Energiesparen als Pensionsvorsorge
Wer in Zukunft ein Haus oder eine Wohnung verkaufen oder vermieten will, muss einen Energieausweis vorlegen. Der zeigt - so wie das vertraute "Kühlschrankpickerl" - ob das Objekt viel oder wenig Energie verbraucht. Bei den ständig steigenden Energiepreisen ist das eine wertvolle Information für den Kunden. Wird das Pickerl mit den bunten Balken den österreichischen Immobilienmarkt nachhaltig verändern?
"Auf jeden Fall" ist sich Franz Gugerell vom Institut für Energieausweise sicher. "Die Energiefresser werden es am Markt wesentlich schwerer haben. Und daraus ergibt sich ein Anreiz zur Sanierung und damit zur Wertsteigerung von Immobilien."
Derzeit ist die rechtliche Situation allerdings etwas verworren. Das Bundesgesetz ist zwar schon seit Anfang des Jahres in Kraft, gilt aber dieses Jahr nur für Objekte mit Baubewilligung ab 1.1.2006. Ab 2009 müssen die bürokratischen Hürden genommen sein, ab dann gilt das Gesetz für alle Immobilien in Österreich. Der Verkäufer oder Vermieter ist verpflichtet, spätestens bei Vertragsabschluss den Energieausweis auszuhändigen. Es gibt die Rechtsmeinung, dass ohne Energieausweis der Miet- oder Kaufvertrag nicht rechtsgültig ist, weil ein Bestandteil, den der Gesetzgeber fordert, nicht vorhanden ist.
Wie wird der Energieausweis berechnet?
"Zuerst werden die Daten erhoben", berichtet Gugerell aus der Praxis. "Anhand der Baupläne oder durch Bestandsaufnahme vor Ort werden die Außen-, Dach- und Fensterflächen, Dämmstärken usw. erfasst und zur weiteren Bearbeitung in ein Berechnungsprogramm eingetragen."
Schon bevor Gugerell die Daten in sein Computerprogramm eingibt, kann er das Ergebnis grob abschätzen. "Wenn das Haus zwischen 1945 und 1980 gebaut und seither nichts verändert wurde, wird die Energiekennzahl so zwischen 200 und 250 kWh/m2,a liegen. Ab den 1980er Jahren, wo man zumindest wenige Zentimeter Wärmedämmung aufgebracht hat, wird man auf rund 150 bis 200 kWh/m2,a kommen. Das Bewusstsein für energiesparendes Bauen hat erst in den 1990er Jahren so richtig begonnen und der Energieverbrauch hielt erstmals Einzug in einzelne Bauordnungen. Häuser aus dieser Dekade liegen bei den Energiekennzahlen um die 100 kWh/m?,a. In den letzten zehn Jahren hat einerseits die Passivhaustechnologie das Baugeschehen revolutioniert, andererseits wurde die Wohnbauförderung der Länder an den Energieverbrauch eines Hauses gekoppelt. Die Anforderungen liegen bei 50 kWh/m2,a und darunter."
Solche groben Schätzungen sind zwar interessant, um festzustellen, wo man in etwa liegt, im Energieausweis selbst sind umfassendere Berechnungen gefragt. Aus dem gesammelten Datenmaterial wird die Menge Energie, die für Raumwärme und Warmwasser sowie deren Wärmeerzeugung, Wärmespeicherung, Wärmeverteilung und Wärmeabgabe benötigt wird errechnet. "Das ist neu. Bisher war im Energieausweis der Wohnbauförderungen nur der Bedarf für Raumwärme angegeben. Jetzt erfahre ich, wie viel Energie insgesamt für Heizung und Warmwasser gebraucht wird."
Lesen Sie mehr in der lebensART Juni 2008











