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Buchneuerscheinung „VORSICHT VERTRAUEN“

28.02.2011:

Immer mehr Vaterschaftstests, immer niedrigere Wahlbeteiligung. Immer mehr Kirchenaustritte, immer weniger Zeitungsleser. Manfred Berger und Arne Johannsen analysieren, wie das Vertrauen in Politik, Kirche, Medien und Werbung untergraben wurde und zeigen, wie der gesellschaftliche Zusammenhalt ohne Vertrauen schwächer wird.

Aus einer vom Meinungsforschungs-Institut Gallup für das Buch durchgeführten repräsentative Umfrage geht hervor, dass die Österreicher ihrer Mineralwassermarke eher vertrauen als dem Bundespräsidenten und der Kirche. Vertrauenssieger ist der Hausarzt, Kreditkarten-Anbieter und Autohersteller liegen am unteren Ende des Rankings.

Die Wirtschaft ist von der Vertrauenskrise besonders schwer betroffen, so die Autoren. Ausgelöst durch das Misstrauen der Banken untereinander hat die Finanzkrise das Vertrauen in die wirtschaftlichen Eliten, die Selbstregulierung der Märkte und die Beherrschbarkeit von wirtschaftlichen Prozessen zerstört. Die Finanzkrise war eine Vertrauenskrise. Und sie konnte nur deshalb weltweit solche Wucht entfalten, weil das Vertrauen der Menschen in vielen Lebensbereichen bereits vorher erodiert war.

Vertrauen ist aber die Basis moderner Gesellschaften und moderner Wirtschaftssysteme. Ohne Vertrauen kommt keine wirtschaftliche Transaktion zustande, ohne Vertrauen gibt es keine Wirtschaft. Wohlstandsunterschiede zwischen Ländern beruht laut manchen Ökonomen vor allem darauf, dass in den armen Ländern Vertrauen fehlt, was Wirtschaft und Gesellschaft lähmt.

Vertrauensdefizit im Internet
Die zunehmende Unübersichtlichkeit einer Welt ohne Handelsschranken, die enorme Beschleunigung des Lebens sowie die gigantisch gestiegene Menge an vorhandener und abrufbarer Information haben den bisherigen Zugang zur Verarbeitung von Wirklichkeit in Frage gestellt. Viele Menschen haben das Vertrauen in ihre eigene Fähigkeit, die Welt zu erfassen und zu erklären, verloren.

Blogs und Internetforen zählen zu den wenigen unbestrittenen Siegern der Krise. Sie füllen die Lücke, die die an Bedeutung verlierenden klassischen Medien hinterlassen. Sie ermöglichen Kommunikation auf Augenhöhe und verdrängen die traditionell hierarchisch organisierte öffentliche Kommunikation, bei der Journalisten, Politiker und Experten die Themen bestimmen.

Dennoch wird das Internet nicht die neue Rolle des Vertrauensgebers übernehmen. Das Internet ist vom Ursprung her ein anarchistisches Medium. Informationen können anonym hinein gestellt werden. Vertrauen basiert aber ganz wesentlich auf Transparenz, Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit — ein kaum zu lösender Widerspruch. Das Web 2.0. ist bereits erfunden, der Weg zum Vertrauen 3.0. wird noch gesucht. Immerhin: Mit seinem „Dashboard" hat Google ein Instrument geschaffen, mit dem Nutzer abrufen können, welche Daten Google über sie gespeichert hat — ein deutliches Zeichen, wohin die Reise auch im Internet geht.

Vertrauen auf Veränderung
Das bisherige Verständnis von „Vertrauen" ist linear, ihm liegen Faktoren wie Langfristigkeit, Kontinuität und Erfahrung zugrunde. Dem zukünftigen Verständnis von Vertrauen liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die ständige Veränderung ein kontinuierlicher Faktor ist. Persönliche Karrieren und Unternehmensentwicklungen werden durch Brüche und Sprünge gekennzeichnet sein. Das neue Vertrauen ist damit auch durch Mut, Klarheit und realistische Versprechen gekennzeichnet. Wer neues Vertrauen aufbauen will, muss glaubwürdig handeln — nicht wie die katholische Kirche, die auf die Missbrauchsvorwürfe zuerst halbherzig bis gar nicht reagierte und jetzt eine Massenflucht ihrer Mitglieder erlebt. Die Gläubigen haben das Vertrauen in die Institution verloren.

In der Werbung muss das Produkt wieder wichtiger werden als der gerade aktuelle Designer oder die Models, die es präsentieren. Gelungene Beispiele dafür sind die aktuellen Kampagnen von Louis Vuitton und Gucci, die wieder die Substanz des Produktes in den Mittelpunkt rücken.

Zuhören zu können, in den vergangenen Jahren in einer von hektischem Aktionismus bestimmten Welt eher als Schwäche angesehen, weckt ebenfalls Vertrauen. Doch Vertrauen kann nicht aufgezwungen werden. Ein entscheidender Faktor dafür ist auch persönliches Commitment. Manager, die öffentlich und persönlich Stellung beziehen, haben ein positiveres Medienecho als Kollegen, die in schwierigen Situationen auf Tauchstation gehen.

Manfred Berger, Arne Johannsen
„VORSICHT VERTRAUEN“
Verlag: edition a
Euro 19,95

Ein Exemplar hat gewonnen Michaela Dornhackl, Gars 

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