als ergänzendes Statement sprach er die Mobilität von MitarbeiterInnen innerhalb der Unternehmen an, die man auch als „Jobenlargement“ oder „Jobenrichment“ bezeichnen könnte. Demnach sei es in Bezug auf nachhaltiges Handeln nicht nur wichtig, ob ein Obstkorb im Büro zur Verfügung steht und mit welchen Mitteln die Anreise zur Arbeitsstelle erfolgt, sondern auch, wie flexibel Menschen innerhalb des Unternehmens (z.B. von Abteilung zu Abteilung) wechseln könnten, um dort ihr Potenzial zu entfalten. Für nachhaltige Lebensstile sei also die Sinnerfüllung und die Zufriedenheit mit der eigenen Position und eben die Ermöglichung dieser Sinnerfüllung ebenso von zentraler Bedeutung. Frau Bauer zeigte sich demgegenüber durchaus interessiert und gab zu, diesen Faktor in der Forschungsstudie nicht berücksichtigt zu haben. Auf die Frage, was ein Unternehmen zu CSR veranlasst, meinte Frau Bauer, dies ergäbe sich aus der natürlichen, jedem Menschen innewohnenden sozialen Verantwortung. Herr Hill berichtete von einem wesentlichen seriösen Hauptmotiv zur Installation von CSR: Das bisherige Erleben oder die echte Erfahrung davon, dass Menschen am Arbeitsplatz einfach MEHR brauchen als nur Geld. Es ginge um Sozialkapital und „sozialen Profit“ statt naivem Materialismus und Maximierung von monetärem Nutzen.

Im Anschluss daran folgte das Referat von Prof. DI Dr. Matthias Zessner - Gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit.
Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen der Ernährungsgewohnheiten der Österreicher auf den Grad der Umweltbelastung, auf den Ressourcenverbrauch sowie auf die flächenmäßige Möglichkeit der bundesweiten Lebensmittelselbstversorgung. Ebenso wurden die Auswirkungen einer Ernährungsumstellung aufgezeigt.

Herr Zessner zu seinem Referat:

Unsere Gesellschaft konsumiert deutlich mehr tierische Nahrungsmittel, als es einer ausgewogenen, gesunden Ernährung entspricht. Zur Produktion von tierischen Nahrungsmitteln werden deutlich mehr Ressourcen (Fläche, Energie, Düngemittel etc.) benötigt als zur Produktion einer vergleichbaren Menge pflanzlicher Lebensmittel. Ein Ressourcenverbrauch bei der landwirtschaftlichen Produktion führt zu einer Belastung der Gewässer und verursacht Emissionen von klimarelevanten Gasen.

Auf Grundlage dieser Überlegungen wurde der Frage nachgegangen, wie sich eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten der österreichischen Bevölkerung gemäß Ernährungsempfehlungen auf die Bereiche landwirtschaftliche Produktion, Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen auswirken würde. Die Forschungsfragen wurden systemübergreifend gestellt und bearbeitet: Ergebnisse können wie folgt zusammengefasst werden.

Die Ernährung der österreichischen Bevölkerung weicht im Mittel deutlich von den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für eine ausgewogene Ernährung (DGE-Ernährungspyramide) ab. Der Konsum von Fleisch und Fleischprodukten sollte dementsprechend um ca. 60 % gesenkt, der Obst- und Gemüsekonsum um 50 % bzw. 60 % gesteigert und der Fischkonsum verdoppelt werden.

Zur Ernährung der österreichischen Bevölkerung wird derzeit deutlich mehr Ackerfläche benötigt (ca. 400 m2 pro Einwohner) als in Österreich vorhanden ist. Eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten hin zu einer Ernährung, welche den Empfehlungen der DGE entspricht, würde den Flächenbedarf für die Nahrungsmittelproduktion der österreichischen Bevölkerung um knapp 30 % von 3600 auf 2600 m2 pro Einwohner senken. Österreich würde dann für die Ernährung der Bevölkerung deutlich weniger als die vorhandene landwirtschaftliche Fläche benötigen. Der Ressourcenbedarf (Energie und Nährstoffe) und die Emissionen an klimarelevanten Gasen sowie die Gewässerbelastung würden einer entsprechenden Umstellung um ebenfalls ca. 1/3 zurückgehen. Beim Fisch können die Ernährungsempfehlungen nicht durch österreichische Produktion erfüllt werden. Auch eine weltweite Erhöhung der Fischproduktion zur Deckung der von Seiten der Ernährungswissenschaften empfohlenen Verzehrsmengen ist aufgrund der begrenzten Kapazität der Weltmeere problematisch. Die benötigten alpha-Linolensäuren können alternativ auch über pflanzliche Produkte wie Leinsamen-, Walnuss und Rapsöl zur Verfügung gestellt werden.

