Drei hoch drei: Klimawandel zeigt Wirkung. Was kommt noch auf die Wirtschaft zu?
Die dritte Veranstaltung fand am 21. Juni 2011 von 18:00 bis 20:30 Uhr im Haus der Industrie, Schwarzenbergplatz 4, statt.
Zusammenfassung der Inputs / Referate
Nach den einleitenden Worten von Dr. Alfred Strigl – Geschäftsführer von plenum sowie Moderator des Abends – begrüßte Hr. DI Dieter Drexel als Gastgeber seitens der IV die TeilnehmerInnen. Er ist in der IV Zuständiger für den Bereich Umweltpolitik und betonte in seiner einleitenden Rede die Bedeutung des Klimawandels als Hauptantriebskraft von Veränderungen - es sei der Klimawandel, der uns als Gesellschaft auf Trab hält und auch in der IV aus diesen immanenten Gründen ein „dickes Thema“ sei.
Herr MinR Dr. Christian Smoliner – Ministerrat des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung – setze die Begrüßung mit seinen Worten fort.
Beginnend mit einer kritischen Begriffsreflexion von „Nachhaltigkeit“ und der Begriffsgeschichte, habe die Nachhaltigkeit aufgrund ihrer thematischen Stärke und der mit ihr verbundenen Visionskraft in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung erhalten. Nachhaltigkeit will einen Ausgleich versuchen (räumlich und zeitlich gerechte Verteilungen) und integriert dabei verschiedene Dimensionen und Themenbereiche: Ökonomie, Ökologie und Soziales.
Nachhaltigkeit darf dabei allerdings zu keinem faulen Kompromiss innerhalb dieser Felder verkommen, sondern soll vielmehr bestehende, destruktive Paradigmen in Frage stellen. Hr. Smoliner weist auf die überall spürbaren Auswirkungen der menschlichen Eingriffe in die Umwelt hin (Fukushima, Klimawandel, etc.) und betont in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit eines „guten Rates“, den er ganz stark auch aus der Wissenschaft kommend sieht.
Interessant waren auch seine Ausführungen zur Beziehung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Einerseits liefere die Wissenschaft „das Neue“, d.h. Ergebnisse, die auch schmerzen können oder unangenehm sind, weil sie die Gesellschaft zu neuen Orientierungen auffordern, was von dieser als unbequem wahrgenommen wird. Es sei wichtig, dass Wissenschaft querdenkerisch, impulsiv und vielfältig bleibt und der Gesellschaft neue Modelle und Alternativen liefert, die dann in einem demokratischen Aushandlungsprozess von der dieser übernommen und bestmöglich beherzigt werden.
Andererseits habe auch die Wissenschaft in Zukunft so manche Hürden zu überwinden, v.a. was das Verständnis ihrer selbst angeht. Während insbesondere Naturwissenschaften und Technik der Ansicht sind, man könne alles logisch, rational, kausal erklären und alles wäre messbar, so sei heute vielmehr eine Wissenschaft gefordert, die ein Verständnis für Ganzheitlichkeit und Komplexität besitzt und nicht nur inter- sondern v.a. auch verstärkt transdisziplinär ausgerichtet ist. Diese neuen Formen der Wissenschaft seien nun unbedingt gefordert, wenn man einen möglichst großen gesellschaftlichen Nutzen mit dieser Forschung erzielen möchte. Wissenschaft und Gesellschaft sollten sich auf „gleicher Augenhöhe“ begegnen, Lern-Orte und Freiräume sollten geöffnet werden, wo dieser Austausch stattfinden kann. Dies geschehe bereits vielerorts in Form von transdisziplinären Forschungsprogrammen auf EU-, nationaler und sonstiger Ebene, z.B. in Form des proVISON-Programms.
Das erste Impulsreferat von Dr. Klaus Peter Zulka (Umweltbundesamt): Biokraftstoffe: Welche Potenziale, Risiken, Zukunftsszenarien gibt es für Kraftstoffe aus regenerativen Ressourcen? beschäftigte sich, wie aus dem Titel bereits hervorgeht, mit Biokraftstoffen (insbesondere Raps).
