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Ist Wasser sparen in Österreich notwendig?

07.03.2011:

3.405 Liter Wasser verbraucht jede/r ÖsterreicherIn pro Tag. 63% davon werden importiert, auch aus Ländern, die unter Wasserknappheit leiden. Bewusster Konsum könnte etwas ändern.

Das Thema „Wasser sparen“ ist in Österreich aus Sicht der KonsumentInnen ein relativ langweiliges. Es gehört zum guten Ton, aber eigentlich sieht man nicht recht ein, warum gespart werden soll. Wasser ist im Überfluss vorhanden, und kostet praktisch nichts. Ja, vielleicht wird sich das durch den Klimawandel ändern, wenn die Alpen um drei Grad wärmer werden und wir uns statt mit Schi fahren im Pulverschnee mit Starkregen und Erosion herumschlagen müssen. Aber erstens ist das nicht sicher und dauert zweitens noch. Auch ein Blick auf die Verbrauchszahlen beruhigt: Zwischen 120 und 150 Liter Trinkwasser rinnen pro Tag und ÖsterreicherIn die Kläranlage hinunter. Die wassersparenden Tipps - Duschen statt Baden, wassersparende Geschirrspüler oder Waschmaschinen - werden umgesetzt.

Quelle: footprint 

Alles im grünen Bereich könnte man meinen. Betrachtet man aber nicht nur den direkten Wasserverbrauch sondern auch den indirekten sieht alles deutlich anders aus: Die Unmengen an Wasser, die zur Herstellung unserer Konsumgüter benötigt werden, sind im direkten Wasserverbrauch nicht berücksichtigt. Tony Allen, Professor an der Universität in London, prägte dafür bereits um 1995 den Begriff des „virtuellen Wassers“: Er bezeichnet die Menge an sauberem Wasser, die zur Herstellung eines Produkts verbraucht wird. Um eine Tasse Kaffee zu produzieren braucht man 140 Liter Wasser, für eine Tasse Tee 30 Liter. Dabei zählt die Menge an Wasser, die für die Pflanzung und Pflege des Kaffeebaums oder Teestrauchs aufgebraucht wird genauso dazu, wie der Wasserverbrauch, um die Frucht zu ernten und bis zum Supermarkt zu transportieren.
Das „Water Footprint Network“ unter der Leitung von Prof. Arjen Hoekstra hat in den letzten Jahren intensiv daran gearbeitet, den Wasserverbrauch von Produkten, von Unternehmen und von einzelnen Ländern festzustellen. Österreich schneidet hier nicht gut ab: Der virtuelle Wasserverbrauch liegt bei 3.405 Liter pro Person und Tag. Der indirekte Wasserverbrauch beträgt daher 96%, der direkte (die 120 – 140 Liter siehe oben) bloß 4%. Wichtig für eine Beurteilung ist auch die Importquote des virtuellen Wassers und die ist hoch: Österreich importiert 63% des indirekten Wassers, vor allem über Lebensmittel und Kleidung. (Vgl. Deutschland 53%, Schweiz, 79%).
 

Was kann man tun?

KonsumentInnen haben vier Möglichkeiten, den eigenen indirekten Wasser-Fußabdruck zu reduzieren: Die erste Option ist, Ressourcen zu sparen: Für die Produktion von nur einem (!) Blatt Papier A4 werden 10 Liter Wasser benötigt, für einen kleinen Mikrochip 32 Liter. Nicht jedes Mail muss ausgedruckt, das Handy nicht jedes Jahr erneuert werden. Die zweite Möglichkeit ist, ein Produkt mit einem größeren Fußabdruck, wie Kaffee durch eines mit einem kleineren, wie Tee zu ersetzen, weniger Fleisch zu essen, oder mehr Wasser zu trinken. Die dritte Option ist, auf die Herkunft von Produkten zu achten, z.B. auf Rindfleisch oder Baumwolle aus Ländern, die über ausreichend Wasser verfügen. Diese Information ist derzeit großteils noch nicht verfügbar. Sehr wichtig ist es daher, dass KonsumentInnen diese Information und mehr Transparenz von Händlern einfordern. Und wie immer geht es viertens natürlich darum, langlebige Produkte zu verwenden.

Professor A. Szollosi-Nagy, Rector, UNESCO-IHE Institute for Water Education zur Dringlichkeit: “Forty years down the road we will have 9 billion humans living on the Earth. Nearly fifty per cent more than what we have today. The impact of any activity, be it economic or social, will have an unprecedented print on water. It is, therefore, critical that policy makers and the public, let alone the political community, are aware of what the water footprint is, how it is established and how it does evolve in time and space“.

Weitere Information & Aktionsmaterial


www.waterfootprint.org
: Dort kann sowohl der persönliche Wasserfußabdruck als auch der jedes Landes berechnet werden. Plus ausführliche und aktuelle Hintergrundinformationen. Mit 28. Februar 2011 wurde der erste globale Standard für den Wasserfußabdruck veröffentlicht. Mit seiner Hilfe können KonsumentInnen, Unternehmen undLänder ihren Beitrag zum Wasserfußabdruck quantifizieren und sinnvolle Maßnahmen ableiten.
 

Water makes money: Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen. Film, als DVD erhältlich. Mehr

Roswitha M. Reisinger

drucker  email  Kommentieren (2) Kommentare

Roswitha Reisinger  am 13.05.2014 16:19:47

Sie haben Recht! Und Kaffee ist nicht Kaffee!

Lieber Herr Wagenknecht,
danke für Ihren Beitrag. Wie im Artikel beschrieben geht es vor allem darum, die jeweilige Produktionssituation im Land zu berücksichtigen. Wird Soja für unser Tierfutter dort angebaut, wo es den Menschen vor Ort als Lebensgrundlage fehlt, oder Baumwolle am Aralsee, der mittlerweile beinahe ausgetrocknet ist. Gerade im Kaffeeanbau hat sich in den letzten Jahren viel getan. Das ist gut so. Wichtig wäre es sehr viel mehr zu wissen und über die Lebens- und Produktionsbedingungen zu informieren. Schreiben Sie uns doch mal über die Situation in Kolumbien! Wir würden uns sehr freuen.
Herzliche Grüße
Roswitha Reisinger

PS: Werfen Sie doch mal einen Blick auf den Blog von Valentina (rechte Spalte). Sie ist gerade in Südamerika unterwegs!

Johannes Wagenknecht  am 13.05.2014 15:25:09

Ein gutes Leben - für alle!

Sehr geehrte Frau Reisinger,
Ihrem Motto "Ein gutes Leben - für alle!" kann ich nur zustimmen. Mein neuer Lebensmittelpunkt Kolumbien bringt aber mit sich, dass ich manche Dinge von der anderen Seite sehe. Z.B. frage ich mich: Was machen die kolumbianischen Kaffeebauern mit dem - im Überfluss vorhandenen - Regenwasser, wenn Ihr Aufruf zum "Kaffeesparen" Erfolg hat?