Regional und national ist vor allem die verbesserte Gesundheitsvorsorge, eine potentielle Erhöhung des Eigenversorgungsgrades in der Nahrungsmittelproduktion bei geringerem Ressourcenaufwand und ein Potential zur Verringerung der lokalen Grundwasser- und Fließgewässerbelastung mit Nitrat als positive Auswirkung einer Ernährungs- und damit verbundener Produktionsumstellung zu sehen.

Überregional hätte die betrachtete Veränderung – vor allem, wenn sie auch in anderen Staaten Europas zum Tragen käme – das Potential, die Problematik der Meereseutrophierung (z.B. Schwarzes Meer) deutlich zu entschärfen.

Wird die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung als gemeinsames Problem der Staatengemeinschaft erkannt, zeigt sich die globale Relevanz der Ernährungsgewohnheiten auch in Österreich vor allem in Hinblick auf den Flächenbedarf für die Nahrungsmittelproduktion. Landwirtschaftliche Fläche ist in Österreich, aber auch global, eine begrenzte Ressource. Die Nahrungsmittelversorgung Österreichs kann zurzeit nur durch landwirtschaftliche Produktion im Ausland (überwiegend Futtermittel auf Soja-Basis) aufrechterhalten werden. Nahrungsmittelexporte aus Österreich können diesen Bedarf nicht kompensieren. Eine möglichst effektive Nutzung der verfügbaren landwirtschaftlichen Flächen zur Bereitstellung der benötigten Nahrung ist damit eine Notwendigkeit. Ernährungsgewohnheiten sind ein Schlüssel für eine effektive Nutzung der Ressource „landwirtschaftliche Fläche“.
In Hinblick auf den globalen Ressourcenbedarf würde eine Ernährungsumstellung auch zu einer wesentlich effektiveren Nutzung von Stickstoffdünger beitragen, welches sich vor allem im Energiebedarf niederschlägt. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass das Potential einer Effizienzsteigerung der Phosphornutzung in Hinblick auf die Wiederverwendung urbaner Abfälle (Klärschlamm, Tiermehl), noch über dem Potential einer Effizienzsteigerung über einer Ernährungsumstellung liegt.

Auch Energieaufwand und Ausstoß klimarelevanter Gase, welche durch die Nahrungsmittelversorgung induziert werden, könnten sich in Österreich durch einen Umstieg auf eine Ernährung entsprechend Ernährungsempfehlungen um ca. 1/3 verringern. Im Gegensatz zum Ressourcenverbrauch an landwirtschaftlicher Fläche und Phosphor, wo die Nahrungsmittelproduktion den dominanten Hauptaspekt darstellt, ist im Bereich Energieaufwand und Emissionen klimarelevanter Gase die Nahrungsmittelproduktion nur ein Teilaspekt eines vielfältigen Verursacherspektrums. Insgesamt lassen sich somit Energiebedarf und Ausstoß klimarelevanter Gase Österreichs durch eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten allein nur im Bereich weniger Prozentpunkte verändern. Trotzdem ist dieser Bereich einer von vielen, die in Summe zu einer Verbesserung der Situation beitragen könnten.

Eine Produktion von nachwachsenden Rohstoffen auf landwirtschaftlichen Flächen steht in Konkurrenz mit der Nutzung der Fläche zur Nahrungsmittelproduktion. Der potentielle Beitrag zur Energieversorgung aus nachwachsenden Rohstoffen der landwirtschaftlichen Produktion sollte nicht überbewertet werden. Doch führt eine zurückgehende Tierproduktion zu einem deutlich verringerten kumulierten Energieaufwand (KEA) und Flächenbedarf für die Nahrungsmittelproduktion. Werden auf den frei werdenden Flächen nachwachsende Rohstoffe zur Energieproduktion erzeugt, könnte mehr als die Hälfte des nach Ernährungsumstellung reduzierten KEA der österreichischen Landwirtschaft über Energieproduktion aus der österreichischen Landwirtschaft kompensiert werden.