Herr Zulka zu seinem Referat:
Eine Senkung des Kohlendioxidausstoßes zum Zwecke des Klimaschutzes ist in allen Lebensbereichen notwendig, im Verkehrssektor aber besonders schwierig zu bewerkstelligen, da flüssige Treibstoffe derzeit kaum ersetzbar sind. Nach der Erneuerbaren-Richtlinie der EU sollen 10 % der fossilen Treibstoffe bis zum Jahr 2020 durch erneuerbare Energie wie etwa Biokraftstoffe ersetzt werden.
Im vorgestellten proVision-Projekt ging es darum, neue Methoden zur Quantifizierung des Potenzials und der Risiken von Biokraftstoffeinsatz zu entwickeln und zu erproben. Bisher weniger betrachtete Aspekte der Biokraftstoff-Problematik, wie beispielsweise Biodiversitätsaspekte, sollten in die interdisziplinäre Diskussion integriert werden.
Zur Bemessung des Raps-Anbaupotenzials wurde das MaxEnt-Nischenmodellierungsverfahren angewandt. Es zeigte sich, dass Raps nahezu im gesamten agrarisch genutzten Gebiet Österreichs angebaut werden kann. Würde dieses Potenzial unter Berücksichtigung der Fruchtfolge voll genutzt, dann könnten etwa 6 % des österreichischen Diesels durch Rapsmethylester ersetzt werden.
Das Treibhausgaseinsparungspotenzial von österreichischen Biokraftstoffen gegenüber fossilen Treibstoffen reicht von 41 % bei Bioethanol bis zu 85 % bei Biogas. Werden allerdings in der Ökobilanz indirekte Landnutzungsänderungen mit berücksichtigt, dann reduzieren sich je nach Biokraftstoffart die Einsparungspotenziale oder kehren sich um wie im Falle von Bioethanol.
Per definitionem fallen keine Emissionen aus Landnutzungsänderungen an, wenn Biokraftstoffe auf Brachflächen angebaut werden, allerdings kann die Biodiversität der Kulturlandschaft dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden. Mit einem Quantifizierungssystem, welches das Risiko für bestimmte Organismengruppen in einer bestimmten Region bemisst, können verschiedene Biomasse-Nutzungsformen, zum Beispiel Raps auf vorherigen Brachen oder Pappel-Kurzumtrieb auf Wiesenstandorten, miteinander verglichen werden. Im einfachsten Fall können die artspezifischen Indikatorwerte durch Expertenschätzung ermittelt werden. Wenn ausreichend Daten vorhanden sind, dann können die Werte aber auch durch Modellierungen gewonnen werden. Als Beispiel wird eine Metapopulations-Überlebensfähigkeitsanalyse für eine charakteristische Ackerland-Art, das Ziesel, präsentiert.
Bedenken, ein massiver Einsatz von Biokraftstoffen könnte die Ozonbelastung erhöhen, konnten nicht erhärtet werden. Biokraftstoffe verändern zwar die Luftschadstoff-Immissionszusammensetzung, positive und negative Auswirkungen halten sich aber verglichen mit konventionellen Kraftstoffen ungefähr die Waage.
Treibstoffe sind nur eine von mehreren Möglichkeiten, die Nachhaltigkeit des Transportwesens zu beeinflussen. Eine umfassendere Perspektive erscheint nötig. Insbesondere die Effizienzproblematik des Verkehrs muss diesbezüglich besonders berücksichtigt werden.
Zusammenfassung des Gastkommentars:
Dr. Walter Böhme, Innovationschef der OMV, kommentierte das Referat von Hr. Zulka. Er erklärt, dass die OMV keine Biokraftstoffe produziert und stützt sich dabei auf die im Referat genannten Gründe. Man könne nicht von heute auf morgen die Produktion umstellen, das würde auch die Rohstofflieferanten überfordern. Jedoch werden Überschüsse genutzt und manche Rohstoffe importiert. Österreich hat in Europa die höchste Quote an Biokraftstoffen (7%). Gerade in Europa gäbe es eine hohe Überschussproduktion im Agrarsektor, was auch einer der Gründe für die Erlassung der EU-Richtlinie zur Förderung von Biokraftstoffen ist (neben dem Beitritt großer Agrarländer wie z.B. Rumänien). Das EU- Ziel von 10% ist zwar nicht viel, dennoch muss man zusehen, wie man dies auch nachhaltig erreichen kann. Immerhin sollte man dabei beachten, dass durch die Landnutzungsänderungen zusätzliche Emissionen frei werden, die letztlich zu Null-Reduktionen führen. Effizienzmaßnahmen seien als Anpassungen an den Klimawandel ebenso zu wichtig wie erneuerbare Energieträger. Es komme insgesamt auf das richtige Mittelmaß an, damit der Kunde ein gutes Produkt erhält.
