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16.05.2011:

"Das lange Warten auf Elektroautos hat vor allem den Grund, dass es zu viele und zu mächtige Verlierer geben wird." Kommentar von Christian Brandstätter

„Die Elektromobilität ist eine Antwort für den Verkehr der Zukunft“ sagt Umweltminister Niki Berlakovich heute. “Elektrofahrzeuge sind die Zukunftshoffnung für den motorisierten Individualverkehr“ habe ich 1994 geschrieben. Dazwischen liegen 17 Jahre. Und ich denke es werden noch einige Jahre ins Land ziehen, bis das Elektroauto in der Gegenwart ankommt. Wer hat so gar kein Interesse daran, dass wir unsere Autos mit Strom betreiben?

Da wäre an erster Stelle die Erdölindustrie als mit Abstand stärkste Wirtschaftsmacht zu nennen. Unter den weltweit 15 größten Unternehmen befinden sich sieben Erdölkonzerne mit einem Jahresumsatz von 1.500 Milliarden Euro. Auch im kleinen Österreich belegt die OMV den Spitzenplatz und erzielt mit dem Verkauf von Benzin & Co Umsätze jenseits der 20 Milliarden Euro.

Mit im Boot der Erdölkonzerne sitzt auch deren Vertriebsnetz, die Tankstellen. Und da Elektroautos fast ausschließlich zuhause oder am Arbeitsplatz geladen werden, hält sich die Begeisterung augrund zukünftiger Überflüssigkeit naturgemäß in Grenzen.

Das Interesse der etablierten Automobilkonzerne für einen zügigen Umstieg auf Stromer kann ich ebenfalls nicht erkennen. Die Branche präsentiert sich auf ihren Messen grün und elektrisch, vertrieben wird mehr denn je die fossile Modellpalette. Bestes Mittel um Otto Normalbürger vom Kauf eines Elektroautos abzuhalten, ist der Preis. Kleinstautos kosten mit rund 35.000 Euro etwa das Dreifache ihrer vergleichbaren Benzinbrüder oder Dieselschwestern, was nicht alleine an der teuren Batterie liegen kann. Wohl eher daran, dass der größte Teil der Wertschöpfung eines herkömmlichen Autos im Service und bei der Reparatur liegt und der Wartungsbedarf bei den Elektroautos wesentlich geringer ist. Und damit haben die Autowerkstätten, die zugleich das Vertriebsnetz der Hersteller bilden, sicher keine Freude.

Einige Autokonzerne machen staatliche Förderungen zur Bedingung, um in einem Land überhaupt tätig zu werden. EU-„Musterschüler“ ist hier Dänemark. Dort gibt es 17.500 Euro (!) für den Kauf eines Elektroautos. Es kann wohl nicht wirklich im Sinn des Gemeinwohles sein, wenn in so wichtigen Bereichen wie beim Sozial- und Bildungssystem an allen Ecken und Enden gespart werden muss, damit auf der anderen Seite mit Steuergeld der Kauf von Autos subventioniert werden kann.

Ob unsere Finanzministerin eine glühende Verfechterin der Elektromobilität ist, wage ich nicht nur aus diesem Grund zu bezweifeln. Immerhin lässt die Mineralölsteuer mehr als vier Milliarden Euro jährlich in die Staatskassen sprudeln. Den Strom für Elektroautos extra zu besteuern hat wenig Sinn. Eine Unterscheidung zwischen „Haushaltsstrom“ und „Autostrom“ – vergleichbar mit Heizöl und Diesel - wird nur schwer möglich sein. Und sie hätte auch keinen Sinn, weil Elektromotoren sehr effizient arbeiten und Erträge wie bei der Mineralölsteuer nicht annähernd hereingespielt werden könnten. Ohne Frau Fekter auf dumme Gedanken zu bringen: Wollte sie den Fehlbetrag im Budget mit einer Gebühr für die Straßenbenutzung hereinspielen, müsste eine Vignette mehr als 1.000 Euro kosten. Heiliger ÖAMTCARBÖ, bitt’ für uns!

Trotzdem werden die Elektroautos in den nächsten Jahren auf unsere Straßen kommen. Und zwar aus China.

LEBENSART Juni 2011

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