Die Schonung der Ressource Wasser, der weltweit bei der Nahrungsmittelproduktion eine ganz entscheidende Bedeutung zukommt, ist für Österreich aufgrund des reichlichen Wasserdargebots in weiten Teilen des Landes nicht in gleichem Maße relevant.

Neben dem Verbesserungspotential, das durch eine Ernährungsumstellung im Bereich Gesundheitsvorsorge, Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung gegeben ist, hätte eine entsprechende Umstellung natürlich auch gravierende Auswirkungen auf den Wirtschaftssektor Landwirtschaft. Diese wurden im Rahmen dieses Vorhabens nicht behandelt. Ziel dieser Arbeit war es daher nicht Handlungsvorschläge zu erarbeiten, sondern lediglich die Auswirkungen einer Ernährungsumstellung in Hinblick auf Ressourcenbedarf und Umweltbelastung unter den Rahmenbedingungen Österreichs quantitativ darzustellen.

Zusammenfassung der Diskussionsbeiträge (Gastkommentare):

Das Referat von Hr. Zessner wurde von Hr. Karl Schirnhofer, Geschäftsführer des Feinkostunternehmens Schirnhofer, kommentiert. Er bestätigte die Aussagen von Hr. Zessner durch seine eigenen Erfahrungen aus der Fleischbranche. Man würde bereits einen schleichenden Umschwung merken, nicht zuletzt auch bedingt durch die vermehrten Aufrufe, den Fleischkonsum zu reduzieren. Laut Hr. Schirnhofer wird es einmal zu gesetzlichen Eingriffen und Auflagen kommen müssen, da sich nicht alle Menschen von alleine umpolen und ihr Verhalten selbstständig ändern werden. Er rechnet mit großen auf uns zukommende Veränderungen, die auch z.T. Angst machen. Er verweist jedoch auch auf die Chancen für solche Firmen, die sich bereits seit geraumer Zeit mit nachhaltigen Entwicklungsprozessen befassen.

Sein Wunsch wäre eine explizitere Darstellung der CO2-Bilanz der jeweiligen Nahrungsmittel, da diese Angaben als Marketing- und Informationswerkzeuge die Auswahl der Produkte seitens des Konsumenten und damit den Wettbewerb mitbestimmen könnten.

Herr Zessner stimmte den Ausführungen von Hr. Schirnhofer dankend zu und verwies auf die implizite Berücksichtigung von lebensmittelspezifischen CO2-Werten bei den Berechnungen der CO2-Einsparungspotenziale durch eine Ernährungsumstellung.

Als dritter und letzter Input des Abends stellte DIin Dr.in Ulrike Seebacher MSc ihr Projekt NENA Netzwerk nachhaltige Lebensstile vor.
Es ging vor allem darum, wie durch Netzwerke nachhaltige Lebensweisen und Lebensstile erfolgreich verbreitet werden können.

Frau Seebacher zu ihrem Projekt:

Es gibt in Österreich sehr viele Institutionen, die durch ihre Angebote einen nachhaltigen Lebensstil fördern. Bislang ist aber unklar, wie man möglichst viele Menschen dazu motivieren kann, einen zukunftsfähigen Lebensstil zu wählen. Gemeinsam mit Anbietern und Zielgruppen erforschte das NENA-Projektteam, wie erfolgreiche Beispiele genutzt werden können, um neue Ideen zu finden.

Es geht darum, die Kooperation von einzelnen Institutionen zu fördern, um Ressourcen zu bündeln, denn nur viele AkteurInnen gemeinsam können einen Veränderungsprozess einleiten. Zugleich wird Querdenken groß geschrieben, denn ein Blick über den eigenen Tellerrand bringt neue Ideen, wie die komplexen Inhalte von Klimawandel und Nachhaltigkeit vermittelt werden können. Im Rahmen von NENA wurde ein Netzwerk initiiert, um die Kooperation von NachhaltigkeitsakteurInnen zu fördern. Ziel des Netzwerkes war die Integration verschiedener Sichtweisen, Erfahrungsaustausch und Bündelung vorhandener Ressourcen, um dadurch weitreichendere Effekte hin zu nachhaltigen Lebens- und Konsumgewohnheiten zu erreichen. Bei der Evaluierung von Angeboten im Bereich Nachhaltiger Lebensstile hat das Forschungsteam Verbesserungsmöglichkeiten in den Bereichen Ideenfindung, Partizipation, Marketing, Geschlechtergerechtigkeit und Evaluierung festgestellt. Diese Themen wurden in Form von fünf Modulen ausgearbeitet, um Hilfestellung bei der Neuerstellung oder Rekonzeption von Angeboten zu bieten.