Im Anschluss daran folgte das Referat von Dr. Ingeborg Auer (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik): A tale of two Valleys: Die konträren Strategien von zwei benachbarten Alpentälern mit Klimavariabiliät und Klimawandel umzugehen.
Dabei standen die lokalen Klimaentwicklungen über die Zeit im Vordergrund.
Frau Auer zu Ihrem Referat:
Das Rauristal in Salzburg und das Mölltal in Kärnten, zwei benachbarte Alpentäler, die sich in Wetter und Klima sowie in ihren sozioökonomischen, naturräumlichen und politischen Verhältnissen stark voneinander unterscheiden, sind Gegenstand dieses Projektes, das die folgenden Fragen stellt:
- Wie waren die Klimatrends und die extremen Wetterereignisse in der Vergangenheit: global – regional – lokal
- Wie haben sie sich auf die Natur ausgewirkt (z.B. auf Gletscher, Permafrost, Vegetation)?
- Klimaänderung versus Landnutzung
- Wie unterscheidet sich die Entwicklung der beiden Täler: im einen Fall von Agrar- und Forstwirtschaft zur technischen Nutzung der Natur (intensive Wasserkraftnutzung, Gletscherskigebiet), im anderen Fall vom Bergbaugebiet zur Nationalpark-Gemeinde mit eher sanfter Nutzung des Naturraums?
- Welche Zukunftsperspektiven lassen sich von den Szenarien der künftigen Risikoentwicklung für die beiden Täler ableiten? – Wie sind Meinungen der Bewohner- und Bewohnerinnen dazu, was halten sie für realistisch?
Forscherinnen und Forscher der Zentralanstalt für Meteorologie und des Joanneum Research erstellen fachspezifische Analysen und entwickeln dann gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung, mit den dortigen Schulen, Vereinen und Entscheidungsträgern inter- und transdisziplinäre Szenarien zur Klimaveränderung.
Zusammenfassung des Gastkommentars:
Frau Susanne Langmeier-Kovac von den Österreichischen Bundesforsten kommentierte das Referat von Fr. Auer aus der wirtschaftlichen Perspektive. In den im Referat diskutierten Täler (Rauris und Mölltal) besitzen auch die ÖBf Naturflächen (Wald- und Wasserflächen). Sie betont, dass sich jedes Unternehmen heute im Anbetracht des Klimawandels Alternativen überlegen müsse, also zu Veränderungen gezwungen sei, und nimmt die ÖBf dabei keineswegs aus. Im Gegenteil, gerade die ÖBf seien besonders vom Klimawandel betroffen: Stärkere Extremwetterereignisse (Unwetter, Sturm, Trockenheit,...) Gletscherschmelze, Verschiebung der Baumgrenze, etc. Daher gelte es, Partnerschaften mit den jeweiligen Gemeinden einzugehen, um gemeinsam zu geeigneten Anpassungsmaßnahmen / Lösungen zu kommen. Frau Langmeier-Kovac spricht sich dabei klar für sanfte und gegen Brachiallösungen aus. Als Beispiel: Wenn die Temperaturen allgemein steigen und in den Tälern mit „Hitzetouristen“ aus den Ballungszentren im Sommer zu rechnen ist, dann sollte man beginnen, über sanften Sommertourismus nachzudenken (z.B. Wanderwege errichten) anstatt zwanghaft zu versuchen, den Wintertourismus mithilfe von Schneekanonen aufrecht zu erhalten.
Als dritter und letzter Input des Abends stellte DI Dr. Ulrike Pröbstl (Universität für Bodenkultur Wien) ihr Projekt: STRATEGE: Strategien zur nachhaltigen Raumentwicklung von Tourismusregionen unter dem Einfluss der globalen Erwärmung am Beispiel der Wintersportregion Schladming vor.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wintersportregion Schladming und die Konsequenzen, die daraus gezogen werden können, sind die Forschungsschwerpunkte des transdisziplinären proVISION-Projektes STRATEGE.
Frau Pröbstl über ihr Referat:
Die tatsächlichen Auswirkungen des Klimawandels einerseits aber auch seine Wahrnehmung in den Medien der Politik und Gesellschaft andererseits haben Einfluss auf die unternehmerischen Entscheidungen und die Entwicklung einer Region. Es stellt sich die Frage der Investitionssicherheit, der Planungssicherheit und der Kompensationsmöglichkeiten, u.a. temporär durch technische Beschneiung bzw. langfristig durch neue betriebliche, regionale und sektorspezifische Tourismuskonzepte sowie nach den Entwicklungspotentialen einer Untersuchungsregion bei veränderter klimatischer Situation.
In Kenntnis der regionalwirtschaftlichen Strukturen und lokalen Klimamodelle lassen sich Konzepte für die zukünftige Entwicklung diskutieren. Mit Hilfe eines touristischen Managementmodells (TOMM) lassen sich neue Entwicklungen fördern und nachvollziehen. Ideen und Konzepte hierzu können von Betrieben, Kommunen und von interessierten Bürgern und Bürgerinnen kommen.
Zusammenfassung des Gastkommentars:
Thomas Salzer von der Salzer Holding kommentierte das Referat von Fr. Pröbstl aus seiner Sicht, wobei er zu Beginn darauf hinwies, dass er selbst mit Tourismus eher wenig zu tun hätte. Dennoch findet er Anknüpfpunkte, z.B. dass man definitiv konstatieren könne, dass die Wirtschaft reagiert - sei es durch kurzfristige Schneeerzeugung oder durch neue Tourismuskonzepte. Man müsse sich aber immer fragen: Was wünschen wir uns als Gesellschaft? Herr Salzer wünscht sich v.a. die Erhaltung des produzierenden Sektors und verweist auf dessen grundlegende Bedeutung, da ohne ihn weder Wertschöpfung noch Tourismus existieren könne. Deshalb spricht er sich gegen zu übermütigen politischen Aktionismus und für mehr Planbarkeit aus, immerhin solle auch verhindert werden, dass Unternehmen ihre Produktionsbereiche aus Österreich ins Ausland verlegen, um dort unter geringeren Umweltstandards und -auflagen zu produzieren.
Schließlich ging Herr Salzer noch auf die Energieproduktion auf dem eigenen Unternehmensstandort ein. Strom und Dampf werde effizient am Standort bezogen, jedoch läuft die Anlage bald aus, weshalb heute Fragen zur kommenden Energieversorgung auftauchen und diesbzgl. Überlegungen angestellt werden müssen. Es gäbe kaum ordentliche Alternativen zu Gas (bisheriger Energieträger), so Salzer. Denn einerseits seien andere fossile Energieträger noch schlechter in Bezug auf Emissionsverhalten etc. Andererseits seien erneuerbare Energieträger noch zu wenig verfügbar.
Es gäbe zwar eine Unzahl an kleinen Stromerzeugern aus erneuerbaren Energieträgern, die ins öffentliche Netz einspeisen und für diesen Ökostrom Entgelte erhalten. Jedoch sei diese dezentrale Form der Energieproduktion äußerst ineffizient, so Salzer. Besser wären industrielle Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, die insgesamt weniger CO2 verbrauchen und mehr Arbeitsplatze schaffen.
Zusammenfassung der Diskussionsbeiträge im World Café:
Nach den einzelnen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Inputs fand sich die Zuhörerschaft in 3 Gruppen (je Referat) zusammen, um World-café-artig die Themen zu reflektieren, diskutieren und neu aufzubereiten. Jede Gruppe stellte ein Flipchartposter her, auf dem die wesentlichen Ergebnisse der 20-minütigen Gruppen-Diskussion zusammengefasst wurden. Diese Plakate wurden vom jeweiligen Gastkommentator wiederum in der großen plenum-Runde den anderen Gruppen vorgestellt.
Die Gruppe von Fr. Pröbstl präsentierte ihre Diskussionsergebnisse zuerst: Es sei eine sehr lebhafte und interessante Diskussion gewesen und man konnte sich auf folgende Punkte einigen.
- Lösungen müssten über die politischen Parteingrenzen hinweg gefunden werden
- Das Spannungsfeld Biokraftstoffe vs. Nahrungsmittelproduktion sei im Auge zu behalten
- Bewusstseinsentwicklung bei der lokalen Bevölkerung sei ganz entscheidend voranzubringen (z.B. durch Pädagogik, Planspiele, etc.)