Zusammenfassung der Diskussionsbeiträge (Gastkommentare):

Herr Mag. Werner Wutscher kommentierte den wissenschaftlichen Beitrag von Fr. Seebacher aus seiner Sicht und betonte den individuellen Lebensstil sowie die individuellen Konsumgewohnheiten als Schlüsselfaktor auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung. Er stimmte auch mit Fr. Seebacher insofern überein, als durch neue Beziehungen von Menschen und Organisationen auch neue Lösungen gefunden werden können. Jeder Mensch hat eine eigene Funktion und Rolle in einem Netzwerk inne, mit anderer Kompetenz und anderem Know-How im Hintergrund. Durch die Zusammenarbeit in v.a. heterogen zusammengesetzten Netzwerken würden die besten und fruchtbarsten Lösungen entstehen (Netzwerktheorie). Ebenso betonte Herr Wutscher die Wichtigkeit von originellen Austauschformaten, die zum Querdenken anregen und die Kommunikation innerhalb des Netzwerkes fördern. Eine externe Koordinationsstelle hält er beim Netzwerken zwar für sinnvoll, allerdings müsste darauf geachtet werden, dass diese nicht zu einer bürokratischen Hürde verkommt.

Zusammenfassung der Beiträge im großen Counceling:

Nach Ende der Referate fand die allgemeine Diskussion im Counceling Format statt. Die Idee dahinter: Es geht dabei ein Talking Stick – in diesem Falle das Mikrofon – reihum herum und jede/r Anwesende bekommt demokratisch genau eine halbe Minute Zeit, seine Gedanken oder seine Gefühlslage zum Thema auszusprechen und sich mitzuteilen. Möchte sich jemand nicht mitteilen, so wird für eine halbe Minute geschwiegen. Grundsätzlich geht man nicht auf den Vorredner ein, d.h. es entsteht keine Frage-Antwort bzw. Argument-Gegenargument-Diskussion sondern eine völlig bewertungsfreie Momentaufnahme der Gedanken in den Köpfen der TeilnehmerInnen.

Durch die Heterogenität der Aussagen gestaltet sich demzufolge eine Zusammenfassung eher schwierig. Folgende Gemeinsamkeiten lassen sich allerdings filtern:
Es herrschte weitgehend Konsens darüber, dass Nachhaltigkeit beim Individuum und dessen Lebensstil ansetzt und dass folglich auch jeder Einzelne etwas zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen kann. Obwohl alle von der Kraft des individuellen Engagements „von unten“ überzeugt sind, wurde dennoch auch geäußert, dass gewisse Regeln und Rahmenbedingungen seitens der Politik als „Ergänzung von oben“ unerlässlich seien.

Dass der Mensch, oder anders formuliert, die Menschlichkeit im Vordergrund steht, kam nicht nur dezidiert in den Wortmeldungen einzelner Councelingteilnehmer vor, sondern war auch in der allgemeinen Stimmung im Raum spürbar. „Zusammenarbeit, Austausch, Vernetzung, Mensch sein, in die menschliche, individuelle Verantwortung kommen, den eigenen Lebensstil überdenken“ waren zentrale Begriffe in diesem Zusammenhang.

Eine weitere häufige Wortmeldung war die Kritik am inflationären Gebrauch des Begriffes „Nachhaltigkeit“. Der Begriff würde auch von jenen gebraucht werden, die gar nicht wissen was er überhaupt bedeutet. Noch schlimmer seien jene Menschen, die gewisse private oder unternehmerische Aktivitäten als nachhaltig bezeichnen, welche jedoch in keiner Weise nachhaltig sind. Eine Differenzierung ist den Meinungen im Publikum zufolge angebracht, bzw. auch die alternative Verwendung von anderen Begriffen wie Zukunftsfähigkeit, um nur ein Beispiel zu nennen.
 

drucker  email  Kommentieren (0) Kommentare