- Die Rolle der Raumplanung stärken als Instrument für Zusammensiedlung statt Zersiedelung, Kooperation, Vernetzung und für die Nutzung von Synergieeffekten.
Hr. Böhme von der OMV präsentierte im Anschluss daran die Diskussionsergebnisse zum Referat von Hr. Zulka (Biokraftstoffe). V.a. ist Biogas in der Runde stark diskutiert worden, weil man gesehen hat, dass dabei die größten Einsparpotenziale verborgen liegen und in der Studie Biogas am besten abgeschnitten hat. Nichts desto trotz waren kritische Stimmen gegenüber Biogas in der Runde zu vernehmen.
Ebenso wurde über Gasfahrzeuge vs. Elektrofahrzeuge gesprochen, wobei betont wurde, dass man auch einen Markt braucht, damit z.B. die Biogasproduktion für die Mobilität wirklich ausgebaut werden würde. Am Markt herrsche schlichtweg noch zu wenig Nachfrage, trotz vieler Versuche, diesen Markt zu generieren und anzuheizen. Was die Substitution von fossilen Energieträgern angeht, so sei immer die Bewertungsfrage mit zu berücksichtigen. Es gibt bestimmte Regeln, Normen, Standards, die innerhalb Europas unbedingt vereinheitlicht gehören, damit die Substitutions- und Einsparungsberechnungen in jedem Land gleich sind und die Substitution gleich viel wiegt.
Ebenso sind Koppelprodukte wichtig, z.B. kann man aus Zuckerrohr zur Hälfte Ethanol, zur anderen Hälfte ein Futtermittel herstellen. Oder Stroh ist sowohl Futtermittel als auch Heizenergieträger. Die Brachenumwandlung wurde auch von der Gruppe angesprochen – trotz satter 50.000 ha Brache spräche in Österreich viel gegen eine Inbetriebnahme, v.a. ökonomische Gründe, weil man schlichtweg aus der Bewirtschaftung dieser Flächen weniger Energie erntet, als man investiert.
Abschließend präsentierte Fr. Langmeier-Kovac die Diskussionsergebnisse zum Referat von Fr. Auer. Man konzentrierte sich eher auf den Aspekt: Was spielte sich bei der Begegnung von Wissenschaft und Stakeholdern (lokale Bevölkerung) ab? Man hat 500 Leute mit großen Themen wie Klimawandel in den untersuchten Tälern (Rauris und Mölltal) konfrontiert. Dabei seien Frauen weniger interessiert gewesen als Männer, was ein wenig verwundert, wo sonst Frauen eher ein umweltschonenderes Verhalten an den Tag legen würden (vgl. Ernährung).
Weiteres Ergebnis: Ein Nationalpark (das Rauristal liegt z.T. im Nationalpark Hohe Tauern) ist zwar für die Besucher ganz toll, jedoch würden die Rauriser ihn als Einschränkung sehen, da er wirtschaftliche und touristische Wertschöpfung durch begrenzte Nutzungsmöglichkeiten limitiert.
Ganz stark sei das Bild des Umwelt-, Klima- und Naturschutzes in der lokalen Bevölkerung beeinflusst von der lokalen Medienberichterstattung sowie von der persönlichen Betroffenheit. Ebenso sei ein Zusammenhang zu erkennen zwischen der Thematisierung von Klimaschutz in Schulen und die Auseinandersetzung damit zu Hause, d.h. dass auch Bildungseinrichtungen einen wesentlichen Beitrag zur Bewusstseinsvertiefung leisten können. Wenn man die befragten Personen mit Klimaszenarien für die Zukunft konfrontiere, so sei das, was sie am wenigsten persönlich betrifft, das, was sie sich am meisten wünschen. Gleichzeitig rechnen sie aber mit den schlimmsten Szenarien. Abschließend benannte man noch ein grundlegendes Problem der wissenschaftlichen Forschung in diesem Bereich: es seien nicht die Daten, die mangelhaft wären oder nicht gut zu bearbeiten. Vielmehr sind es die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die man nicht vorhersagen kann und die auch die Wissenschaft folglich in Unsicherheit und im Dunkeln tappen lassen.



